Kommentar zur Woche Ganz schön was los hier

Meinung | Niederrhein · Es passiert so viel Schönes am Niederrhein. Ein kleines Loblied auf die Kraft der Gemeinschaft – auf all die Schützenfeste, Rockfestivals und Nachbarschaftsfeiern.

 Bauernhof in Wertherbruch: Hier wird bald das Cheesecake-Festival stattfinden. Ein Ergebnis von Gemeinschaftsarbeit.  Foto: Cheesecake

Bauernhof in Wertherbruch: Hier wird bald das Cheesecake-Festival stattfinden. Ein Ergebnis von Gemeinschaftsarbeit. Foto: Cheesecake

Foto: Thorsten Winkelmann

Es geht auf das Ende der Ferien zu. Einerseits packt einen die Wehmut, weil aus dem Maisfeld morgens jetzt schon wieder Nebel hochsteigt und dies der unmissverständliche Hinweis ist, dass der Herbst naht. Doch dann blickt man in den Terminkalender des Niederrheins und merkt: Das ist auch die Zeit, in der unser Landstrich auflebt. Wer in Wesel, Hamminkeln oder Schermbeck wohnt, der wird an den kommenden Wochenenden von Veranstaltung zu Veranstaltung gelockt. Und überall haben viele Menschen viel Kraft und Liebe investiert, um den Aufenthalt schön zu machen.

Es könnte an der Topografie des Niederrheins liegen, dass trotz all der nachgesagten Sturköpfigkeit der Menschen doch eine große Toleranz das Leben beherrscht. Der Niederrhein ist flach – man sieht immer, was die anderen machen. Man lebt buchstäblich nicht hinter dem Berg. So befruchten sich Ideen gegenseitig. So lernt man auch beim Feiern. Es sagt auch viel aus über die Toleranz des Niederrheins, dass hier die Festivitäten meist in friedlicher Koexistenz gleichberechtigt nebeneinander stehen: Schützenfest und Rockfestival sind zwei Seiten einer Dorfmedaille. Oft sind es die gleichen Protagonisten, die da feiern. Und nie ist man nur Besucher. Bei vielen der Feste wirkt man wie selbstverständlich auch als Gastgeber mit, indem man Kuchen spendet, für mehrere Stunden am Zapfhahn steht oder das Zelt aufbauen hilft. So sind die Feste immer auch eine Feier der Gemeinschaft.

Eine Nachricht hat uns diese Woche in dieser Hinsicht besonders staunen lassen: In Wertherbruch haben junge Menschen ihr ganz eigenes Festival auf die Beine gestellt und damit 450 zahlende Gäste begeistert. Nächste Woche startet das erste „Cheesecake“-Festival. Und nach allem, was man im Vorfeld vernimmt, werden es wie in Woodstock drei Tage der Liebe und des Friedens. Vorbild ist das Haldern-Pop-Festival, das auf seine Art das Feiern in der Region geprägt hat.

Es geht eben am Niederrhein nie allein um den großen Bombast. Es geht oft genug darum, gemeinsam eine schöne Zeit zu haben. Das geht übrigens an vielen Plätzen in der Region: In Hamminkeln wird jetzt wieder Stadtfest gefeiert. Bennen on Butten ist eine Leistungsschau des Kleinstadtlebens, das Städtchen präsentiert sich in seiner ländlichen Vielfalt zwischen Apfelsaft und Käsekuchen. Ein kleines Dörfchen wie Bergerfurth wiederum ist zurecht stolz auf sein Oktoberfest, das die Schützen in wenigen Wochen wieder stemmen. In Wesel werden an diesem Wochenende die Drachenbootregatta und die Flugtage gefeiert. Und nächste Woche steht wieder das große Bürger-Schützen-Fest an. Auch hier lässt sich die verbindende Kraft von Gemeinschaft spüren. So ein Schützenfest ist Inszenierung, es ist durchgetaktet und folgt einem festen Ritus. Die besten Stunden hat man aber als Schütze nicht dann, wenn man durch die Straßen marschiert, sondern wenn man mit anderen Schützen gesellig redet, wenn man in Kontakt tritt, den Alltag Alltag sein lässt. Ein Schützenfest stiftet Gemeinschaft. Und es spendet Hoffnung. Goldene Regel: Es gibt immer ein nächstes Fest am Niederrhein.

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