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Wesel: Der Mann mit der Drohne

Wesel : Der Mann mit der Drohne

Arno Ingenlath aus Alpen macht derzeit aus besonderem Blickwinkel Aufnahmen vom Abriss der alten Weseler Rheinbrücke. Der 59-jährige Gutachter setzt einen ferngesteuerten Helikopter ein.

In 120 Meter Höhe an einem Industrieschlot Schäden zu begutachten oder austretende Gase zu analysieren, das ist nicht jedermanns Sache und kann teuer werden, wenn ein ordentliches Gerüst angebracht werden muss. Das muss auch anders gehen, sagte sich Arno Ingenlath. Der 59-jährige Gutachter des Büros GeSa aus Alpen setzt seit einem Jahr eine Drohne ein. Der ferngesteuerte Helikopter liefert Fotos und Videos von allem, was man sich denken kann. Zurzeit ist Ingenlath mit seinem sanft brummenden Fluggerät häufig in Wesel zu finden. Er dokumentiert den Abriss der alten Rheinbrücke aus besonderem Blickwinkel.

 Blick auf die Verschubbahn am Weseler Ufer: Bis auf einen Rest Fahrbahnplatte (Mitte) ist der erste Brücken-Abschnitt bereits demontiert.
Blick auf die Verschubbahn am Weseler Ufer: Bis auf einen Rest Fahrbahnplatte (Mitte) ist der erste Brücken-Abschnitt bereits demontiert. Foto: ingenlath

Segelfliegen in Wesel gelernt

"Die meisten Objekte sind in zehn Minuten abgefrühstückt", sagt Ingenlath, dessen Akkus für 20 Minuten Flugbetrieb reichen. Im Fall Rheinbrücke werden einige Einsätze zusammenkommen, denn richtig spannend wird es beim Verschub der letzten Meter mit Unterstützung per Schwimmponton.

Die Drohne, für ruhigen Flug mit sechs Rotoren ausgestattet, ist ein Prototyp. Mit wenigen Handgriffen hat Ingenlath sie startklar gemacht. Sicherheitsabstand muss sein. Der Mini-Hubschrauber bringt bis zu 4,5 Kilogramm auf die Waage und braucht eine "allgemeine Aufstiegserlaubnis für unbemannte Luftfahrtsysteme". Die hat der Alpener, der neben technischem Verständnis auch jene Kenntnisse anwenden kann, die er einst als Segelflugschüler bei den Luftsportfreunden Wesel erwarb. Bei den Runden an der Rheinbrücke achtet Ingenlath darauf, nicht über fließendem Verkehr zu fliegen und nach Möglichkeit auch Tanker zu meiden. Für den Fall eines Absturzes über dem Rhein hat der Alpener auch schon mal darüber nachgedacht, Schwimmer zu installieren, um wenigstens Teile retten zu können. Schließlich kostet so ein Fluggerät 15 000 bis 20 000 Euro.

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Interesse an Luftbildern und -filmen haben viele Leute. So ist Arno Ingenlath teils auch für Immobilienmakler unterwegs oder für Brautleute, die ihren schönsten Tag aus himmlischer Perspektive genießen wollen. Kerngeschäft bleibt die Dokumentation von Unglücken. Ingenlath gibt zu, dass die Drohne natürlich auch ein Spielzeug für große Jungs ist. Wie eine Modelleisenbahn. Die hat der Alpener angeschafft, um eine Entgleisung nachzustellen und einem Wartungsfehler an den Waggons auf die Spur zu kommen — mit Erfolg. Auf Livebilder einer Havarie an der Brücke hofft Ingenlath natürlich nicht, sondern auf reibungslosen Verlauf.

Internet Ein Video zum Thema finden Sie unter www.rp-online.de/wesel

(RP/rl)