Wesel: Der ewige Schiffsführer

Wesel: Der ewige Schiffsführer

Seit 62 Jahren ist der Rhein das zweite Zuhause von Josef Lohmann. Auf ein halbes Jahrhundert beruflicher Schifffahrt blickt der Gindericher zurück. Mit 76 Jahren steht er heute noch regelmäßig am Ruder der Personenfähre Keer tröch II, die zwischen Bislich und Xanten verkehrt.

Josef Lohmann und der Rhein - das ist eine ganz besonders innige Verbindung. Und eine, die bis heute gehalten hat. 1956 begann der gebürtige Gindericher seine Ausbildung auf einem Schleppschiff. Mehr als sechs Jahrzehnte später ist Lohmann immer noch auf Deutschlands längstem Fluss unterwegs - als einer von zehn Schiffsführern der Personenfähre Keer tröch II, die längst zu einem touristischen Höhepunkt am Niederrhein geworden ist.

"So lange es mir Spaß macht und die Gesundheit mitspielt, werde ich weitermachen", sagt der 76-Jährige. 15 Jahre war Lohmann lediglich alt, als er seine Ausbildung auf einem Schleppschiff begann. Drei Jahre später war er dann Matrose und im Jahr 1964, Josef Lohmann war gerade einmal 23 Jahre alt, absolvierte er sein Rheinschifferpatent, das ihn dazu berechtigte, zwischen den Niederlanden und Straßburg zu fahren.

Noch einmal drei Jahre zogen ins Land, da wechselte Lohmann auf ein Tankschiff, um dann 1970 sein Radarpatent abzulegen. Hintergrund: in der Folgezeit durfte er auch Fahrten bis Basel unternehmen. Nahezu gleichzeitig begann er seine Tätigkeit beim Weseler Traditionsunternehmen Hülskens, dem er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2007 die Treue hielt. Wer aber nun geglaubt hatte, Josef Lohmann würde nach einem halben Jahrhundert beruflicher Schifffahrt dem Rhein den Rücken kehren, der sah sich getäuscht.

"Als man mich angesprochen hat, ob ich nicht Lust hätte, die Keer tröch zu fahren, da musste ich nicht lange überlegen und habe zugesagt", erzählt Lohmann. Und so zählt der mittlerweile älteste Schiffsführer der Bislicher Fähre nun schon seit elf Jahren zum Team. Anfangs waren es nur sporadische Einsätze, mittlerweile lenkt der rüstige Rentner 35 Mal im Jahr die Fähre zwischen Bislich und Xanten über den Rhein, wobei er nahezu ausschließlich an den Wochentagen das Ruder übernimmt.

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"Auf den Josef kann man sich einfach in jeder Situation verlassen. Wenn wir mal einen Ausfall zu beklagen haben, springt er meistens gerne ein", sagt Fährleiter Dennis Bohländer. So übernimmt Lohmann auch die Fahrten zur Werft, wenn Reparaturen an der Fähre anstehen.

Natürlich hat der Gindericher auch die eine oder andere nicht alltägliche Geschichte auf der Keer tröch erlebt. Weniger schön war dabei der Moment, als ein Fahrgast urplötzlich über Bord sprang, um dann an Land zu schwimmen. "Eine gefährliche Sache, die Gott sei Dank gut ausgegangen ist", berichtet Lohmann. Schöner war da schon die Episode mit dem im Rhein schwimmenden Reh. Da setzte sich Lohmann mit der Fähre direkt neben das Tier und eskortierte es sicher ans andere Ufer. "Ein Fahrgast hat mir dann sogar noch fünf Euro zugesteckt, weil er mein Handeln als besonders tierlieb eingestuft hat. Das hat mich sehr gefreut", so Lohmann.

Der Vater dreier Kinder steht aber nicht nur auf dem Wasser seinen Mann. Auf dem Bauernhof seines Bruders, der mittlerweile von seinem Neffen betrieben wird, hilft Josef Lohmann ebenfalls noch regelmäßig aus. "Langeweile habe ich eigentlich nie", sagt er. Wer den "ewigen Schiffsführer" mal kennengelernt hat, der glaubt dies aufs Wort.

(me)