Wesel: Der Abschlepper, dem das Helfen Spaß macht

Wesel : Der Abschlepper, dem das Helfen Spaß macht

Wer ihn ruft, ist meistens schlecht gelaunt. Detlev Brüggemann, Mitarbeiter der Weseler Firma Lackermann, kommt trotzdem.

Das Telefon klingelt. Detlev Brüggemann setzt sich in seinen Schleppwagen und fährt los zum nächsten Einsatz. Bereits der vierte an diesem Tag. Es ist gerade einmal 10 Uhr. "Auf dem Pendlerparkplatz gegenüber der Auffahrt zur A 3 an der B 58 soll ein Golf stehen, der nicht mehr anspringt", sagt Detlev Brüggemann und gibt damit das weiter, was sein Chef Wolfgang Lackermann durchgegeben hat. "Mehr weiß ich auch noch nicht." Das ist aber auch genau das, was dem 55-Jährigen nach eigenen Angaben an seiner Arbeit Freude bereitet. "Kein Tag ist wie der andere." Zudem schätzt er den Kontakt zum Kunden und freut sich, wenn er helfen kann. Denn manchmal ist er eben auch Seelsorger, wie er sagt. Beim Abschleppunternehmen Lackermann, das im Auftrag des ADAC tätig wird, arbeitet er jetzt seit mehr als fünf Jahren.

Zwanzig Minuten später am Einsatzort. Brüggemann ist startklar, vom Kunden allerdings keine Spur. "Das kommt auch mal vor", sagt Brüggemann ganz gelassen und ruft beim Kunden an. Der ist in wenigen Minuten vor Ort. Hätte der Fachmann den Fahrer nicht erreicht, hätte er den Wagen stehenlassen müssen, da er den Straßenverkehr nicht behinderte. "Das wäre sonst Diebstahl." Bei zugeparkten Feuerwehrzufahrten oder wenn ein Fahrzeug behindernd steht, wird sofort abgeschleppt. Fahrzeuge, die länger nicht bewegt wurden und deren Halter nicht ausfindig gemacht werden kann, werden mit einem orangefarbenen Aufkleber versehen. Die Hinweise dazu kommen meist von Anwohnern. "Steht der Wagen nach vier Wochen immer noch an Ort und Stelle, wird abgeschleppt", sagt Klaus Schütz, Chef des Weseler Ordnungsamtes. Im vergangenen Jahr wurden von 134 Fahrzeugen mit Aufklebern zehn abgeschleppt.

Der Halter des Golfs kommt dann aber doch; gemeinsam mit seiner Frau. "Ich vermute, dass die Bremspumpe kaputt ist", fachsimpelt der Fahrzeugbesitzer. Detlev Brüggemann setzt sich in den Golf und überprüft die Vorahnung. Der Wagen lässt sich nämlich noch für wenige Sekunden anschalten, dann geht er aus. Der Eigentümer hat recht: Die Bremspumpe ist defekt, vor Ort kann Brüggemann gar nichts machen. Also: abschleppen. Für den Fall, dass ein Fahrzeug gar nicht mehr anspringt, hat der gelernte Kfz-Mechaniker einen Laptop dabei, mit dessen Hilfe er Fehler auslesen kann.

"Ich bin immer noch ein bisschen geschockt", gibt der Halter des Golfs zu. "Hier vorne ist der Wagen einfach ausgegangen", erinnert er sich und zeigt Richtung Abfahrt der A 3. Mit vereinten Kräften habe er mit seiner Ehefrau das Auto über die Kreuzung auf den Parkplatz geschoben.

Dann geht es los. Mittels eines Hebels an der Seite des Abschleppers lässt der Profi das sogenannte Plateau herrunter - eine sechs Meter lange Platte, auf der die Fahrzeuge transportiert werden. Ein Stahlseil samt Haken - insgesamt 30 Meter lang - , das er durch eine Fernbedienung ausfahren kann, hakt er am Golf ein. Jetzt ist Muskelkraft gefragt: Das Auto muss in die richtige Position gelenkt werden. "Der Winkel stimmt noch nicht und wir wollen ja vermeiden, dass das Auto auf der anderen Seite runterfällt", sagt Brüggemann und lacht. "Das wäre echt ärgerlich." Mit Hilfe des Stahlseils wird der Wagen nach oben gezogen und befestigt. Dann geht es mit dem Abschlepper zur nächsten Werkstatt. "Jetzt noch eben das Auto abladen und dann geht es weiter", sagt Brüggemann, der so langsam ins Schwitzen kommt. Das schwarze Auto stand günstig, so dass der Profi nicht viel Zeit zum Abschleppen brauchte. Ist ein Fahrzeug vorne und hinten zugeparkt, dann kann er es mit Radrollern aus der Lücke ziehen. Geht das nicht, hilft dann nur noch der Kran. Das wird dann aber ziemlich aufwendig.

Papierkram gehört übrigens auch dazu. "Wenn zum Beispiel jemand aus dem Ausland eine Panne hat, die nicht sofort behoben werden kann, dann suchen wir ein Hotel und organisieren, wenn gewünscht, den Transport des Wagens in die Heimatstadt." Vor der nächsten Panne noch schnell zum Chef, den Auftrag entgegennehmen. Viel Zeit bleibt allerdings nicht, denn das nächste liegengebliebene Fahrzeug wartet bereits auf den Schlepper.

(suko)
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