Wesel: Denkzettel für Graffiti-Sprayer: Jugendarrest

Wesel: Denkzettel für Graffiti-Sprayer: Jugendarrest

Gestern musste sich ein angehender Steinmetz für fünf kleinere Graffitis vor dem Amtsgericht in Wesel verantworten. Richter Ollesch schickte den jungen Mann für ein Wochenende in den Jugendarrest. Ein Denkzettel.

Von Juli bis September 2009 hatte der Angeklagte, wie er ohne Umschweife zugab, die Schriftzüge "UQ" beziehungsweise "WSL" an ein Gebäude am Mehrhooger Bahnhof, an eine Wand der Grundschule wie auch der Verbands-Sparkasse in Mehrhoog sowie ans Hallenbad und die Sporthalle in Hamminkeln gesprüht. Ein erster Versuch, die Schriftzüge zu entfernen, scheiterte. Dennoch ließ sich die Stadt darauf ein, dass der Angeklagte noch mal einen Anlauf unternehmen darf, die Graffitis auf städtischem Gemäuer zu beseitigen. Strenger hat die Sparkasse entschieden. Sie stellt dem Sprayer schon bald 900 Euro in Rechnung.

Neben dem Wochenende im Jugendarrest verlangt das Gericht, dass die vier noch verbliebenen Graffitis bis Ende Juni verschwunden sind. Die Staatsanwaltschaft hatte 25 Sozialstunden gefordert. Aber bereits die Fragen des Richters ließen ein strengeres Urteil erahnen. So wollte er wissen, was jemand mit mittlerer Reife sich bei derartigen Aktionen denkt. Schlichte Antwort: "Ich male gern."

Die schien Ollesch nicht zu gefallen. Er führte die knappen Kassen der Städte an und das fehlende Geld, das Schlagloch im Innenhof des Gerichts auszubessern. Es blieb ein wenig unklar, was das Schlagloch oder die klamme Lage der Kommunen mit dem Fall zu tun haben. Auch die geschmackliche Einschätzung des Gerichts, dass es sich um kein schönes Graffiti handele, sondern um eine "Schmiererei", erstaunte. Ohne Anwalt fiel es dem Angeklagten sichtlich schwer, dem Richter Paroli zu bieten. Nachdem der Richter düster ausgemalt hatte, dass auf den vermeintlichen Künstler möglicherweise noch bis zu 3000 Euro für die Beseitigung der Graffitis zukommen, akzeptierte der Angeklagte das Urteil.

(RP)