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Denk- und Ehrenmäler erzählen die Geschichte der Stadt Wesel

Denk- und Ehrenmäler in Wesel : Stadtgeschichte in Bronze und Stein

Die Stadt Wesel hat eine neue Broschüre der Denk- und Ehrenmäler herausgegeben. 44 Werke sind darin verzeichnet. Sie erinnern an bedeutende Ereignisse und Persönlichkeiten – für Einheimische wie Gäste gleichermaßen interessant.

Bombenfänger heißt im Volksmund das gewaltige Mahnmal an der Lipperheystraße Ecke Caspar-Baur-Straße. Als es 19 Jahre nach der Zerstörung Wesels im Zweiten Weltkrieg dort eingeweiht wurde, standen die Menschen dicht an dicht. Heute schlendern die meisten daran vorbei, ohne genau zu wissen, was es bedeutet. Vor dem Knieenden liegt eine Platte, die Auskunft gibt. Zu finden sind komprimierte Informationen natürlich in städtischen Publikationen. Dazu gibt es jetzt eine Neuauflage. Ein komplett neu gestaltete und erweiterte Broschüre „Denk- und Ehrenmäler in Wesel“ hat das Faltblatt von 2011 abgelöst. Bürgermeisterin Ulrike Westkamp und Kulturbeauftragte Sarah Heidebroek stellten das Heft am Mittwoch an der 3,40 Meter hohen und 700 Kilogramm schweren Figur vor, die an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft an der Lipperheystraße Ecke Caspar-Baur-Straße erinnert.

Die Broschüre ist für Einheimische wie Gäste gleichermaßen interessant. Sie bietet samt Kartenmaterial nicht nur einen Überblick über die 44 Werke und ihre Standorte. Sie gibt auch Informationen zu ihren Hintergründen und Bedeutungen. Dabei ist sie vor allem eins: ein Anreiz, sich tiefer mit den bedeutenden Ereignissen und Persönlichkeiten zu befassen. Im Fall des Bombenfängers erfährt man dann, dass Hans van Breek die herausragende Skulptur geschaffen hat. Als Hans Breker geboren wechselte er einen Namen, um sich von seinem Bruder Arno Breker und dessen Wirken in der NS-Zeit abzuheben.

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Die Arbeit an der neuen Broschüre war aufwendig. Der Weseler Stephan de Leuw (Flaggschiff Film) hat alle Werke professionell neu fotografiert. Verschiedene Abteilungen der Verwaltung waren beteiligt, um auch die Informationen zu den Denkmälern noch einmal zu überprüfen. Um diese zugänglich zu machen, ist außerdem jetzt ein Quellenverzeichnis angefügt. Und die Karten zu den Stadtteilen sind nun deutlich detaillierter als im bisherigen Faltblatt.

Die größte Gruppe der Denkmäler sind zum Gedenken an Kriegsopfer und Gefallene errichtet worden. Es sind 22 Stück, meist auf Initiativen aus der Bürgerschaft oder von Vereinen. Beispiele für heute kaum noch beachtete Stellen gibt es genug. Auch da, wo täglich Tausende vorbeikommen. Etwa am Bahnhof, wo gleich zwei Mahnmale stehen: das für die Vermissten und Gefangenen des Zweiten Weltkriegs 81955) und das für den deutschen Osten (1966). In diese Kategorie gehören selbstredend auch das Mahnmal für die jüdische Gemeinde am Willibrordi-Dom und die vielen Stolpersteine, die überall in der Stadt an das Schicksal der Weseler Juden erinnern und in einer separaten Broschüre zu finden sind.

Zehn weitere Werke sind Personen gewidmet – darunter Konrad Duden, der in Lackhausen gleich doppelt verewigt ist, Chemikerin Ida Noddack und Marschkönig Hermann Ludwig Blankenburg.

Stolz, weil vom klassizistischen Stil-Papst Karl-Friedrich Schinkel höchstselbst entworfen, ist die Stadt auf das älteste Werk: das Schilldenkmal in den Lippewiesen. Es wurde 1835 zum Gedenken an die Erschießung der elf Schillschen Offiziere errichtet, erfuhr unlängst eine Renovierung, leidet aber oft unter Vandalismus. Die jüngste Skulptur ist die Fährmann-Stele in Bislich. Sie bereichert erst seit 2019 die Sammlung und war auf Initiative der Mundartgruppe Bislich aufgestellt worden. Am Rheindeich erinnert sie an die einst gefährliche Arbeit der Fährmänner. Mehr über alle Denkmäler unter www.wesel.de.

(fws)