Delta-Port Wesel will mehr Waren von der Straße aufs Wasser bringen

Niederrhein : Delta-Port will mehr Waren von der Straße aufs Wasser bringen

Es gibt viele Ideen und Ansätze, doch zunächst muss die Infrastruktur für die Schifffahrt stimmen. Bernd Reuther (FDP) will sich dafür einsetzen.

Nordrhein-Westfalen steht im Jahr 154.000 Stunden im Stau – und das nicht nur auf der Autobahn. Auch den Wasserstraßen und Schienen könnte es besser gehen. Dagegen will die Hafengesellschaft Delta-Port mit ihren insgesamt fünf Anlagen zwischen Duisburg und den Niederlanden etwas tun. Damit weniger Lkw- und mehr Schiffstransporte stattfinden, muss eine Menge angepackt werden, sagt auch FDP-Bundestagsabgeordneter Bernd Reuther, der sich in Berlin für eine bessere Infrastruktur an Rhein und Ruhr einsetzen will. In einer Runde mit Delta-Port-Geschäftsführer Andreas Stolte wurden am Montag neue Pläne und Wünsche vorgestellt.

Ein Hotspot der Nachhaltigkeit sollen die Niederrheinhäfen in Wesel, Voerde, Rheinberg und Emmerich werden. Dazu zählt das Projekt Ecoport 813 – benannt nach Rheinkilometer 813 –, das 27.000 Tonnen CO2 einsparen soll. Mit Kühlhäusern und weniger Lkw auf der Straße will Delta-Port-Geschäftsführer Andreas Stolte die letzte Meile verkürzen – also die Strecke, auf der das Paket zum Kunden kommt. In den Kühlhäusern kann auch Fleisch gekühlt werden. Zum Beispiel Schweineringelschwänze, die bei uns für Entsetzen sorgen, in China aber als Delikatesse gelten. Von Voerde-Emmelsum können die dann gekühlt über die westeuropäischen Häfen nach China transportiert werden.

Das Projekt soll spätestens 2022 fertig werden. Allein die Ansiedlung von Nordfrost (wir berichteten) ist laut Stolte mit einer Investition von 40 Millionen Euro verbunden. Ecoport 813 mache den Niederrhein attraktiver. Das Problem: In Nordrhein-Westfalen steht es mit den Wasserwegen für die Binnenschifffahrt nicht zum Besten.

Was gemeint ist, sind „jahrzehntelange Versäumnisse“ in der Pflege und im Ausbau der Anlagen sowie in der Vorbereitung auf wechselnde Wasserstände. So sollten laut Peter Berns, FDP-Fraktionschef im Weseler Rat, moderne Binnenschiffe auch mit Niedrigwasser klarkommen können.

Niedrige Brücken, marode Poller und fast 100 Jahre alte Schleusen: Die Mängelliste ist lang, Abhilfe lässt auf sich warten. „Da müssen wir mehr Geschwindigkeit hinbekommen. Nur so bekommen wir mehr Warenströme auf das Schiff. Es fährt keiner mit dem Schiff, weil das so eine schöne Rheinfahrt ist“, kritisiert Bernd Reuther, der im Verkehrsausschuss des Bundestages sitzt. Er will Projekte nicht ewig prüfen lassen, sondern schnell etwas in Bewegung bringen. Das sei in Berlin in den letzten Jahren zu kurz gekommen.

„Der Fokus liegt jetzt vor allem auf dem Sanierungsstau“, sagt der Bundestagsabgeordnete aus Wesel, der auch die Schleuse Friedrichsfeld am Wesel-Datteln-Kanal anspricht. „Das ist ein eklatantes Beispiel. Wir müssen mehr Geld ausgeben, um schnellere Ergebnisse zu bekommen.“

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