Hamminkeln: Debatte um "Wilderei" in Wesel

Hamminkeln : Debatte um "Wilderei" in Wesel

Der Schock über zu wenige Anmeldungen an der Gesamtschule sitzt tief. Nun soll Imagewerbung mehr Eltern überzeugen. Und es gibt ein Planspiel, in Wesel abgelehnte Schüler aufzunehmen.

Mit 130 Anmeldungen liegt die Gesamtschule unter dem Limit, die angestrebte Sechszügigkeit an den Schulstandorten Hamminkeln und Dingden umzusetzen. Dafür wären 150 Anmeldungen aus den Grundschulen nötig gewesen. Nun ist die Stadt angewiesen auf Gnade und Weisheit der Bezirksregierung, die eine Ausnahmegenehmigung geben müsste, obwohl es rechnerisch nur für fünf Züge reicht. Die Antwort ans Rathaus soll noch diese Woche kommen. Inzwischen wird an Plan B gebastelt mithilfe von Nachbar Wesel: Die von der dortigen Gesamtschule Am Lauerhaas abgelehnten Kinder nach Hamminkeln zu holen, würde das Limit knacken. Schulleiterin Anette Schmücker lehnt das ab. Zwischen Verwaltung, Fraktionsspitzen und Schulleitung gab es schon Gespräche um die Zukunftsstrategie. Ein Ergebnis steht aus.

Die USD will heute im Rat dafür sorgen, dass Hamminkeln, wie geplant, 6,5 Millionen Euro in den Ausbau der Gesamtschule investiert. Es hatte zuvor Gedankenspiele gegeben, auf der Basis von fünf Zügen weniger groß zu bauen. "Es wäre das falsche Signal, jetzt nur einen Teil zu investieren", sagt Fraktionsvorsitzender Helmut Wisniewski. Das Problem mangelnder Akzeptanz vor Ort für Hamminkelns einziges Bildungsangebot mit Abitur ist so aber nicht beseitigt. Schulleiterin Anette Schmücker hält es nicht für einen Beinbruch, fünfzügig zu beginnen. Dieses Jahr seien die Übergängerzahlen deutlich geringer als 2017. Schließlich gilt die Prognose, dass 2019 mehr Grundschulkinder wechseln und dann die Sechszügigkeit in Reichweite ist.

Kein Interesse hat sie, Weseler Gesamtschüler anzunehmen. "Es gibt eine Absprache, sich keine Konkurrenz zu machen", sagt die Schulchefin. Wesels Schuldezernent Rainer Benien sieht dies flexibler: "Es ist keine Wilderei, wenn Hamminkeln Anmeldungen aus Wesel annimmt. Ich gehe davon aus, dass sich Eltern bewusst für die Gesamtschule entscheiden. Das würde dann auch für Hamminkeln gelten." Eine andere Frage ist, ob Weseler wirklich nach Hamminkeln wollen. Eine einzige Anmeldung aus dem Kreis der in Wesel Abgelehnten hat bisher aus eigenen Stücken die Alternative Hamminkeln gewählt. Ein verschwiegenes, weil sensibles Thema könnte sein, ob die Weseler Schüler zu den Hamminkelner Niveauvorstellungen passen.

Eine weitere Analyse der Gründe steht aus, warum Grundschulabgänger aus Hamminkeln ihre Heim-Schule nur zu 45 Prozent gewählt haben. Prognostiziert waren 60 Prozent Übergänger. 225 Schulabgänger hatte es gegeben, von den 130 Angemeldeten stammen über 20 aus Haldern, weitere aus anderen Orten, also wenig über 100 aus Hamminkeln. An welche auswärtigen Schulen die Hamminkelner Viertklässler gegangen sind, weiß die Schulverwaltung nicht.

Johannes Flaswinkel (Grüne): "Die Frage ist, wie es mit der Schule insgesamt weitergeht. Fünfzügig geht auch, aber wir müssen mehr an den Wechselquoten arbeiten, in den Dialog mit Eltern kommen. Was wollen wir bieten?" Das sei nicht mit einer Werbekampagne getan. Schmücker bittet: "Wir wollen in Ruhe weiter arbeiten. Als Schule im Aufbau können wir nicht alles leisten. Mit Grundschulen in einzelnen Ortsteilen wird die Zusammenarbeit intensiviert." Die Gesamtschule legt sich ins Zeug. Der ersten Berufemarkt am Samstag, 17. März, ist ein Baustein. Damit führt die Gesamtschule die Tradition der Heinrich-Meyers-Realschule, die den Berufemarkt 15 Mal durchgeführt hat, erstmals eigenverantwortlich mit dem bewährten Konzept weiter. Bilingualer Unterricht, Berufsorientierung, erfolgreiche Projekte wie "Flucht und Integration" zeigen: Die Gesamtschule hat mehr Anmeldungen verdient als dieses Jahr.

(RP)