Wesel: Dauerhaft zwei Vorstände beim Bauverein

Wesel: Dauerhaft zwei Vorstände beim Bauverein

Stadtwerke-Chef Franz Michelbrink freut sich auf seine neue Aufgabe als nebenamtlicher Vorstand.

Knapp zwei Jahre vor seiner Pensionierung im Dezember 2019 kommt auf Stadtwerke-Chef Franz Michelbrink noch mal eine ganze Menge Arbeit zu. Denn der 63-Jährige mit Bislicher Wurzeln ist, wie berichtet, vom Aufsichtsrat der Bauverein Wesel AG als nebenamtlicher Vorstand ins Boot geholt worden. Voraussichtlich für ein Jahr. Zusammen mit Vorstand Anett Leuchtmann, deren bis zum 31. Juli laufender Vertrag nach internen Streitigkeiten nicht verlängert wurde, soll er vor allem für das Wohnbauprojekt an der Kreuzstraße (Ex-Kreiswehrersatzamt) zuständig sein, an dem unter anderem auch die Weseler Wohnungsbaugenossenschaft beteiligt ist (wir berichteten mehrfach).

Franz Michelbrink war schon mal nebenamtlicher Vorstand. Foto: kwn

"Ich freue mich auf diese Aufgabe. Es geht auch darum, die uneingeschränkte Handlungsfähigkeit der Bauverein AG zu gewährleisten - auch in der Übergangszeit", erklärte er gestern im Gespräch mit unserer Redaktion. "Das Unternehmen ist gut aufgestellt."

Ludger Hovest (SPD): "Michelbrink hat unser Vertrauen." Foto: Bauch

Dass die Chemie zwischen ihm und Anett Leuchtmann stimmt, hat sich in der Vergangenheit gezeigt. Vor einem guten Jahrzehnt waren beide gemeinsam als Vorstände beim Bauverein tätig. Auch als Leuchtmann 2008 zum Alleinvorstand aufstieg und Michelbrink zu den Stadtwerken wechselte, kreuzten sich ihre Wege immer wieder. Anett Leuchtmann selbst war gestern übrigens nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Zu der Frage, wie er denn künftig die Aufgabe bei den Stadtwerken und beim Bauverein unter einen Hut bringen wolle, wollte sich Michelbrink gestern nicht äußern und bat um Verständnis. Es müssten noch viele Dinge geklärt und Gespräche geführt werden. Gewohnt auskunftsfreudig präsentierte sich SPD-Fraktionschef Ludger Hovest in seiner Funktion als Aufsichtsratsmitglied. Auf Anfrage erklärte er gestern, "dass Herr Michelbrink, der von der Aufsichtsratsvorsitzenden Ulrike Westkamp vorgeschlagen wurde, unser Vertrauen hat, weil wir wissen, dass er es kann." Auch die CDU habe für Michelbrink gestimmt, auch wenn diese "nicht ganz so begeistert war. Die haben bekanntlich ihre Probleme mit Michelbrink". Weiter teilte Hovest mit, dass der Aufsichtsrat in seiner nächsten Sitzung dafür sorgen werde, dass Michelbrink den nötigen Freiraum erhalte, um seiner Tätigkeit nachkommen zu können, für die er eine "kleine Aufwandsentschädigung" erhalte.

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Auch wenn ein Nachfolger für Leuchtmann gefunden ist - die Stellenanzeige wird Ende des Monats in den regionalen Tageszeitungen und einigen Immobilien-Fachzeitschriften zu finden sein - , soll beim Bauverein dauerhaft ein Führungs-Duo das Sagen haben. "Wir werden uns von der Ein-Mann-Lösung verabschieden", kündigt Ludger Hovest an. "Dem hauptamtlichen Vorstand wird künftig eine nebenamtlich tätige Person zur Seite gestellt - und das wird nicht Franz Michelbrink sein." Die Erfahrung habe gezeigt, dass die Prokuristen des Bauvereins nur sehr beschränkt handlungsfähig seien.

Zu der überraschenden Entwicklung beim Bauverein zu Wort gemeldet hat sich gestern Thomas Moll von der Fraktion Wir für Wesel (WfW), der sich über Michelbrinks "Wahl zum neuen Chef des Städtischen Bauvereins" freut. Aus seiner Sicht ergebe sich jetzt die Möglichkeit, den Bauverein "wieder auf solide und vor allem verantwortungsvolle Beine zu stellen". 2017 sei kein gutes Jahr für die Bauverein Wesel AG gewesen. "Franz Michelbrink ist unserer Meinung nach die mit Abstand beste Wahl für die Zukunft des Unternehmens, für die Mieter und für die Aktionäre", so Moll.

Anlass für den Streit bei den Vertragsverhandlungen waren nach Angaben von Hovest viel zu hohe Forderungen von Leuchtmann. Wie berichtet, soll sie weit mehr als die derzeitigen 160.000 Euro Gesamtbezüge gefordert haben. Hovest sagte, er habe die jetzigen Bezüge mit denen von Bauvereinen aus vergleichbar großen Städten verglichen. Demnach läge Leuchtmann im Vergleich im oberen Drittel. "Die Forderungen waren maßlos und unverschämt." Leuchtmann selbst habe den Vertrag geschrieben, dort aber Bedingungen gestellt, die der Aufsichtsrat nicht habe mittragen können. Bei 120.000 Euro lag das Anfangsgehalt 2012, stieg dann jährlich um mehrere Tausend Euro, diesmal wäre es aber rapide gestiegen.

Hovest glaubt, dass Leuchtmanns Vorgehen dadurch motiviert sein könnte, dass in 2017 das Problem der sogenannten kritischen Aktionäre im Bauverein beseitigt wurde. "Nun erweckt Frau Leuchtmann den Eindruck, als hätte sie eine ähnliche Mentalität."

(RP)