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Wesel: Das bringt das neue Stellwerk

Wesel : Das bringt das neue Stellwerk

Anfang Mai geht das elektronische Stellwerk in Betrieb. Für die Bahn ist das ein gewaltiges Projekt mit enormem Arbeitsaufwand. Sie investiert rund 80 Millionen Euro. Dies sind die Folgen und Hintergründe.

In der Zeit vom 4. bis 8. Mai wird das elektronische Stellwerk Emmerich in Betrieb genommen. Für die fünf Tage wird die Betuwe-Strecke gesperrt.

Sinn und Zweck

Das elektronische, also computergesteuerte Stellwerk Emmerich soll mittelfristig sechs alte Stellwerke ersetzen. Es wird dann die Weichen und Signale für den gesamten Zugverkehr von Oberhausen bis zur niederländischen Grenze steuern. In der ersten Baustufe werden jetzt vier alte Stellwerke aufgegeben: Emmerich, Empel, Mehrhoog und Wesel. Voraussichtlich zum Ende des Jahres kommt die Strecke von Voerde bis Oberhausen-Sterkrade mit ihren beiden Stellwerken dazu.

Der Nutzen

Die digitale Infrastruktur ist eine Voraussetzung für den dreigleisigen Betuwe-Ausbau und eine Anpassung an europäische Standards. Außerdem soll der Betrieb insgesamt zuverlässiger und kostengünstiger werden.

Mammut-Projekt in der Praxis

Die gesamte Schienentechnik wurde beziehungsweise wird für das neue System umgestellt, teilweise auch neu aufgebaut. Deshalb sind derzeit immer wieder Bahnübergänge gesperrt. Vom 4. bis zum 8. Mai wird die Strecke von Emmerich bis Wesel komplett geräumt. Mitarbeiter schwärmen aus und erledigen letzte Arbeiten, etwa die Aufstellung neuer Signalanlagen. Dann wird jeder einzelne Bahnübergang, jede Weiche, jedes Signal, einzeln auf das System "aufgeschaltet" und vor Ort und am Computer geprüft.

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Neue und alte Technik

Einst mussten die Weichen im Zugverkehr noch mit Seilzügen in Position gebracht werden. 1966 wurde in Emmerich das elektrische Stellwerk eingeführt, das bis heute in Betrieb ist. Dort treffen die Mitarbeiter alle Einstellungen per Knopfdruck. Ihr Arbeitsfeld ist dabei ein großes Schaltpult, das die Gleisanlagen der Strecke stilisiert nachbildet. Von ihrem Tower aus haben sie einen "echten" Blick auf die Schienen. Im elektronischen Stellwerk passiert alles per Mausklick. Das Gleisbild ist als Computergrafik auf dem Bildschirm zu sehen.

Die Perspektive: Duisburg

Die physische Nähe der sogenannten Fahrdienstleiter, die die Weichen stellen, zu "ihrem" Gleisabschnitt ist bei der digitalen Technik nebensächlich. Mittelfristig — schätzungsweise in etwa einem Jahr — sollen die Mitarbeiter des Stellwerks Emmerich in die "Betriebszentrale" in Duisburg umziehen. Die Ausstattung vor Ort bleibt aber erhalten — für den Fall, dass es in Duisburg mal Probleme geben sollte. Der Teilbereich Wesel, der ja auch zum Emmericher Stellwerk gehört, wird von Anfang an von Duisburg aus bedient.

Folgen fürs Personal

Entlassungen soll es nach Angaben der Bahn nicht geben. Lediglich würden Mitarbeiter versetzt, zum Beispiel nach Duisburg.

(RP/rl)