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Hamminkeln: Dachmarke für Hamminkelns Tourismus gesucht

Hamminkeln : Dachmarke für Hamminkelns Tourismus gesucht

Wie kann Hamminkeln um Touristen werben? Wilhelm Kloppert von der Hamminkelner Feldschlösschen Brauerei hat Pläne. Ihm schwebt der Slogan "Rad & Genuss" vor. Er verweist auf die zahlreichen touristischen Höhepunkte der Region.

Wie kann Hamminkeln um Touristen werben? Wilhelm Kloppert von der Hamminkelner Feldschlösschen Brauerei hat Pläne. Ihm schwebt der Slogan "Rad & Genuss" vor. Er verweist auf die zahlreichen touristischen Höhepunkte der Region.

"Heimat" ist der Kernbegriff des Flyers. Er schwebt über einem sattbraunen Kornfeld. Darunter prangt das Logo "Niederrheinisch-Westfälische Braumanufaktur". Beheimatet ist sie in Hamminkeln, und den Tourismusexperten aus dem Kreis Wesel war sie eine sehr lobende Erwähnung wert bei der letzten Veranstaltung der CDU-Mittelstandsvereinigung (MIT). Denn die Braumanufaktur im "1852", dem Laden mit regionalen Produkten der Feldschlösschen Brauerei, besetzt das Thema "Genuss", und das zieht in Zeiten wachsender Bedeutung des Tourismus-Sektors. ",Rad & Genuss' wäre ein Slogan, der zum Niederrhein passt und insbesondere zu Hamminkeln", schwebt Brauereichef Wilhelm Kloppert eine Art Dachmarke vor. Er verweist dabei auf seinen Biersommelier-Kollegen Karl Zuser jun. aus dem österreichischen Inntal. Der hatte bei der MIT referiert und empfohlen: "Tourismus braucht ein klares Ankerthema".

Im Inntal mit seinen vielen kleinen Brauereien dreht es sich touristisch zentral ums Bier in seinen verschiedenen Ausprägungen und drumherum arrangierte Events. Ähnliches mit erweitertem Genuss-Begriff kann sich Wilhelm Kloppert auch für den Niederrhein vorstellen, wobei es ihm um Attraktionssteigerung geht - sprich: Touristen sollen in der Region nicht nur Tages- oder Kurzurlaube machen, sondern mit speziellen Angeboten zum längeren Verweilen animiert werden. "Unabhängig voneinander haben Feldschlösschen Laden und Braumanufaktur und die Obstkelterei van Nahmen Hofladen, Publikumsküche und Kultur eingerichtet. Warum sollen nicht Radtouren mit Besuchen bei beiden beworben werden? Auch das Weinkontor Kloster-Kaul in Wertherbruch, die Brennerei Bovenkerck in Ringenberg und die Bauernhofcafés sind touristische Ziele", denkt Wilhelm Kloppert und verweist auf den Zusammenhang mit der bestehenden "Genussregion Niederrhein". Die funktioniert, auch ihre Teilnehmer wie der Hof Schäfer in Nordbrock und andere regionale Vermarkter könnten die Marke "Rad & Genuss" mit Leben füllen.

Karl Zuser jun. hatte gesagt, um hochfliegende Pläne zu realisieren, brauche man Zugpferde oder - in seiner Sprache - "die Allianz der Willigen, die die Dinge nach vorne treibt". An einem entsprechenden strategischen Marketing hat der Hamminkelner Brauer großes Interesse. Dahinter würde viel Arbeit stecken, wie er aus dem Aufbau seiner Braumanufaktur weiß. Im "1852" im Ortskern, die Jahreszahl nimmt Bezug aufs Gründungsjahr der Brauerei, geht es zunächst um das Angebot regionaler Produkte, neben dem Feldschlösschen Malz spezielle Biere, deutscher Whisky und Gin, feine Köstlichkeiten wie Biernudeln, Bierkuchen und mehr. Immer mehr Zulauf bekommt die Braumanufaktur in der ersten Etage. Beides ist entstanden, als es darum ging, den lange als Wohnung und Büro genutzten Teil des Stammsitzes Kloppert neu zu nutzen. Das Gebäude wurde kernsaniert und innen geschmackvoll ausgebaut. Draußen herrscht die klassische Backsteinfassade.

Im Obergeschoss stehen Küche und Geräte für das Hausbrauen. "Das Thema Bier hat in den letzten Jahren Eigendynamik bekommen. Dazu gehört auch, selbst zu brauen und das Fässchen Bier nach eigener Geschmacksvorliebe am Ende mit nach Hause zu nehmen. Da glänzen die Augen vor Freude", sagt Wilhelm Kloppert. Das Interesse an Seminaren sei gewachsen, Interessenten von außerhalb oder Gruppen kämen immer häufiger. Man merkt, dass der Braufachmann mit Herzblut dabei ist, wenn er erzählt. Großes Wissen bringt er beruflich mit, bei der Ausbildung zum Sommelier hat er auch gelernt, dass Geschichten rund ums Bier dem Publikum gefallen.

Einen gewissen Erfindergeist steckt er in das Projekt, was die technische Seite betrifft. Begonnen hat er das Brauen im Hausmaßstab mit dem Thermomix, weil der passgenau rühren und wärmen ("einmaischen") kann. Den Läuterbottich zum Klären hat er selbst gebaut - mit Hilfe eines Schornsteinbauers. Der habe ihm Abgasrohre wie bei Gasheizungen vorbereitet, Kloppert hat das Gefäß brautechnisch ausgerüstet und 100 Stück davon fertigen lassen. Die Idee, Braukunst in Sechs-Stunden-Kursen anzubieten, nahm Fahrt auf. Zehn Leute sind meist dabei, sie wählen aus zwölf Malz - und fünf Hopfensorten sowie drei Hefestämmen aus. Die Bierwünsche reichen von Pils über Alt und Hefeweizen bis zu Indian Pale. "Das Interessante ist, dass sich jeder sein persönliches Bier brauen kann", sagt Wilhelm Kloppert. Das jeweilige Gebräu kommt anschließend in ein eigens entwickeltes Fünf-Liter-Fass, für das er einen Sonderverschluss ersonnen hat, um per Druckgärung schnellere Reifung zu erzielen.

Für den schnellen "Rad & Genuss"-Tourismus ist auch ein zwei- bis dreistündiges Seminar im Angebot nebst Biertasting regionaler Biersorten. Mindestens zwölf unterschiedliche Biere kann man dann probieren, natürlich in Mini-Menge. Wer will, bucht "Bier plus X", neben dem Gerstensaft werden kulinarische Köstlichkeiten gereicht. Biere und Käse sind dabei eine reizvolle Paarung - sowie man es bisher nur von Wein kennt.

(RP)