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Coronazahlen für den Kreis Wesel: Eine Analyse

Kommentar zur Woche : Unser aller Verantwortung

Die Corona-Zahlen im Kreis Wesel zeigen: Das Virus ist beherrschbar geworden. Die Zahl der aktuell Erkrankten ist seit Wochen konstant. Jede neue Lockerung ist ein Vertrauensbeweis in uns Bürger. Es kommt nun auf unser aller Vorsicht an.

Gestern habe ich den Selbstversuch gemacht: per Mundschutz eine Runde durch die Weseler Innenstadt. Die Erkenntnis des kleinen Spaziergangs mit Textilmantel vor Mund und Nase: Die Maske wird zunehmend zur Normalität. Genauso, wie man jetzt seltener irritiert andere Menschen anschaut, die Mundschutz tragen, fühlt man sich auch selbst weniger beobachtet. Alle Gesetze der Logik sagen, dass es besser ist, einen Mund- und Nasenschutz zu tragen, als über diese Körperöffnungen im Gesicht dem Virus eine herzliche Einladung zum Eintritt auszusprechen. In der nächsten Woche wird der Mundschutz auch in Wesel, Hamminkeln und Schermbeck zur Routine gehören. Ich finde: Das ist gut so!

Mundschutz hin oder her: Die bisherigen politischen Entscheidungen in Deutschland sind geeignet, Vertrauen in den Staat zu stärken. Die Eindämmung der Corona-Pandemie darf auch im Kreis Wesel weiter als Erfolg gewertet werden. Es gibt zwar stetig neue Infektionen auch im Kreis Wesel; derzeit pendelt der Wert rund um zehn neue Patienten pro Tag. Auf der anderen Seite genesen aber auch viele Patienten wieder.

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Der Detailblick auf die Kreiszahlen ist hier interessant: So meldete der Kreis Wesel für den 26. März 192 Erkrankte und zwei Verstorbene, keine Genesenen: In Summe waren es also 190 Erkrankte. Am 2. April, eine Woche später, gab es insgesamt 258 Fälle, aber 126 Genesene, weiter zwei Todesfälle: Das ergibt in Summe nur 130 Akuterkrankte, dieser Wert pendelt seitdem immer rund um 140 Akuterkrankte. Bleibt es dabei, und wir alle können durch unser Verhalten dazu beitragen, bleibt das Virus beherrschbar. Dieser Befund gilt für alle Städte im Kreisgebiet: Zwar gibt es erhebliche Unterschiede in der Zahl der Fälle in den einzelnen Kreiskommunen. Hier ist es aber sinnvoll, die unterschiedliche Einwohnerzahl zugrunde zu legen. Zwar hat etwa die Stadt Moers mit 88 Infektionen den höchsten Wert, hat aber auch die höchste Einwohnerzahl: Moers kommt auf einen Infizierten pro 1178 Einwohner. Das Kreismittel liegt bei einem Infizierten pro 945 Einwohner. Besonders die kleineren Kommunen müssen unter Berücksichtigung dieser Rechnung in anderem Licht betrachtet werden: Das kleine Hünxe hat zwar nur 29 Fälle, hat aber auch nur 13500 Einwohner: Entsprechend kommt hier ein Infizierter auf nur 466 Einwohner. In Hamminkeln ist es ein Infizierter pro 839 Einwohner, in Schermbeck ein Infizierter pro 470 Einwohner, im großen Wesel mit 60.000 Einwohnern wiederum ist es ein Infizierter pro 1206 Einwohner und im mittelgroßen Voerde ist es ein Infizierter pro 750 Einwohner. Solche Detailzahlen muss man in Zukunft wohl in den Blick nehmen, um Krisenherde in der Corona-Pandemie besser kontrollieren zu können. Der alleine Blick auf die Fallzahlen hilft auch im Kreis Wesel nicht.

Das Bild ist also trügerisch: Trotz geringerer Fallzahlen in absoluten Werten ist das Risiko in einer kleinen Gemeinde wie Schermbeck derzeit größer als in einer großen Stadt wie Wesel.

Schutz durch Masken aber, das ist sicherlich eine Schlussfolgerung, ist überall angebracht: Die Politik hat sich schwer getan mit der Entscheidung, einen Maskenschutz einzuführen. Es war auch politischer Streit, der dazu geführt hat, dass nun dieses Instrument zur Verhinderung der Corona-Ausbreitung angewandt wird. In einer ersten Phase war es angebracht, unter dem Eindruck der dringenden Sofortmaßnahmen den politischen Streit zurückzufahren. Wir befinden uns aber jetzt in einer Phase, in der zwar weiter größtmögliche Vorsicht geboten ist – das Risiko einer zweiten Welle ist nach Ansicht führender Virologen immens –, dennoch politischer Streit über sinnvolle Maßnahmen auch auf kommunaler Ebene wieder erlaubt sein muss.

Es gibt kritische Stimmen, die die Wiederaufnahme des politischen Betriebs für falsch halten. Wahr ist aber auch: Die politische Debatte ist Kern der Demokratie, wie die Kommunen mit dem Corona-Virus umgehen, muss politisch diskutiert werden. Und zwar nicht nur in kleiner Runde von den Fraktionschefinnen und -chefs, sondern nach Möglichkeit unter Einbeziehung jener Mandatsträger, die die Bürger als ihre Vertreter gewählt haben. Die bisherige politische Debatte auf kommunaler Ebene zeigt, dass alle Akteure verantwortungsvoll mit ihrem Amt umgehen. Bisher geschieht das im Kreis Wesel nach Lage der Dinge in souveräner Art und Weise, es gibt sachliche Debatten um die beste Lösung. Das ist weiter nötig.

Die nächsten Tage und Wochen werden zeigen, ob die Bürger souverän und verantwortungsbewusst mit den Lockerungen umgehen. Die Kernbotschaft bleibt, dass das Kontaktverbot weiter besteht, man sich also weiter nicht mit Freunden zum Grillen oder im Park treffen darf, auf Abstand von 1,5 Metern achten soll. Und ab Montag eben auch Mundschutz. Schon bald wird vielleicht komisch angeschaut, wer keinen trägt.