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Coronavirus: Wesels Stadtspitze über Wirtschaft in der Krise

Interview Ulrike Westkamp und Johannes Opgen-Rhein : „Kleinere Läden unterstützen“

Die Bürgermeisterin Wesels und der Wirtschaftsförderer über Wirtschaft in der Corona-Krise.

Frau Westkamp, Herr Opgen-Rhein, die Corona-Krise zwingt die Wirtschaft in die Knie. Die Folgen für die Weseler Unternehmen werden dramatisch sein. Welche Auswirkungen spüren Sie konkret, welche Rückmeldungen bekommen Sie im Rathaus?

Johannes Opgen-Rhein Es melden sich Einzelhändler, Imbissbetriebe, Physiotherapien. Das betrifft viele Branchen. Viele sind ratlos und benötigen dringend Hilfe, sie warten auf staatliche Unterstützung.

Westkamp Es soll für kleine Unternehmen ja Unterstützung geben, 9000 Euro für bis zu fünf Mitarbeiter, 15.000 Euro für bis zu zehn Mitarbeiter. Diese zugesagte Unterstützung muss jetzt bei den Unternehmen ankommen. Weitere Informationen des Wirtschaftsministeriums sind im Internet angekündigt und Anträge auf Hilfen elektronisch verfügbar. Wir können hier beratend für die Unternehmen tätig sein, verweisen auch auf die Entwicklungsagentur EAW beim Kreis Wesel. Dort ist eine Mitarbeiterin speziell für Wesel zuständig. Es ist in diesen Zeiten auch ein echter Glücksfall, dass wir die Homepage der Stadt Wesel erneuert haben. Wir stellen dort zeitnah alle Erlasse des Landes rein, versuchen sie auch in einen Fragen-Antwort-Katalog zu übersetzen.

Welche Folgen sehen Sie für die Innenstadt. Droht eine Schließung vieler Geschäfte?

Westkamp Diese Sorge haben wir. Wir sind als Innenstadt sehr gut aufgestellt, haben viele gute Maßnahmen für Wesel als Einkaufsstadt umgesetzt. Doch schon in den vergangenen Jahren hat sich Wesel als Einkaufsstadt bedingt durch den Onlinehandel verändert. Deshalb ist es jetzt gerade richtig und wichtig, kleinere Läden zu unterstützen.

Was kann die Stadt selbst dabei unternehmen?

Westkamp Es gibt den Rettungsschirm des Bundes und Landes. Das ist die Kernbotschaft. Dieser Schirm ist weit ausgebreitet und die Stadt Wesel steht darüber in einem engen Austausch mit den Unternehmen.

Was sagen Ihnen die Unternehmer? Drohen sie auch mit dem Abbau von Arbeitsplätzen?

Westkamp Im Gegenteil, die Unternehmen wollen ihre Fachkräfte ja möglichst halten. Die Firmen sind eher in Sorge, dass sie ihre Fachkräfte, die sie hoffentlich bald dringend wieder brauchen, verlieren könnten.

Opgen-Rhein Oft bestehen beim Handwerk die Probleme auch in einer größeren Lieferkette. Uns hat ein Fliesenleger kontaktiert, der keine Keramikfliesen mehr aus Italien bekam, weil das dortige Unternehmen wegen des Coronavirus nicht arbeiten konnte wie gewohnt.

Die Stadt selbst könnte das Handwerk auch unterstützen. Der SPD-Fraktionschef Ludger Hovest hat vorgeschlagen, bauliche Maßnahmen an Schulen jetzt vorzuziehen.

Opgen-Rhein Ich höre von Handwerkern immer wieder, dass die Auftragsbücher noch voll seien und man sich dort gewappnet sehe. Viele Betriebe sind noch gut beschäftigt. Was die Lieferketten angeht, da hat der eine oder andere Probleme. Schwierig wird es besonders für die Kleinstunternehmen.

Wenn die Stadt auf die EAW beim Kreis Wesel verweist: Kann man die Anfragen aus Ihrer Sicht dort bewältigen?

Westkamp Der Kreis ist gut vorbereitet, wir stehen aber auch zur Verfügung.

Wie stellt sich die Stadtverwaltung auf die Coronakrise ein, welche Prozesse haben Sie verändert?

Westkamp Ein großer Teil der Belegschaft arbeitet im Homeoffice. Der Abbau von Überstunden wird ebenfalls genutzt. Wir trennen die Teams, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. Für die Wirtschaftsförderung gilt etwa, dass in den kommenden zwei Wochen Herr Opgen-Rhein hier arbeitet, sein Stellvertreter, Herr Baltes, ist im Homeoffice. Die Arbeit in der Verwaltung geht trotzdem weiter, die gegenwärtige Phase zeigt: Die Prozesse funktionieren gut. Unser Krisenstab kommt täglich zusammen.

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