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Coronavirus: Liefer- und Abholservice in Wesel und Umgebung

Gastronomie und Handel in Wesel und Umgebung : Restaurant-Essen fürs Zuhause

Um die finanziellen Verluste durch die Zwangsschließung in Zeiten von Corona zu mildern, bieten immer mehr Restaurants Speisen zum Mitnehmen an. Vereinzelt haben auch Einzelhändler mit ihrem Lieferservice Erfolg.

Als die Landesregierung zur Eindämmung der Corona-Pandemie vor einigen Tagen entschieden hatte, dass Geschäfte komplett schließen müssen, Cafés und Restaurants nur unter bestimmten Auflagen öffnen dürfen, haben viele Inhaber nach Alternativen gesucht, wie sie die wirtschaftlichen Folgen der Krise abmildern können. Vor allem Gastwirte haben sich dazu entschlossen, ihre Gerichte nach Vorbestellung außer Haus zu verkaufen oder diese direkt zu Kunden zu liefern. Einer, der mit seinem Call-and-Drive-Angebot besonders großen Erfolg hat, ist Thomas Geldermann vom Bislicher Haus Drögenkamp.

„Die ganze Sache läuft ohne Ende. Zu mir kommen sogar Kunden aus dem linksrheinischen Wesel, natürlich aus Wesel selbst und aus dem angrenzenden Kreis Kleve. Darunter viele Stammkunden und gerade auch etwas jüngere Leute, die von der Arbeit kommen und keine Lust zum Kochen haben“, sagt der Küchenchef, der vor allem an den Wochenenden richtig gut zu tun hat. „Mir spielt es ein wenig in die Karten, dass es in Bislich derzeit keinen Imbiss gibt.“ Denn vor allem Gerichte mit Fleisch und Pommes als Beilage sind bei ihm besonders gefragt. Daneben bietet er Hausmannskost, Eintöpfe und auch vegetarische Speisen. Alles wird in Themoboxen verpackt und den Kunden, die mit dem Auto vorfahren, an einem Fenster angereicht. „Fast alle nehmen das Essen mit nach Hause, denn im Umkreis von 50 Metern ist der Verzehr bekanntlich nicht erlaubt“, sagt Thomas Geldermann. Der hat übrigens seit Freitag Konkurrenz bekommen im Ort. Denn mittlerweile bietet auch Arthur Becker, der neue Pächter des Fährhauses am Rhein, selbst gemachte Kuchen und allerlei Gerichte zum Abholen an.

In Wesel bieten unter anderem das Restaurant Art, das Lippeschlösschen, Hellas am Großen Markt und das Kolpinghaus einen Abholservice an. „Gäste haben uns angesprochen und auf die Idee gebracht“, sagt Kolpinghaus-Pächterin Jutta Selmke, deren Mann vor allem Eintopfgerichte sowie Pommes, Schnitzel und Currywurst an der Tür verkauft. „Wir geben unser Bestes und hoffen so, das wir nicht in Vergessenheit geraten und dass unser Minus nicht so hoch ausfällt.“

 Im Gespräch zu bleiben, das ist nicht zuletzt auch das Ziel des Landhauses Ridder in Dingden-Lankern, das mittlerweile Speisen „to go“ anbietet. „Das Angebot wird eigentlich ganz gut angenommen“, zeigt sich Betriebschefin Annette Ridder zufrieden. Was sie besonders freut, sind die positiven Rückmeldungen der Gäste. „Die schreiben uns so nette Mails. Es freut uns, wenn wir dafür sorgen, dass die Gäste abends bei uns etwas holen und sie dann gemütlich zu Hause speisen.“ In der Küche stehen übrigens nur noch Familienmitglieder, alle Angestellten befinden sich in Kurzarbeit. Annette Ridder hofft, „dass wir irgendwann wieder normal öffnen und dann wieder durchstarten können. Man muss positiv denken.“

Das tut auch Eva Korn von der gleichnamigen Buchhandlung in der Weseler Fußgängerzone. So wie auch die Mayersche Buchhandlung an der Hohen Straße bietet auch Korn einen Lieferservice. „Wir machen den Büchern Beine“, sagt sie lachend. Die ganze Sache sei sehr erfreulich angelaufen. „Wir haben so viel zu tun, dass ich gar nicht dazu kommen, mir um die Zukunft Sorgen zu machen.“

Dass ihr Lieferservice so gut angenommen wird, hat zwei Gründe. Zum einen, sagt die Buchhändlerin, „suchen die Leute verzweifelt Ostergeschenke. Und dann braucht man gerade jetzt ein gutes Buch, sonst packt einen die Langeweile.“

Täglich um 15 Uhr beginnt sie ihre Tour zu den Kunden, die unter anderem in Wesel, Hamminkeln und  Schermbeck wohnen und die vorher ihre Wünsche per Telefon mitgeteilt haben. Gegen 20 Uhr endet ihr Arbeitstag. Und wie läuft die Übergabe der Ware? „Ich bin zum Glück Besitzerin einer FFP 2-Maske, trage Handschuhe und kann den Leuten so begegnen“, sagt Eva Korn. Und welcher Titel wird derzeit besonders oft bestellt? „Es ist kaum zu fassen, aber der heimliche Bestseller ist der Roman von Albert Camus ,Die Pest‘.“ Und wie lautet ihr persönlicher Tipp? „,Der größte Spaß, den wir je hatten‘ von Claire Lombardo. Ein Schmöker für lange Abende.“

Zu den Händlern, die in Wesel außerdem noch einen Lieferdienst anbieten, gehören beispielsweise die Weinhandlung Paus, Barrique, die Weinzeit, die Metzgerei Lemken, der Weltladen Esperanza, Supermärkte sowie  Trinkgut an der Reeser Landstraße.

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