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Coronavirus in Wesel: Schulen geschlossen, Kitas geschlossen

Stadtverwaltung reagiert : Coronavirus: Fast alles jetzt geschlossen

Die Kommunen am Niederrhein reagieren mit entschlossenen Maßnahmen auf die Verbreitung des Virus. Der Weseler FDP-Bundestagsabgeordnete Bernd Reuther kritisierte ein zu zögerliches Handeln der Bürgermeisterin und fordert etwa freies Parken.

Die Zahl der am Coronavirus erkrankten Personen steigt auch im Kreisgebiet Wesel jetzt deutlich an. Waren am Donnerstag noch 15 Personen erkrankt, so meldete die Kreisverwaltung am Freitagnachmittag 26 Personen. In Hamminkeln bleibt es im Vergleich zum Vortag bei vier Erkrankten, in Wesel sind es nun zwei statt einer Person, Schermbeck ist weiter frei von offiziell bestätigten Fällen. Beruhigend: Abermals stellte die Kreisverwaltung fest, dass sich die bisherigen Fälle „weitestgehend als unproblematisch“ darstellten.

Gleichwohl sind die Reaktionen in den Kommunen jetzt drastisch. Im Kreishaus tagten bis Freitagabend die Spitzen von Stadt und Gemeinden mit dem Landrat. Ein Bündel von Maßnahmen wurde dort beschlossen. Die Schulen und Kindertagesstätten sind ab Montag geschlossen. In den Schulen ist noch eine ersatzweise Betreuung bis einschließlich Dienstag möglich. An den Kitas werden nur Kinder betreut, bei denen Vater und Mutter – oder bei Alleinerziehenden ein Elternteil – in Einrichtungen wie Polizei oder Feuerwehr sowie Krankenhaus, also im Bereich „kritischer Infrastruktur“, arbeiten. Wesels Bürgermeisterin Ulrike Westkamp erläuterte, auf diese Art werde sichergestellt, dass die öffentliche Ordnung hergestellt bleibt. Detaillierte Erlasse des Landes fehlen noch, auf die will die Stadt am Wochenende reagieren.

Das Andreas-Vesalius-Gymnasium (AVG) in Wesel  hat von 8 bis 13.10 Uhr am Montag und Dienstag eine Betreuung terminiert. Dort wie an anderen Schulen werden die Lehrer teilweise auch Aufgaben auf elektronischem Wege übermitteln. Das AVG nutzt dazu eine Schulcloud. Auch das Konrad-Duden-Gymnasium in Wesel hatte erklärt, Eltern auf digitalem Wege informieren zu wollen.

Mit weiteren drastischen Maßnahmen reagiert Wesel: Bis 19. April bleiben alle städtischen Kultureinrichtungen vorsorglich geschlossen. Genannt wurden das Stadtarchiv, die Musik- und Kunstschule, die Stadtbücherei, Galerie und Theaterkasse im Centrum sowie das Bühnenhaus. Auch die VHS, das Karo sowie alle städtischen Turnhallen und Sportplätze sind bis 19. April geschlossen. Die städtischen Bäder in Wesel öffnen schon am heutigen Samstag nicht mehr. Für Veranstalter und Kulturbetreiber wird es eine Verfügung geben, dass nur eine bestimmte Zahl von Teilnehmern zugelassen ist. Wie hoch die Zahl ist, ob 100 oder 50, konnte die Stadt noch nicht sagen. Sie wartet auf Signale des Landes.

Am Freitagmorgen noch hatte das Weseler FDP-Ratsmitglied Bernd Reuther, der auch Bundestagsabgeordneter für Wesel ist, das Verhalten der Bürgermeisterin als zu zögerlich bezeichnet. Zu diesem Zeitpunkt aber stand der Termin beim Landrat noch aus, auf den die Bürgermeisterin wartete. Neben den kommunizierten Maßnahmen der Stadtverwaltung hält Reuther auch eine Schließung der Niederrheinhalle in Wesel für dringend nötig. Die Bürgermeisterin verwies darauf, dass dort ein Pächter sei, in Kürze aber die Allgemeinverfügung gelte. Bernd Reuther fordert auch  Maßnahmen, die der Wirtschaft in Wesel helfen. So solle die Verwaltung darüber nachdenken, den Pächtern der Niederrheinhalle zur Kompensation  der Ausfälle die Pacht zu erlassen. Dem Weseler Handel müsse schnell geholfen werden, indem temporär freies Parken in der City erlaubt wird. Kritisch sieht Bernd Reuther auch, dass am Andreas-Vesalius-Gymnasium beim Corona-Verdachtsfall lange auf die Testergebnisse gewartet werden musste. Er wisse von Bekannten, die für 150 Euro einen Test machten, dessen Ergebnis schon am nächsten Tag vorlag. Dieses Geld sei ein schneller Test im Fall von möglicherweise erkrankten Lehrkräften wert, sagte Reuther. Bei ihm selbst stand am Freitag ebenfalls noch der Verdacht im Raum, dass er sich das Virus zugezogen haben könnte, denn Berliner FDP-Fraktionskollegen von Reuther waren erkrankt. Auch der Weseler Liberale musste sich testen lassen. Der Verdacht habe sich aber nicht bestätigt, teilte Reuther mit.

Politische Reaktionen erfolgten auch auf anderem Wege. Zahlreiche Termine – darunter auch erste wichtige Veranstaltungen im Kommunalwahljahr – sind verschoben oder müssen ganz ausfallen. Die Weseler SPD hat ihre eigene für den 18. März geplante Parteiveranstaltung in der Niederrheinhalle, bei der Ulrike Westkamp auftreten sollte,  abgesagt. Auch die SPD Hamminkeln reagierte. Der Termin „FrühLinksErwachen“, zu dem Franz Müntefering kommen sollte, wurde verschoben. Dieser Termin mit Auftritt von Müntefering sowie Landratskandidat Peter Paic aus Hamminkeln werde zu einem späteren Termin stattfinden, teilte Parteichef Bruno Lipkowsky mit. Auch die Kreisverwaltung Wesel reagiert. Die Ausschusssitzungen sind aufgehoben. Nur der Kreisausschuss trifft sich am 19. März. „So wird der demokratische Entscheidungsprozess sichergestellt“, betont Landrat Ansgar Müller.

Besonders gefordert ist derzeit die CDU-Bundestagsabgeordnete Sabine Weiss aus dem Kreis Wesel, die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium von Jens Spahn (CDU) ist. In ihrem wöchentlichen Rundbrief am Freitag ging sie auf die aktuelle Lage in Deutschland ein. „Wir müssen nun alles daran setzen, dass sich die Ausbreitung des Virus verlangsamt, um Verhältnisse wie derzeit in Italien zu verhindern. Nach aktuellem Stand verlaufen rund 80 Prozent der Corona-Infektionen milde oder sogar symptomfrei.“

Sabine Weiss, die auch CDU-Kreisvorsitzende ist, versuchte in ihrem Schreiben deutlich, die Bürger im Kreis Wesel zu beruhigen. „Es gibt kein Land in Europa, das bezogen auf die Bevölkerungsgröße so viele Intensivbetten (28.000) mit Beatmungsmöglichkeiten (ca. 25.000) hat. Wir sind also sehr gut aufgestellt.“