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Coronavirus im Kreis Wesel zwingt die Kirchen zum Umplanen

Vorösterliche Unruhe : Coronavirus zwingt Kirchen zum Umplanen

Kurz vor Ostern muss in den Kirchen wegen Infektionsgefahr umorganisiert werden. Teils werden Veranstaltungen aufgeteilt. Durch eine akute Erkrankung ist Loikum besonders betroffen. In Hamminkeln gibt es jetzt vier Corona-Fälle.

Das Coronavirus hat auch den Niederrhein weiter fest im Griff. In Hamminkeln sind die Zahlen am Donnerstag am stärksten gestiegen. War es am Mittwoch noch nur ein erkrankter Patient, so stieg die Zahl am Donnerstagnachmittag laut Kreisverwaltung auf vier Fälle. In Wesel bleibt es bei einem Fall, in Schermbeck gibt es noch keinen. Insgesamt stieg die Zahl der bestätigten Krankheitsfälle von zehn am Mittwoch auf 15 am Donnerstag. „Die Krankheitsverläufe stellen sich bisher weitestgehend als unproblematisch dar“, sagt eine Kreissprecherin.

Mit Blick auf Gottesdienste stehen besonders die Kirchen im Fokus. In den Weseler Willibrordi-Dom passen mehr als 1000 Menschen. Eine solche Menge kommt zwar selten zusammen, wäre aber in vier Wochen zu Ostern denkbar. Auch den Dom träfe dann die Empfehlung des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU), Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern abzusagen. Für die Kirchen ist die Gefahr durch das Coronavirus in diesen Tagen ein ernstes Thema.

Im Evangelischen Krankenhaus Wesel (EVK) sind Gottesdienste bereits gestrichen. So weit ging es in der Evangelischen Kirchengemeinde bis Donnerstag noch nicht, aber etliche Veranstaltungen sind schon abgesagt oder werden umorganisiert. Superintendent Thomas Brödenfeld sagte, dass die Einführung der neuen Presbyter am 22. März stattfindet, das anschließende Beisammensein aber entfällt. Auch sei am Sonntag nach dem Gottesdienst das Kirchencafé nicht geöffnet. Für den Saal im Lutherhaus werden keine neuen Buchungen mehr angenommen. Am kommenden Montag werde im Presbyterium über weitere Schritte beraten. „Wir werden umfassend und angemessen  auf die Entwicklungen reagieren“, sagte Brödenfeld.

„Wer kann seriös sagen, was in vier Wochen ist?“ sagte Stefan Sühling, Leitender Pfarrer der Katholischen Kirchengemeinde St. Nikolaus Wesel. In der gelten seit zwei Wochen strenge Hygieneregeln. Die Weihwasserbecken sind trocken. Man müsse sich „in Gedanken an die Taufe erinnern“ und auch zum Friedensgruß andere Zeichen verwenden als den Händedruck. Gründliches desinfizieren der Hände vor dem Austeilen der Kommunion ist Pflicht. Im Weseler Nikolausstift werden aktuell keine Gottesdienste abgehalten. Ansonsten schaue man, so Sühling, auf das, was das Gesundheitsamt sagt und treffe dann Entscheidungen.

Auch in Hamminkeln wollen die Presbyter in der kommenden Woche zum Thema Umgang mit dem Virus zusammenkommen. Alle Informationsveranstaltungen und Gruppentreffen sind abgesagt, berichtete Pfarrer Stefan Schulz von der Evangelischen Kirchengemeinde An der Issel. Besuche im Krankenhaus und bei Jubilaren sind gestrichen. Das gilt auch für die zentral in Brünen geplante Einführung der neuen Presbyter. Zu der wären 300 Gäste sowie Posaunenchor und Kirchenchor zu erwarten gewesen. Alternativ zur großen Veranstaltung soll es nun fünf kleine an den Standorten geben.

Mit Bestürzung, so Ralf Lamers, hat das Seelsorgeteam der Pfarrgemeinde Maria Frieden am Donnerstagmorgen erfahren, dass ein Mitglied der Gemeinde in Loikum am Coronavirus erkrankt ist. Aufgrund der ernsten Situation wurde beschlossen, die Messfeier am kommenden Sonntag ausfallen zu lassen. Abgesagt ist für den gleichen Tag auch die Fahrt zum Kreuzweg auf der Halde der Zeche Prosper Haniel. Das Pfarrbüro in Loikum bleibt bis zum 24. März geschlossen. Die Messfeier und die Chorprobe am Dienstag, 17. März, entfallen. „Die schon bestellten Intentionen in den ausfallenden Messen können zu einer späteren Messfeier berücksichtigt werden“, teilte Lamers mit und bat um Kontaktaufnahme mit dem Pfarrbüro Dingden.

In der Evangelischen Kirchengemeinde Schermbeck sind noch keine Veranstaltungen abgesagt worden. Es gibt aber einen Plan für den Fall X. „Ab drei bestätigten Erkrankungen  im Schermbeck machen wir das Gemeindehaus zu“, sagte Pfarrer Dieter Hofmann. Gleiches gelte, wenn ein Infizierter es besucht haben sollte. Mitarbeitergespäche in Runden bis fünf Personen könnten dann noch stattfinden, aber Gedränge wolle man vermeiden. Bei üblicherweise 30 bis 50 Besuchern in Gottesdiensten werde an deren Absagen derzeit nicht gedacht. Fraglich sei noch, wie mit der Vorstellung der Konfirmanden am 22. März umgegangen werde. „Das werden wir kurzfristig entscheiden“, so Hofmann. Ostern sei zwar noch weit weg, doch werde man sich darauf vorbereiten, das Abendmahl mit Einzelkelchen zu feiern. „Alle mit Veranstaltungen befassten Menschen üben gerade die Situation und tasten sich nach vorn.“

Für Pfarrer Klaus Honermann von der Katholischen Kirchengemeinde St. Ludgerus Schermbeck steht fest, dass die Osternacht stattfindet. Er wisse noch nicht, in welcher Form. In der Kirche gelten die gleichen Hygiene- und Verhaltensregeln wie sie Sühling schildert. Gottesdienste sind vom Altenheim in die Kirche verlegt worden. Noch sind in Schermbeck keine Veranstaltungen abgesagt. Ob allerdings das ökumenische Fastenessen am 22. März stattfindet, steht noch nicht fest.