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Coronavirus im Kreis Wesel: Direktorin vom Andreas-Vesalius-Gymnasium reagiert auf Reise

Schülerin war in Risikogebiet : Direktorin reagiert auf Corona-Hysterie an Schule

Es gibt zwar bisher keinen begründeten Verdachtsfall im Kreis Wesel, aber: Am Andreas-Vesalius-Gymnasium muss eine Schülerin trotzdem vorsorglich zu Hause bleiben.

Die Gesundheitsbehörde des Kreises Wesel warnt mit Blick auf das Corona-Virus vor Panikmache in der Bevölkerung, will aber alle Vorkehrungen treffen, um im Falle eines Auftretens im Kreis Wesel gewappnet zu sein; auch die Weseler Krankenhäuser sehen sich gerüstet. Im Kreishaus Wesel soll sich nun ein Koordinierungskreis treffen, zu dem Kreismitarbeiter der Bereiche Gefahrenabwehr, Gesundheit, Pressestelle und Kreisleitstelle gehören.

Wie sensibel die Thematik ist, zeigt derzeit eine Entwicklung am Andreas-Vesalius-Gymnasium (AVG) in Wesel. Eine AVG-Schülerin war am Wochenende in ein Risikogebiet gefahren, in dem es derzeit vermehrt Corona-Patienten gibt. Als die Schülerin nach den kleinen Karnevalsferien zurück nach Wesel kam, herrschte in der Klasse Verunsicherung, ob das Mädchen Symptome einer Corona-Infizierung haben könnte. Auch in den sozialen Netzwerken verbreiteten sich schnell Gerüchte. AVG-Schulleiterin Dorothée Brauner betont: „Es gibt keinen Hinweis darauf, dass die Schülerin erkrankt ist.“ Sie entschied dennoch, dass die Schülerin prophylaktisch zu Hause bleiben solle.

„Wir mussten als Schulleitung in diesem Fall schnell einen Entschluss fassen“, sagt Brauner, die hofft, auf diese Art alle Vorkehrungen getroffen zu haben. Sie will keine Panikmache betreiben, sieht sich als Schulleiterin aber auch in der Verantwortung gegenüber der Schülerschaft. Fälle wie dieser werden die Weseler Krankenhäuser in den kommenden Wochen häufiger beschäftigen. Im Marien-Hospital stehen acht Isolierzimmer mit einer sogenannten Schleuse zur Verfügung. Dort gibt es allerdings nach Auskunft von Pro-homine-Sprecher Gerd Heiming vermehrt Nachfragen von Bürgern, die wegen des Corona-Virus verunsichert sind. Die Nachfragen erfolgten vorwiegend telefonisch. Heiming betont aber: „Es gab bisher noch keinen Verdachtsfall.“ Um auf den Umgang mit Verdachtsfällen vorbereitet zu sein, wurde für die Krankenhäuser der Holding Pro homine in Wesel und Emmerich eine Verfahrensanweisung erstellt, die auf Kriterien des Robert-Koch-Instituts (RKI) beruht. Bei begründetem Verdacht wird der Patient in einem separaten Raum untergebracht und mit einem Mund-Nase-Schutz versorgt. Außerdem würden Verdachtsfälle unverzüglich an das zuständige Gesundheitsamt gemeldet. Weil der Materialaufwand bei einer Isolierung – wasserdichte Einmalkittel mit Haube, Maske, Schutzbrille und Handschuhen – erheblich ist, hält das Marien-Hospital Schutzkleidung in einem eigens bestückten Pandemielager vor. Auch das Evangelische Krankenhaus Wesel (EVK) sieht sich gerüstet. Klinikchef Rainer Rabsahl hat sein Team am Mittwochnachmittag noch einmal versammelt und alle Abläufe besprochen. Bisher gab es am EVK noch keine Meldung eines möglicherweise befallenen Patienten.

Generell bestehe auch in einer ländlichen Region wie Wesel eine Ansteckungsgefahr, auch wenn die Bevölkerungsdichte hier nicht so groß ist wie etwa in Düsseldorf, sagt Guido Schwarz, ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme im Marien-Hospital: „Zwar gibt es in China mehr Corona-Patienten in den Metropolen als auf dem Land, aber ländliche Regionen um Wesel sind nicht weit weg vom Ruhrgebiet, wo fünf Millionen Menschen leben und viele Pendler unterwegs sind.“

In Moers hatte es am Dienstag einen ersten vagen Verdacht auf Corona-Virus gegeben: Ein Mann aus Neukirchen-Vluyn, Jahrgang 1976, der im „Risikogebiet“ in Italien auf Geschäftsreise war, hatte am Mittwoch das Bethanien-Krankenhaus aufgesucht. Dort wurde ein Abstrich genommen, der zur Charité in Berlin geschickt wurde. „Das Kreisgesundheitsamt wurde informiert und befindet sich im Kontakt mit dem Krankenhaus. Nach Definition des Robert-Koch-Instituts handelt es hierbei um keinen begründeten Verdachtsfall“, teilte Kreissprecherin Anja Schulte mit. Ein begründeter Verdachtsfall bestehe, wenn ein Patient Symptome zeige und sich entweder in den letzten 14 Tagen in einer vom Corona-Virus betroffenen Region aufgehalten hat oder in den letzten 14 Tagen Kontakt zu einem nachweislich mit dem Corona-Virus infizierten Menschen hatte. „In dem Moerser Fall sind die Kriterien für einen begründeten Verdachtsfall nicht erfüllt“, erklärte Kreissprecherin Schulte.

(sep)