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Corona-Pandemie im Kreis Wesel: Chaos um Inzidenz-Grenzwerte

Corona-Pandemie im Kreis Wesel : Chaos um Inzidenz-Grenzwerte

Das Gesundheitsamt meldet eine Sieben-Tage-Inzidenz von 38,1 – was oberhalb des Grenzwertes von 35 liegt. Weil die Zahlen aber nur verzögert an das Land übermittelt werden, greifen noch keine neuen Maßnahmen.

Der Kreis Wesel hat den ersten kritischen Grenzwert von 35 der Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Infektionen überschritten. Das Gesundheitsamt veröffentlichte am Donnerstag entsprechende Zahlen. Demnach haben sich seit Beginn der Pandemie im Kreis Wesel 1676 Menschen mit dem Coronavirus infiziert – das sind 44 mehr als am Vortag. Die Sieben-Tage-Inzidenz gibt der Kreis mit 38,1 an. Dieser Wert gibt an, wie hoch die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einem Zeitraum von einer Woche ist.

Neue Kontaktbeschränkungen oder andere Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie greifen aber noch nicht im Kreis. Das liegt daran, dass das Gesundheitsamt die Fallzahlen zwar tagesaktuell an die Öffentlichkeit meldet, aber verzögert an das Landeszentrum Gesundheit (LZG). Die Sieben-Tage-Inzidenz beim LZG liegt noch bei 30,4. Da dieser Wert nach der Coronaschutzverordnung für Maßnahmen entscheidend ist, passiert vorerst noch nichts.

Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet einen Sieben-Tage-Inzidenzwert für den Kreis von 30,4. Laut dem Gesundheitsamt lag der Wert aber schon am Dienstag bei 31,3, am Mittwoch bei 33,9. Hier kann nicht nur eine zeitliche Verzögerung für die Diskrepanz ursächlich sein. Auch die absoluten Fallzahlen stimmen nicht überein, die Tageszahl der Neuinfizierten weicht ebenfalls ab.

Außerdem zählen LZG und RKI seit Längerem einen Todesfall zu wenig auf: 33 Menschen sind laut dem Gesundheitsamt im Kreis im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung gestorben. Bei LZG und RKI stehen indes weiterhin 32 Todesfälle verzeichnet.

Anja Schulte, Sprecherin des Kreises Wesel, begründete die Verzögerung bei der Übermittlung an das LZG mit der Arbeitsauslastung beim Gesundheitsamt. Die Priorität habe ganz klar auf der Kontaktnachverfolgung gelegen. Deswegen seien die Daten teilweise ein, zwei Tage später in eine Datenbank eingepflegt worden. Das LZG aktualisiert die Zahlen immer erst um Mitternacht.

Zudem habe es bislang auch keine größere Bedeutung gehabt, wann die Infektionszahlen genau gemeldet würden, da die kritischen Grenzwerte weit entfernt lagen. Als die Sieben-Tage-Inzidenz Mitte Mai als neuer Richtwert eingeführt wurde, lag der Wert im Kreis bei 5,4. In der Woche vom 7. bis 13. April lag er bei 20,2 – das war der höchste Wert in der ersten Hochphase der Pandemie.

Maßnahmen, die das öffentliche Leben und den Alltag der Menschen einschränken, greifen im Kreis Wesel also erst, wenn das LZG den entsprechenden Wert bekanntgibt. Das kann bereits am Freitag eintreten, vielleicht aber auch erst später.

Für diesen Fall veröffentlicht der Kreis eine Allgemeinverfügung. Aus dieser gingen dann womöglich Einschränkungen hervor. Die Kreisverwaltung gibt auf Anfrage keine Inhalte der Verfügung bekannt. Die Verfügung würde erst veröffentlicht, wenn die Daten des LZG den Grenzwert von 35 überschritten haben. Sie tritt am Tag nach der Veröffentlichung in Kraft. Dem Vernehmen nach enthält die Verfügung aber keine völlig abweichenden Maßnahmen. Es geht demnach offenbar etwa um eine Ausweitung der Maskenpflicht.

Im Kreis wartet man zudem ab, welche Erlasse oder Verordnungen das Land NRW noch beschließt. Das kann unter Umständen auch sehr kurzfristig passieren. Bisher würden nach den derzeitigen Beschlüssen ab dem Grenzwert von 35 Einschränkungen für Veranstaltungen, Feiern und Treffen im öffentlichen Raum sowie eine Ausweitung der Maskenpflicht und eine Sperrstunde für Gastronomiebetriebe gelten. Steigt die Sieben-Tage-Inzidenz auf über 50, werden die Maßnahmen noch einmal verschärft.

Das Ordnungsamt in Wesel bereitet sich unterdessen darauf vor, noch weitere Corona-Schutzmaßnahmen wie etwa Sperrstunden demnächst kontrollieren zu müssen. Dafür, sagte Ordnungsdezernent Klaus Schütz, reiche das Personal nicht mehr aus – weder im Innen- noch im Außendienst. „Weitere Aufgaben sind ohne Personalaufstockungen nicht zu bewältigen“, sagte er auf Anfrage. Neues Personal werde gesucht, sei aber nicht leicht zu finden.

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