1. NRW
  2. Städte
  3. Wesel

Corona-Lockdown in Wesel Spenden sichern dem Circus Max Renz das Überleben

Lockdown trifft die Familie hart : Spenden sichern dem Circus Max Renz das Überleben

Die Corona-Pandemie hat dem Familienunternehmen stark zugesetzt. Der Circus kann nur weiter existieren, weil viele Menschen aus Wesel Geld für die Tiere bereitstellen. Wann die neue Tournee losgeht, ist offen.

Es geht lebhaft zu im Winterquartier des Circus Renz an der Friedenstraße – hier wird viel gespielt. „Kinder muss man hören können“, sagt Direktorin Katharina Renz und lacht. Zirkuskinder wachsen anders auf als viele ihrer Altersgenossen. Doch aktuell sind die kleinen Artistinnen und Artisten wegen der Corona-Pandemie im Distanzunterricht – wie andere Kinder auch.

Ihr Lehrer von der rollenden Zirkusschule hat die Aufgaben gestellt. Normalerweise würden die kleineren Kinder im Winter zur Quadenwegschule gehen und ihr gewohnter Lehrer nur zwei Mal die Woche kommen. Während der Tournee besucht er den Zirkus täglich, doch aktuell ist es anders. Eine der Mütter arbeitet mit den Kindern die Aufgaben durch.

Nach wir vor sitzt der Zirkus fest. „Wir sind startbereit, könnten sofort losfahren“, sagt Katharina Renz. Sie rechnet allerdings nicht damit, dass bis Ostern irgendetwas geht, aber im Sommer vielleicht. „Ich schreibe schon die Städte an, in denen wir normal gastieren“, erzählt sie. Ihre große Hoffnung sind die Impfungen.

Bis zu 500 Plätze bietet das Zelt des Weseler Zirkus. „Wenn wir 100 Besucher einlassen und zwei Wochenenden spielen dürften, dann ginge das“, so Renz. Weniger lohne sich nicht, aber ein Hygienekonzept steht. So leicht lässt sich das Familienunternehmen nicht klein kriegen.

„Dank der Solidarität der Weseler haben wir Stroh und Heu bis Ende Februar und auch Geld ist gespendet worden“, sagt Renz. Zirkustiere brauchen den Tierarzt und Hufschmied, das kostet. Im Herbst ist ein Pferd von einem anderen getreten worden. Eine Woche Tierklinik war die Folge. Zudem müssen alle Zirkustiere geimpft sein, das Veterinäramt überprüft das. „Das ist wichtig, wir reisen ja“, so die Direktorin.

Viele Menschen haben geholfen, dass der Weseler Zirkus weiter existieren kann und die Tiere Futter haben. DIe jüngste Idee: An den Pfandautomaten der Filialen von Edeka Komp wird eine Box aufgehängt. Kunden können ihren Bon spenden. Der Erlös geht im März an den Zirkus, damit auch auf der hoffentlich letzten Durststrecke das Futter und der Tierarzt bezahlt werden können. Bald soll es wieder aufwärts gehen.

Mensch wie Tier fehlt das Reisen. Auch die Zirkuskinder seien gern unterwegs, sagt die Chefin, „sie finden überall Kontakt“. Es sei eine besondere Kindheit. „Sie lernen es bereits früh, Verantwortung zu übernehmen“. So verkündet ihre siebenjährige Enkelin stets: „Erst kommen die Tiere, dann können wir frühstücken“.

Und die Dreijährige Milane stiefelt Morgen für Morgen mit zum Füttern in den Stall. „Sie spielen nicht den ganzen Tag mit dem Handy“, erzählt Renz. Und Fernsehen „kennen sie so gut wie gar nicht“. Abends spielten die Zirkusfamilien häufig Gesellschaftsspiele. „Wir sind ja immer zusammen“, sagt die Großmutter, die selbst so aufgewachsen ist. „Die Kinder sind immer dabei. Sie sind irgendwie freier als andere Kinder.“

(sz)