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Corona-Krise: Wesels Handel rüstet sich für den Neustart

Leben kehrt zurück : Wesels Handel rüstet sich für den Neustart

In der Fußgängerzone herrscht Spannung. Die Geschäftsinhaber freuen sich auf das Ende der Schließungsphase. Nur die Frequenzbringer haben noch Probleme. Sie sind zu groß.

In die Weseler Fußgängerzone kehrt das Leben zurück. Zaghaft zwar, aber unübersehbar. Vor Kurzem – bei zugegebenermaßen deutlich niedrigeren Temperaturen – fehlte noch ein im Sandsturm daherwirbelnder Grasballen, um das Klischee einer verödeten Geisterstadt komplett zu machen. Am Donnerstag, Tag eins nach den Berliner Beschlüssen, sah das schon ganz anders aus. Zum einen genossen viele Menschen den schönen Tag, um sich Erfrischungen aus den Eisdielen zu holen. Zum anderen war in etlichen Geschäften Betriebsamkeit zu beobachten. Nach nun gut vier Wochen Schließung brennt der Handel auf den Neustart am Montag. Die Gefühle der Kaufleute sind gemischt. Mit einem Ansturm der Kundschaft rechnen die wenigsten. Aber alle hoffen, dass die behutsame Rückkehr zur Normalität langfristig die tiefen Wunden heilt, welche die Wirtschaft erlitten hat und noch erleiden wird.

Viele Händler sind auch darauf gespannt, wie die eine oder andere Regelung in NRW allgemein und in Wesel besonders definiert und gehandhabt wird. Natürlich war die geplante Öffnung des Einzelhandels am Donnerstag auch Thema der Telefonkonferenz zwischen Bürgermeisterin Ulrike Westkamp und den Fraktionsvorsitzenden. Verwaltung und Politik können die Regelung, wonach nur Läden bis zu einer Größe von 800 Quadratmetern ab Montag öffnen dürfen, nicht nachvollziehen. Denn das hätte zur Folge, dass beispielsweise der Kaufhof oder das Modehaus Mensing geschlossen bleiben müssten. „Dabei bieten beide so viel Fläche, dass sich die Kunden dort sehr gut verteilen könnten“, so Westkamp. Wie wäre es, wenn man beispielsweise nur das Erdgeschoss öffnen würde? Diese Idee und die Bedenken zu der angedachten Regelung will die Verwaltung dem Land schriftlich mitteilen.

Wolfdieter Degler (Barrique), Vorsitzender der Wesleer Werbegemeinschaft, kann die 800-Quadratmeter-Grenze auch nicht nachvollziehen. Wenn ausgerechnet Frequenzbringer wie Kaufhof, Mensing und C&A beim Neustart nicht dabei sein sollten, dann könnte der auch dem kleinen Fachhandel Probleme bereiten. Markus Münnich (Wohntrend) beispielsweise wünscht sich, dass sein Geschäft „annähernd wieder auf das Niveau der Zeit vor Corona kommt. In diesen Tagen renoviert er noch in seinem Laden. Die finanzielle Hilfe aus dem Sofortprogramm findet er gut und hat sie auch beantragt. Gesehen hat der 53-jährige das Geld bislang aber noch nicht.

Andere Erfahrungen hat Michael Daams (Unterwegs) mit der Soforthilfe gemacht. Er war unter den ersten bei der Antragsstellung und hatte binnen einer Woche das Geld auf dem Konto. „Allerdings ist das zu versteuern“, sagt er bedauernd. Treue Stammkunden hätten mit Bestellungen, die dann ausgeliefert oder mit DHL Go Green auch noch klimafreundlich zugestellt wurden, für Umsatz gesorgt, aber ausgleichen ließ sich damit nicht viel. Der 51-Jährige Inhaber sagt aber auch: „Wir können froh sein, so eine Regierung in Deutschland zu haben. Im Vergleich zu anderen Ländern in Europa stehen wir positiv da.“ Daams wünscht sich, dass das Einkaufen in Wesel attraktiv bleibt, die Kunden zurückkehren und nicht alles über das Internet abwickeln. „Jeder Kauf vor Ort ist eine enorme Unterstützung.“

In allen Geschäften, in denen Donnerstag Vorbereitungen liefen und die Montag öffnen wollen, sind vor allem die Hygienvorschriften einzuhalten. Das unterstreicht auch Wilhelm Bommann, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes mit Sitz in Moers. Abstand, Spuckschutz, Desinfektionsmittel, Masken und eine wichtige Formel gehören dazu: Je zehn Quadratmeter Verkaufsfläche darf nur eine Person in den Laden gelassen werden. Bommann bedauert, dass bislang doch keine diskriminierungsfreie Lockerung geschafft wurde, beispielsweise Warenhäuser weiterhin nicht öffnen dürfen. Er hofft auf den nächsten Schritt am 4. Mai.

Besuchen Sie auch die neue Plattform der Rheinischen Post unter www.rp-gemeinsamstark.de. Auf dieser Plattform wollen wir Helfer und Hilfsbedürftige zusammenführen, beispielsweise für den Einkauf für einen älteren Nachbarn oder das Hilfspaket für Obdachlose. Gleichzeitig wollen wir einen Marktplatz für Dienstleistungsunternehmen aus Handel, Handwerk und Gastronomie schaffen, die durch die Krise in Not geraten sind.

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