Circus Rens kommt 2019 nach Wesel

Von November bis ins Frühjahr : Zirkus macht im Winter Station in Wesel

Seit 30 Jahren kommt der Circus Max Renz in der kalten Jahreszeit in die Hansestadt. 22 Mitglieder der Großfamilie sowie mehr als 30 Tiere leben hier.

Katharina Renz ist Zirkusdirektorin und tritt zudem selbst mit einer Hundedressur in der Manege auf. Die 66-Jährige ist Senior-Chefin des Familienzirkus’, der schon seit 30 Jahren sein Winterquartier immer an der Friedenstraße in Wesel bezieht – jeweils zwischen November und dem Frühjahr. „Circus Max Renz“ nennt sich das 1982 gegründete Familienunternehmen, das zur großen Zirkusfamilie Renz gehört. Alle sind Nachkommen des Gründers Ernst Jakob Renz, der ab 1850 in Berlin mit einem Zirkus auf Tournee ging. Fast zwölf verschiedene Renz-Zirkusse gibt es mittlerweile, doch das Zirkus-Leben ist nicht einfach, wie Katharina Renz erklärt: „Die Zuschauerzahlen sind schon seit vier oder fünf Jahren stark rückläufig. Das Jahr  2018 war katastrophal – wegen der langen und großen Hitze konnten wir viel weniger Auftritte anbieten. Den Tieren können wir nicht zumuten, bei fast 40 Grad aufzutreten – außerdem kommen bei der Hitze nur halb so viele Zuschauer zum Zirkus wie sonst.“

Doch resignieren wollen die Zirkusleute nicht: „Wir machen immer weiter“, erklärt  die 66-Jährige in ihrem geliebten Winterquartier in der Hansestadt direkt neben den Bahngleisen – schräg unterhalb der Theodor-Heuss-Brücke. Hier fühlen sich die 22 Familienmitglieder und mehr als 30 Tiere pudelwohl, versichert die Zirkusdirektorin. Ihr Sohn Lothar Renz ist das erste ihrer sechs Kinder, das in Wesel zur Welt kam – das war im Jahr 1988. Genau wie seine Mutter ist Lothar in die Zirkuswelt hineingeboren. „Ich kenne es nicht anders und möchte es auch gar nicht anders“, sagt der 30-Jährige, der als Trapez-Künstler, als Feuerschlucker, als Zauberer sowie als Jongleur das Publikum zum Staunen bringt.

Lehrer Wolfgang Lauf unterrichtet die Zirkuskinder Anastasia und Noah in der Zirkusschule im Winterquartier des Circus Max Renz an der Friedenstraße in Wesel. Foto: FUNKE Foto Services/Lena Reichmann

In diesen Tagen übt er aber nicht für die Show, sondern räumt einen großen Lkw aus, der nicht mehr genutzt wird. Solche Arbeiten sind typisch für den Winter. Seine Tochter Milane ist mit elf Monaten die Jüngste der Weseler Zirkusfamilie: Das Baby übt bereits in einer umgebauten ehemaligen Kohlehandlung, quasi dem sozialen Zentrum des kleinen „Stadtteils“, erste Kunststücke ein: Mit ihrem Onkel Marcel kann sie schon bei einer Hand-auf-Hand-Akrobatik auf der Handfläche des kräftigen Mannes stehen und dabei in die Hände klatschen. Wenn der Onkel nicht da ist, übernimmt der eigene Vater die Rolle als Trainingspartner.  „Noch in diesem Jahr wird sie erstmals mit auftreten“, ist sich Papa Lothar sicher, der selbst als Einjähriger seine Premiere vor großem Zirkuspublikum feierte. Als „kleiner August“ kam er mit einem erwachsenen Clown – dem „großen August“ – in die Manege, als er gerade laufen konnte.

Ein paar Meter weiter werden  in einem geräumigen Transporter der neunjährige Noah und Anastasia (5) in der rollenden Zirkusschule von Lehrer Wolfgang Lauff, der zwei Tage pro Woche  mit der „Schule auf Rädern“ zum Zirkus kommt, unterrichtet. Noah geht außerdem zur „Winterschule“, wie die Zirkusleute die reguläre Quadenwegschule bezeichnen. „Zirkuskinder sind in manchen Dingen schon anders“, erklärt ihr Lehrer „sie werden schließlich in einer ganz anderen Umgebung groß und lernen früh, etwas zu präsentieren.“ Anastasia scheint ein Multi-Talent zu sein: Sie bietet bei ihren Auftritten neben einer Hand-auf-Hand-Akrobatik auch eine Hula-Hoop-Show mit zehn Reifen und führt zudem Rinder vor.     Apropos Tiere: Das Thema ist für Katharina Renz ein sehr emotionales: „Obwohl wir gar keine Wildtiere haben, machen uns einige sogenannte Tierschützer  das Leben leider immer wieder schwer“, ärgert sich die 66-Jährige.  Mehr als 30 Tiere leben zurzeit mit der Zirkusfamilie in Wesel  und gehen ab Frühjahr wieder mit auf Tournee: Esel, Pferde, Ziegen, Lamas,  Alpakas, Kamele, Rinder und Hunde. „Die Tiere freuen sich schon immer auf die Auftritte. Wenn die Musik zu ihrer Nummer erklingt, wollen sie sofort in die Manege“, sagt die Zirkusdirektorin und ergänzt: „Wir lieben unsere Tiere und sind froh, dass wir hier in Wesel ein Gelände haben, wo die Tiere genug Auslauf haben.“

Durch die Trockenheit im vergangenen Sommer sei das Futter sehr teuer geworden. „Ein Ballen Heu kostet 80 Euro – zwei Rundballen benötigen wir pro Tag, dazu Kraftfutter“, rechnet die 66-Jährige vor, die sich über Futterspenden oder finanzielle Zuschüsse freuen würde. Denn: „Wir kämpfen ums Überleben. Das Zirkusleben ist ein sehr hartes Brot geworden – aber wir geben nicht auf!“

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