CDU und SPD Wahlverlierer im Kreis Wesel, Grüne legen stark zu

Kreis Wesel : CDU und SPD Wahlverlierer im Kreis Wesel, Grüne legen stark zu

CDU und SPD verlieren im Kreis Wesel stark, die Grünen sind der strahlende Sieger. In den Kommunen gibt es Sondereffekte.

Enttäuschte Christdemokraten und Sozialdemokraten – jubelnde Grüne: Die Europawahl hat auch im Kreis Wesel einige in dieser Deutlichkeit überraschende Ergebnisse gebracht. Die CDU kam hier nur auf 27,3 Prozent, war sogar schwächer als auf Bundesebene. Sabine Weiss aus Dinslaken, CDU-Bundestagsabgeordnete und CDU-Vorsitzende im Kreis Wesel, zeigt sich angesichts dieses Ergebnisses besorgt. Die CDU müsse daran arbeiten, den Status Volkspartei zu halten, sagte Weiss. Sie gilt als Vertraute der Kanzlerin und glaubt, dass Angela Merkel trotz dieses Ergebnisses weiter Kanzlerin bleibt. „Sie fehlt als Parteivorsitzende, Annegret Kramp-Karrenbauer wird sich aber reinarbeiten“, sagte Weiss, die am Sonntag Geburtstag feierte.

Die SPD wiederum war mit 22,5 Prozent im Kreis Wesel zwar etwas stärker als auf Bundesebene, kam hier aber auch von einem höheren Niveau. 15,8 Prozentpunkte verlor die SPD im Kreis gegenüber der Europawahl 2014. René Schneider, SPD-Kreisvorsitzender, zeigte sich bestürzt angesichts dieses Ausgangs. „Wir brauchen Politiker, die Haltung zeigen“, redete Schneider nach der Wahl Klartext. Konkret bezog er sich etwa auf die SPD-Spitzenkandidatin Katarina Barley, die entgegen des Parteivotums bei dem Streit um Artikel 13 für Uploadfilter gestimmt hatte. Der SPD fehlten, wie der CDU auch, die Identifikationsfiguren, zu viele Politiker seien wie ein Stein im Wasser „rundgelutscht“.

Als Sieger dürfen sich auf Kreisebene die Grünen fühlen: 20,7 Prozent erreichten sie; und das, obwohl es deutlich weniger Veranstaltungen als von anderen Parteien im Kreis Wesel gab. „Das ist erdrutschartig“, sagte die Vorsitzende im Kreis Wesel Petra Schmidt-Niersmann aus Dinslaken. Sie glaubt, dass die Grünen am Niederrhein mit ihrer Position in der Kiesdebatte oder beim Schermbecker Ölpellet-Skandal haben punkten können. Das Abschneiden der als Volksparteien bezeichneten CDU und SPD besorge sie: „Es macht mir Sorge, wenn stattdessen Parteien am rechten Rand zulegen“, sagt die Grünen-Chefin. Die FDP konnte hinzugewinnen auf 6,6 Prozent. Gleichwohl wird der FDP-Niederrhein-Kandidat Michael Terwiesche aus Moers nicht in das Europaparlament einziehen. Dafür hätte es eines stärker zweistelligen Ergebnisses von rund 13 Prozent bedurft. „Wir hatten uns deutlich mehr erhofft – sind aber offenbar mit unseren Themen nicht bei den Wählerinnen und Wählern durchgedrungen. Ich bin entsetzt, dass die AfD zweistellig geworden ist – das ist kein gutes Signal“, sagte Terwiesche am Abend. FDP-Kreisparteichef Bernd Reuther bezeichnete seine Liberalen als „kleine Wahlgewinner“. Michael Terwiesche haben einen „super-engagierten Wahlkampf“ gemacht und seinen Teil zum Ergebnis beigetragen.

Die AfD konnte gegenüber der Europawahl 2014 zulegen; im Kreis Wesel legt sie 3,8 Prozentpunkte zu, landete aber schwächer als im Bundestrend bei unter 9,1 Prozent. Renatus Rieger, Sprecher der AfD im Kreis, ist dennoch zufrieden, zeigt sich aber verärgert über das Ergebnis der Grünen.

In den einzelnen Kommunen zeigen sich teils unterschiedliche Trends. Überraschend schwach schneidet die SPD in ihrer Bastion Wesel ab. Sie verliert hier 16,8 Prozentpunkte, die CDU deutlich weniger mit 7,3 Prozentpunkten. Wesels CDU-Fraktionschef Jürgen Linz war mit diesem Ergebnis nicht zufrieden: „Wir müssen bei Umweltthemen stärker werden, wir müssen hier die jungen Menschen erreichen.“

Als noch ausreichend ist das Ergebnis der CDU in Hamminkeln zu bezeichnen: In einer ländlichen Hochburg der Christdemokraten wählen 37,3 Prozent die CDU, 10,2 Prozentpunkte weniger als 2014. Die SPD kommt hier nur auf 18,9 Prozent; 10,4 Prozentpunkte Verlust. Hamminkelns CDU-Vorsitzender Norbert Neß bilanzierte: „Für die Volkspartei CDU bedeutet das Ergebnis eine Riesenaufgabe: wir müssen Vertrauen zurückgewinnen. Wahlen werden heute kurzfristig und ganz sicher auch im Internet gewonnen. Gerade die wichtige, jüngere Generationen überzeuge ich mit der richtigen und zukunftsgewandten Politik - nicht nur mit Hochglanzplakaten und analogen Wahlkampfinstrumenten.“

In Schermbeck verlor die CDU stärker als im Bundestrend: minus elf Prozent. Auffällig: Gerade in Schermbeck, so sagte AfD-Kreissprecher  Rieger, habe die AfD stärker Wahlkampf gemacht. In Schermbeck hatte sich ein Bündnis gegen die AfD gebildet. Rieger wollte darauf mit mehr Präsenz in genau dieser Gemeinde reagieren. Überdurchschnittlich geholfen hat dies seiner Partei nicht: Die AfD legte hier 3,1 Prozentpunkte zu; auf Bundesebene waren es, Stand bei Redaktionsschluss, höhere Zugewinne.

(sep/dne)