Wesel: CDU schaltet Schulministerium ein

Wesel: CDU schaltet Schulministerium ein

Im Streit um die Gründung einer weiteren Gesamtschule in Wesel positionieren sich nun die CDU und Eltern sowie das Kollegium der Konrad-Duden-Realschule. Die Weseler Schullandschaft ist auch in der Landeshauptstadt im Fokus.

Die Weseler CDU stellt angesichts des Streits um eine weitere Gesamtschule die Frage, ob Wesel nicht eher eine größere Realschule, eine Hauptschule oder wieder eine Förderschule benötige. Die Verwaltung solle diese Frage ordentlich abwägen, fordern Daniela Staude als schulpolitische CDU-Sprecherin und Jürgen Linz als CDU-Fraktionschef. Beide teilten gestern mit, das NRW-Schulministerium von Yvonne Gebauer (FDP) eingeschaltet zu haben. Die von der Verwaltung für den nächsten Schulausschuss am morgigen Donnerstag (16.30 Uhr, Ratssaal) gelieferten Zahlen nennt die CDU "dürftig". Sie seien nicht vollständig. Wenn die Verwaltung in ihrer Vorlage attestiere, dass Wesel ein Versorgungsproblem "im unteren Leistungszentrum" habe, dann müsse genau dort bei der Neugründung einer Schule angesetzt werden. Zuvor hatte bereits die FDP eine juristische Prüfung einer möglichen weiteren Gesamtschule angedroht.

Zum Hintergrund: In Wesel ist ein Streit um 23 Schüler überwiegend mit Hauptschulempfehlung entbrannt, die von der Gesamtschule und der Realschule abgelehnt werden. Die Gesamtschulelternschaft begründet die Ablehnung mit Platzkapazitäten, die Konrad-Duden-Realschule wiederum hält sich nicht für die richtige Schulform. Für 23 Schüler gibt es also nach derzeitigem Stand keinen Platz im Weseler Schulsystem. Sind es gar noch mehr Schüler, die unversorgt sind, deren Eltern bisher die Anmeldung verpasst haben? Wenn es weitere unangemeldete Schüler gäbe, würde die Stadt in noch größere Not kommen. Einzelne Politiker haben Signale erhalten, dass es weitere unangemeldete Schüler gibt. Schuldezernent Rainer Benien erklärte aber auf Anfrage, dass nach seinem "derzeitigen Kenntnisstand" alle schulpflichtigen Kinder aus Wesel an einer Schule angemeldet sind.

Die Weseler CDU warnt vor der morgigen Sitzung auch vor dem Beschluss der Neugründung einer weiteren Gesamtschule "im Eiltempo". Daniela Staude kritisiert, dass die von allen Fraktionen im Rat vor erst einem halben Jahr einstimmig beschlossene Schulraumentwicklungsplanung plötzlich wieder über den Haufen geworfen werde. Die CDU sei an einer Lösung interessiert, die nachhaltig ist und dauernde Unruhe in der Schullandschaft vermeidet, sagen Staude und ihr Fraktionschef Jürgen Linz in Richtung der Weseler SPD. Von "Schulmurks 2.0" sprechen sie in Richtung ihres Koalitionspartners, mit dem sie auf dem Feld der Schulpolitik allerdings keine Einigkeit finden. Als "völligen Irrweg" bezeichnen Staude und Linz den 2015 gefassten Beschluss, die Gesamtschule Lauerhaas auf acht Züge zu erweitern. Das Linksbündnis aus SPD, Grünen und Linken würde sich im Falle eines Beschlusses für eine weitere Gesamtschule erneut von einer Momentaufnahme leiten lassen. "Das hat mit seriöser Schulentwicklungsplanung nichts zu tun."

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Unbenommen von einem Beschluss zur weiteren Gesamtschule muss der Ausschuss festlegen, was mit den 23 an der Gesamtschule abgelehnten Schülern geschieht. Die CDU kritisiert in diesem Kontext, dass "vereinbarte Regelungen über Anmeldeüberhänge auf Schulleiter- und Schulträgerebene nicht eingehalten wurden." Dies sei eigentlich innere Schulangelegenheit, nun sei plötzlich die Politik damit befasst.

Auch Eltern und Kollegium der Konrad-Duden-Realschule meldeten sich gestern, nachdem sich einen Tag zuvor bereits die Schulleitung im Streit um die 23 Schüler geäußert hatte. Personell sei die Schule unterbesetzt, es gebe auch nicht wie an der Gesamtschule Sonderpädagogen und nur 18 Klassenräume, das entspreche maximal drei Klassen in sechs Klassenstufen. Im nächsten Schuljahr müsse man aber vier Klassen bilden. "Die Gesamtschule hat sich für ein großes Schulsystem entschieden. Wenn es sich nun ergibt, dass die gewünschten Zahlen überschritten werden, dann muss sie damit auch leben, so wie fast jede andere Schulform auch, die einen größeren Schüleransturm, als vorher vielleicht erwartet, stemmen muss", schreiben Schulpflegschaft und Kollegium.

Unterdessen mobilisieren sich die Eltern der Gesamtschule Lauerhaas vor der morgigen Sitzung. In einer Mail, die unter den Eltern kursiert, wird dazu aufgerufen, zahlreich im Rathaus zu erscheinen. Es sollen Buttons und Plakate vorbereitet werden, heißt es in dem Schreiben.

(RP)