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Bundestagswahl 2021: Eine letzte Wahl-Hilfe für den Kreis Wesel

Bundestagswahl 2021 im Kreis Wesel : Das Kreuz mit den Kreuzen

Spannend soll es werden und knapp, wenn die Deutschen am Sonntag einen neuen Bundestag wählen. Was aber heißt das für den Wahlkreis Wesel I? Wer könnte nach Berlin kommen? Und wie war das noch mal mit der Erst- und Zweitstimme? Eine letzte Hilfe.

Dass große Einigkeit besteht, ist vor dieser Bundestagswahl eine Seltenheit. In der Weseler Einkaufsstraße diskutieren am Freitagmittag eine Frau und zwei Männer das mögliche Ergebnis, sie besprechen, wen sie wählen, und können sich aber bloß auf eines einigen: Es wird knapp. Bekäme man jedes Mal eine Bratwurst, wenn in diesen Tagen davon die Rede ist, dass die Wahl so spannend oder so knapp wie nie werde, käme wohl der Wurstbedarf eines ganzen Bundestagswahlkampfes zustande. Guten Appetit.

Doch was soll das eigentlich heißen: spannend und knapp? Dass man vor der Wahl nicht weiß, wer gewinnt, sollte in der Demokratie eher die Regel denn die Ausnahme sein. Diese Vorhersagen, die klingen, als fände am Sonntag das DFB-Pokalfinale mit den rivalisierenden Mittelstürmern Olaf Scholz und Armin Laschet statt, beziehen sich freilich alle auf Umfragen. Ob diese in einem Wahlkampf schon einmal eine so prominente Rolle wie in diesem gespielt haben, werden Historiker oder Politologen beurteilen müssen. Die Wahl 2021, so viel wird man wohl festhalten dürfen, ist noch nicht entschieden. Man sollte also die Chance nutzen – und zwei Kreuze setzen.

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Die Erststimme

Der Unterschied zwischen den zwei Kreuzen ist vielen Wahlberechtigten deutlich weniger klar, als Politiker und Journalisten gemeinhin denken. Deswegen eine kurze Erklärung: Mit der Erststimme wählt man den Direktkandidaten im Wahlkreis. Die Regel ist einfach. Der- oder diejenige mit den meisten Erststimmen zieht in den Bundestag ein. Erhält Max Mustermann von der Muster-Partei 32 Prozent der Erststimmen, Petra Musterfrau von der Petra-Partei aber 33 Prozent, dann darf Petra die Koffer für Berlin packen. Alle anderen Direktkandidaten gehen leer aus – es sei denn, sie haben einen guten Listenplatz.

Die Zweitstimme

Mit der Zweitstimme wird bestimmt, wie viele Sitze eine Partei im Bundestag erhält. Das sind die Werte, die in den Umfragen angezeigt werden. Welche Partei hier die meisten Stimmen auf sich vereinigt, hat in der Regel die erste Chance, eine Regierung zu bilden. Es kann passieren, dass eine Partei mehr oder weniger Wahlkreise direkt (über die Erststimme) gewinnt, als ihr prozentual Sitze im Bundestag (über die Zweitstimme) zustehen. Sind es weniger, zieht die Landesliste der jeweiligen Partei. Sind es mehr, dann entstehen die berühmten Überhang- und Ausgleichsmandate, die für die stetige Vergrößerung des Parlaments verantwortlich sind.

Die Herausforderer

Im Wahlkreis 113, Wesel I, treten neun Kandidaten an, um Sabine Weiss, die seit 2009 für die CDU im Bundestag sitzt, das Direktmandat abzunehmen. Realistische Chancen hat aber nur einer: der Sozialdemokrat Rainer Keller. Der Höhenflug der Grünen in den Umfragen ist vorbei, weshalb das Rennen um das Direktmandat zwischen Keller und Weiss ausgetragen wird. Drei Institute haben für die Wahlkreise Prognosen berechnet, die nicht auf Umfragen beruhen, sondern auf Mathematik. Sie alle sehen inzwischen Rainer Keller als Favoriten – das war vor wenigen Monaten noch anders. Auch die Wahlkreisprognose von election.de sieht Sabine Weiss nicht mehr in der Favoritenrolle. Die Wahrscheinlichkeit, dass Keller gewinnt, wurde jüngst mit mehr als 80 Prozent angegeben.

Die Landeslisten

Wer also sitzt künftig aus dem Weseler Wahlkreis Wesel I im Bundestag? Das Rennen um den ersten Platz bei den Erststimmen dürfte – trotz diverser Berechnungen –, Obacht, knapp werden. Ein kleines DFB-Pokalfinale, also. Bernd Reuther von der FDP wird wahrscheinlich wie 2017 über die Landesliste in den Bundestag einziehen – sollte die FDP nicht deutlich schlechter abschneiden als die Umfragen andeuten. Zwei Abgeordnete aus dem Weseler Wahlkreis in Berlin sind also absehbar, in einem bestimmten Szenario könnten es sogar drei werden: Wenn Rainer Keller das Direktmandat holt und Sabine Weiss über die Liste einzieht. Sie steht auf Platz 13 in NRW. Laut election.de könnte die Liste nach Berechnungen genau bis Platz 13 ziehen. Sicher erscheint das aber nicht.