Gebäude von 1948 : Streit um Haus in Birten

Der Brandschutz sei nie ein Problem gewesen, sagt der Eigentümer. Bis ein Mieter etwas umgebaut habe. Nun gibt es Streit um die Baugenehmigung.

Das Haus liegt idyllisch am Waldrand. Der Vater von Ehrhard Liebrecht hat es 1948 errichten lassen. „Hühnerfarm haben wir es immer genannt“, erinnert sich Liebrecht, der hier groß geworden ist. Der Ullenboomshof an der Maikamer in Birten ist schon mehrere Generationen in Familienbesitz. „Mein Vater hat das Haus als landwirtschaftliche Nebenerwerbsstelle errichtet. Mit Genehmigung. Der Knecht und seine Familie haben dort gewohnt.“ Später sei das Haus vermietet worden. Nach einer Baugenehmigung habe die Stadt nie gefragt. Löschwasser sei auch kein Thema gewesen.

Das wäre es vielleicht bis heute nicht, wenn nicht der letzte Mieter das Haus umgebaut hätte. Das Dach wurde neu isoliert und gedeckt, neue Fenster wurden eingebaut, der Hauseingang wurde verlegt, neue Bäder errichtet. Der Mieter habe dafür 2013 bei der Stadt Xanten eine Baugenehmigung beantragt, berichtet Liebrecht. Seither füllt der Schriftwechsel zwischen Mieter, Liebrechts Anwalt, der Stadt Xanten und dem Brandsachverständigen beim Kreis Wesel ganze Aktenordner. Der letzte Mieter wohnt zwar nicht mehr im Haus, er wurde wegen Drogenanbaus zu einer Bewährungsstrafe verurteilt – aber der Streit läuft weiter.

Die Stadt wolle die Baugenehmigung sehen – oder wenigstens den Nutzungsänderungsantrag von 1964, als das Haus nicht mehr als landwirtschaftlicher Nebenerwerbsbetrieb benötigt und vermietet wurde, berichtet Liebrecht. Die Stadt wolle auch wissen, ob der Boden kontaminiert sei, weil der Weg zum Gebäude mit Mineralbeton aufgefüllt worden ist. Er habe zwei Probebohrungen durchführen lassen – ohne jede Beanstandung, sagt der Grundstückseigentümer. Die Stadt moniere außerdem, dass die Feuerwehr im Brandfall angeblich kein Wasser vor Ort habe, weil es keinen Löschteich gebe.

Seit 2013 kämpft der Mieter über seinen Anwalt mit der Stadt, die 2014 einen ablehnenden Bescheid erteilte, gegen den Liebrecht beim Verwaltungsgericht in Düsseldorf Klage eingereicht hat. Zwischenzeitlich ruhte das Verfahren, weil die Richterin beim Verwaltungsgericht von der Stadt wissen wollte, ob es – wenn denn die Löschwasserproblematik gelöst sei – noch andere „Hindernisse“ gebe, die gegen die Erteilung einer Baugenehmigung sprächen. Aus Sicht von Liebrecht gibt es allerdings kein Löschwasserproblem. Denn auf seinem Gutshof, Luftlinie 250 Meter von dem Haus am Waldrand entfernt, sei genügend Löschwasser vorhanden, sagt er. In zwei ehemaligen Jauchegruben befänden sich 87 Kubikmeter Wasser, in einem externen ehemaligen Öltank seien weitere 21 Kubikmeter. Am Haus seien mehrere Saugstellen installiert; die müssten im Brandfall von der Feuerwehr nur angezapft und das Löschwasser über einen Schlauch hinten an der Haspel des Löschfahrzeuges über die Weide nach oben zum Haus gepumpt werden.

Ehrhard Liebrecht. Foto: Christoph Reichwein (crei)

Dass das so einfach ist, bezweifelt jedoch der Brandsachverständige des Kreises Wesel. Weil eine Weide dazwischen liegt, die eingezäunt ist. Tatsächlich ließ Liebrecht zwei Tore einbauen. Jedoch könnten die Löschfahrzeuge problemlos hindurchfahren, meint er. Er glaubt auch nicht, dass die Löschfahrzeuge auf der Weide stecken bleiben könnten, schließlich hätten sie Allradantrieb. Die Stadt bemängelt außerdem, dass das letzte Stück der Zufahrt zum Haus zu schmal für einen Lastwagen wie ein Feuerwehrauto sei.

Am Haus gebe es auch keine Wendemöglichkeit. Alle Bedenken habe er bei einem Ortstermin widerlegt, meint Liebrecht. Er habe einen Nachbarn gebeten, mit seinem 18 Tonnen schweren Fahrzeug über die Weide bis zum Haus zu fahren und oben zu wenden. Für den Nachbarn und seinen Wagen sei das kein Problem gewesen.

Wie es jetzt weitergeht? Liebrecht wartet auf einen Bescheid des Verwaltungsgerichtes. Sollte auch dieser negativ ausfallen, will er vor der nächsthöheren Instanz klagen. Die Stadt gab auf Anfrage keine Stellungnahme ab. Der Technische Dezernent Niklas Franke verwies zur Begründung auf das laufende Verfahren.

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