Bürgermonitor : Gutes Ende für Lüttinger Spielplatz

Das Spielangebot Am Blauen Stein/An der Nettkull sollte schon längst abgebaut sein. Doch dann nahmen Anwohner das Heft selbst in die Hand, stellten erfolgreich einen Bürgerantrag und sammelten eifrig Spenden für neue Geräte.

Konzepte hier und Konzepte da: Stadt und Rat greifen gerne darauf zurück, um ein großes Ganzes analysieren zu lassen und dann ihre Entscheidung zu fällen. Doch was die Experten in Kleinarbeit untersuchen und zusammenstellen, muss nicht immer der Weisheit letzter Schluss sein.

Ein Beispiel ist das Spielflächenkonzept. Fachleute und Politik hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht; Anwohner der Straßen Am Blauen Stein und An der Nettkull gingen auf die Barrikaden, als der Dienstleistungsbetrieb (DBX) die Ergebnisse des Konzepts umsetzen wollte und weitere Spielgeräte abbaute. Sie schlossen sich zusammen, intervenierten mit einem Bürgerantrag erfolgreich im Rat und verhinderten so die Schließung des Spielplatzes. Jetzt war feierliche Eröffnung, zu der die Anwohner auch Vertreter der Stadt, der Politik und der Spender eingeladen hatten.

Zu klein, zu wenig genutzt und ohne altersgerechte Spielgeräte hatte das Spielflächenkonzept geurteilt und eine Schließung empfohlen. Dem folgte dann der Rat. Vergeblich fragten Anwohner bei der Stadtspitze nach, ob der Spielplatz nicht doch erhalten bleiben könne. Doch die Verwaltung warnte damals vor einer Aushöhlung des beschlossenen Konzepts. Das sei darauf ausgerichtet, „künftig kleine, unterhaltungsintensive und teilweise nicht so stark genutzte Spielflächen zugunsten größerer, für Familien und Kinder auch attraktiverer Spielplätze aufzugeben und so das Angebot qualitativ aufzuwerten und zu konzentrieren“. Es folgte ein Bürgerantrag mit Unterschriftenliste an den Rat und die Korrektur der Politik. Die Anwohner hatten angekündigt, sich selbst soweit wie möglich um den Spielplatz kümmern zu wollen. Anregungen dazu holten sie sich bei einer ähnlichen Initiative in Wardt.

Von den alten Spielgeräten ist heute bis auf eine Wippe nichts mehr übrig geblieben. Vieles war marode und musste abgebaut werden. Dafür steht nun hier eine neue Schaukel aus Metall, die Sandfläche ist deutlich größer. Spielerisches und optisches Highlight sind aber zwei Attraktionen aus Holz, extra für diesen Platz von Gerätebauer Mike Oberhäuser aus Kamp-Lintfort angefertigt: Ein massives Indianertippi, in das sich die Kinder zurückziehen können, und eine Kletterplattform mit Rutsche, Sandrinne und mehr. „Wir haben 8500 Euro investiert“, sagt Matthias Wenten, einer der Anwohner und Mitinitiator der Initiative. Allein 3500 Euro spendeten die Rotatierer. Privatpersonen und die Wirtschaft wie Volksbank und Hülskens trugen mit ihren Spenden ebenfalls zum Gelingen bei. „Jetzt kommt noch ein Zaun zur Straße hin, und im Herbst wird eine Hecke gepflanzt“, kündigt Matthias Wenten an.

Der DBX ist für die Sicherheit zuständig, die Pflege aber wie das Mähen des Rasens, das Einsammeln von Müll und im Herbst das Zusammenrechen des Laubs der zentralen Buche übernehmen die Anwohner weitgehend selbst. Dazu haben sie eine WhatsApp-Gruppe gegründet. Sie haben auch immer ein Auge auf das Areal. „Es ist ja von außen gut einsehbar“, betont Wenten.

Der Spielplatz ist zugleich ein Begegnungsort für die Nachbarschaft. Während die Kleinen hier toben können, sitzen Eltern und Großeltern daneben am Picknicktisch. „Die Mühe hat sich gelohnt“, erntet Matthias Wenten Kopfnicken von den Mitstreitern. „Wir sind glücklich und zufrieden.“ Kleine Verbesserungen sind aber noch gewünscht. Der Abfalleimer zum Beispiel könnte ruhig etwas größer ausfallen.

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