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Bürgermeister Romanski betont: Stadt Hamminkeln will weiter Energie sparen​

„Es gibt im Moment keine Alternative“ : Stadt Hamminkeln will weiter Energie sparen

Bürgermeister Bernd Romanski wundert sich, wie die Debatte um die Gasversorgung läuft. Er sieht Einsparpotenzial in jedem Haushalt. Die Stadt schreibt indes ihren Gasvertrag neu aus – bisher vergebens. Das hat einen speziellen Grund.

Die Versorgungsdebatte in Deutschland läuft heiß. Es geht um große Politik, um Putins Pipelines und die Frage, ob im Ernstfall erst die Haushalte mit Gas versorgt werden sollen und dann die Wirtschaft. Wieso eigentlich wird das unwidersprochen so propagiert? Warum wird der Konflikt einseitig debattiert? Diese und andere Fragen sind es, die Bürgermeister Bernd Romanski umtreiben. Er glaubt, dass man kleiner, nämlich beim Verbrauchsverhalten allgemein anfangen muss.

„Die einzige Alternative ist es, Energie zu sparen. Es gibt im Moment keine Alternative“, sagte er. Den Ansatz hat er mit Aktionen im Rathaus begleitet, die Aufsehen erregten. Dies hilft Romanski aber auch nicht weiter, wenn er sich für die Stadt am Gasmarkt bewegt. Der städtische Gasversorgungsvertrag ist zum 30. Juni neu ausgeschrieben worden. Das ernüchternde Ergebnis: kein einziges Angebot. Grund dafür ist, dass sich kein Unternehmen imstande sieht, angesichts der volatilen Lage konkrete Angebote zu berechnen. Dann bleibt der Stadt in jedem Fall der Grundversorgungstarif, der teuer genug ist.

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Und es bleiben die flankierenden Maßnahmen, die Romanski zu seinem Ding erklärt hat. Auch am Dienstag tat er es wieder. „Ich wundere mich, dass das Gas-Thema nicht viel mehr auf der Verbrauchsseite gespielt wird“, sagte er. Eine Frage stehe am Anfang, nämlich die, was überhaupt nötig sei, im Rathaus mit Gas versorgt zu werden. Direkt darauf folgt in der To-do-Liste seine Initiative, zum Energiesparen zu animieren. Offensiv und mit Ideen. Bestätigt sieht sich der Verwaltungschef spätestens seit der von ihm erfundenen Uhu-Challenge, bei der es um Verbrauchsverhalten im Rathaus ging und geht. Bei einer Wette um ein Fass Bier hat sich gezeigt, wie sich Mitarbeiter auch spielerisch motivieren lassen, Energie zu sparen. Der Verbrauch sank am Anfang in nur zwei Wochen um 45 Prozent.

Kaum war die Challenge entschieden, gingen die Verbrauchswerte aber wieder hoch. Deshalb wurde einfach die Heizung abgeschaltet, was man sich in Gut-Wetter-Zeiten auch erlauben kann. Gezielte und auch kleine Drehschrauben seien es, derer man sich bedienen müsse, so der Verwaltungschef. Für ihn ist klar: Er habe „einige Hoffnung“, die Leute vermehrt dazu zu bringen, weniger Energie zu verbrauchen und im Kleinen zu handeln. „Nachhaltigkeit im Verhalten“ sei der Weg.

„Jetzt auf Gasgewinnung durch Fracking zu bauen ist fahrlässig“, sagte Romanski, der entsprechende Nachrichten aus dem Münsterland wegen der unkalkulierbaren Folgen sehr skeptisch sieht (siehe Infobox). Hamminkelns erster Mann im Rathaus hat insgesamt und dauerhaft den Blick auf das Energiethema – und einen praktischen dazu. „In Wesel bin ich für unseren Sparkurs auf offener Straße gelobt worden, wir sollten so weitermachen“, berichtete er von einem Besuch in der Kreisstadt. Dort gibt es aber auch keine vergleichbare Initiative.

Hamminkeln aber zieht weiter energiesparende Bahnen, rührt dafür die Werbetrommel und will Mitmacher aktivieren. Deshalb gibt es jetzt vor dem Hintergrund der Diskussion um ein Energieembargo gegen Russland und dessen Folgen eine interessante Veranstaltung mit Energie-Fachleuten. Die öffentlichen Vorträge zum Thema „Krisenvorsorge Gas unter Berücksichtigung von Frackinggas“ finden am Donnerstag, 12. Mai, um 19 Uhr im Ratssaal statt. Christian Creutzburg, technischer Geschäftsführer der Gelsenwasser Energienetze GmbH, spricht über die Krisenvorsorge und Geologe Ulrich Peterwitz, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft der Gelsenwasser AG, hält einen Vortrag über Fracking in Deutschland. Anmeldungen zur Veranstaltung sind unter der Telefonnummer 02852 88132 notwendig.