Bürgerinitiative: Zeelink hilft nur Katar

Umstrittene Gasleitung in Hünxe : Initiative: Zeelink hilft nur Katar

In Hünxe protestiert die Initiative „Todestrasse – Nein Danke“ weiter gegen die Errichtung einer H-Gasleitung. Deutschland brauche die Leitung nicht, argumentiert Sprecher Rainer Rehbein. Russisches Gas würde noch Jahrhunderte reichen.

Im Streit um die neue Zeelink-Gasleitung meldet sich jetzt erneut die Hünxer Initiative „Todestrasse – Nein Danke“. Rainer Rehbein, Sprecher der Initiative, kritisiert, dass der Bau der Riesengasleitung eigentlich nicht nötig sei – am Ende würde nur der Golfstaat Katar profitieren, dessen Gas künftig auch am Niederrhein fließen würde. Aus Russland, so argumentiert Rehbein, könne sich Deutschland noch 407 Jahre lang mit Gas versorgen. Diese Zahl liefere das Energiewirtschaftliche Institut. Startpunkt der Zeelink-Pipeline ist, deshalb der Name, das belgische Zeebrügge. Rehbein verweist darauf, dass laut Bundesregierung dieser Hafen zu 97 Prozent mit Gas aus Katar versorgt werde.

Unsere Redaktion fragte das Unternehmen Open Grid Europe, ob die Zahlen Rehbeins stimmen. Ein Sprecher teilte lediglich mit: „Aktuell beziehen wir in Deutschland Erdgas zu 40 Prozent aus Russland, zu 30 Prozent aus Norwegen, zu 23 Prozent aus den Niederlanden und sieben Prozent aus eigener Förderung.“ Zeelink werde Teil des deutschen Erdgasnetzes sein und „damit Teil der jetzigen Importsituation“.

Bisher wird als Argument für den Leitungsbau ins Feld geführt, dass in Deutschland immer weniger L-Gas (low calorific gas) zur Verfügung stehe und deshalb der Transport von H-Gas (high calorific gas) notwendig sei. Mittelfristig werde der Anteil von L-Gas aufgrund sinkender Gasvorkommen in Deutschland und den Niederlanden zurückgehen; bis 2030 um etwa 90 Prozent, teilen die Projektverantwortlichen auf ihrer Internetseite mit. Die neue Fernleitung sorge dafür, dass neue H-Gas-Aufkommen aus Nord, Süd und West angebunden werden können. Die Bürgerinitiative sieht das Risiko, dass ein Leck in der einen Meter dicken Leitung entsteht. Rehbein skizziert das Katastrophenszenario. „Die Sorge der Anwohner – gerade in eng bebauten Ortsteilen wie Voerde-Spellen und Hünxe-Drevenack – ist, dass für sie im Falle einer Havarie bis in eine Entfernung von 300 Metern kaum Überlebenschancen bestehen.“ Als sich der Zeelink-Mehrheitsgesellschafter Open Grid noch EON-Ruhrgas nannte, habe er es zugelassen, dass 2008 die eigene Pipeline in Hessen in die Luft flog.

Mit Fackelzügen hat die Initiative protestiert, die Anhörung der Bezirksregierung in Neuss begleitet. Am Wochenende will die Initiative in Hünxe ein Zeltcamp veranstalten. Der Sprecher von Open Grid Europe wiederum sagt: „Der Transport von Erdgas über Erdgasleitungen ist der sicherste und effektivste Weg, Erdgas zu transportieren.“

Rehbein sagt, tatsächlich gehe es um die Öffnung des europäischen Gasnetzes für das Emirat Katar. Er will die Bezirksregierung, den Bundestag und das Europaparlament damit konfrontieren und glaubt, dass das letzte Wort in Sachen Zeelink noch nicht gesprochen ist.

Nach dem Ende der Erörterung im Mai arbeitet die Bezirksregierung Düsseldorf unterdessen an den Einwendungen. Auf Grundlage der Erkenntnisse aus den schriftlichen Einwendungen und des Wortprotokolls aus dem Erörterungstermin werde man alle Positionen abwägen, gegebenenfalls Nachfragen stellen und dann eine Entscheidung treffen, teilte Beatrix Van Vlodrop als Sprecherin der Behörde zuletzt mit. Insgesamt seien von 1507 Privatpersonen und 91 Trägern Öffentlicher Belange Einwendungen gegen das Vorhaben erhoben worden. Open Grid rechnet mit einer Genehmigung Ende des Jahres. Veränderungen der Trasse werde es nicht mehr geben. „Für das Planfeststellungsverfahren haben wir im Raum Schermbeck verschiedene Trassenvarianten geprüft und sind mit einer optimalen Trassenführung in das Planfeststellungsverfahren gegangen. Es hat im Raum Schermbeck zahlreiche Gespräche zu den verschiedensten Trassenvarianten gegeben“, erklärt der Sprecher.

Rainer Rehbein sieht jedoch noch viele Versäumnisse im Genehmigungsverfahren. Bei der Untersuchung von Flora und Fauna seien geschützte Tierarten wie der Storch, dessen Nester teilweise im Trassenverlauf liegen, nicht berücksichtigt worden. Wenn die Zeelink-Pläne durchkommen, werde er vor Gericht ziehen. Das niedersächsische Spellen habe es vorgemacht und Open Grid zu einer 55 Millionen teuren Umleitung gezwungen.

(sep)