Wesel: Brückenabriss mit Alarmplan

Wesel: Brückenabriss mit Alarmplan

Damit der Rhein nicht für die Schifffahrt gesperrt werden muss, wird die alte Brücke halbiert und zu den Ufern gezogen. Die Gefahr abstürzender Teile wird einkalkuliert. Ausschreibung geht zur zweiten Jahreshälfte raus.

Während der Verkehr munter über die neue Weseler Rheinbrücke fließt, kommt jetzt der Abriss der alten in den Blickpunkt. An der fehlen bekanntlich schon an beiden Enden Fahrbahnstücke.

Das war bekanntlich leicht zu bewerkstelligen. Weitaus schwieriger wird es, die eigentliche Brücke mit der Fachwerkkonstruktion zu demontieren. Projektleiter Hans Löckmann vom Landesbetrieb Straßen NRW gab gestern im RP-Gespräch einen Vorgeschmack auf das, was er auch an der VHS Wesel vortragen wird (siehe Info).

Stück für Stück zu den Seiten

Bestimmend für den Abriss, so Löckmann, ist die Vorgabe des Wasser- und Schifffahrtsamtes, dass die Schifffahrt nicht beeinträchtigt werden darf. Würde man von Pontons, also vom Wasser aus arbeiten, so müsste der Rhein gesperrt werden. Weil dies nicht geht, war ein aufwändiges Konzept mit Risikoabschätzung gefragt.

Im Wesentlichen geht es nun darum, die Brücke in der Mitte zu zerschneiden und dann Stück für Stück zu beiden Ufern zu ziehen. Dabei ergibt sich die Schwierigkeit, Rollbahnen für das Verschieben zu bauen und die Hälften so stabil zu halten, dass sie nicht abstürzen.

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Einkalkuliert wurde, dass es auf dem letzten Stück nahe dem Weseler Ufer Komplikationen gibt. Hier soll per Ponton ein fahrbarer Träger eingesetzt werden. Mit der Gefahr, dass dennoch Brückenteile abbrechen könnten. "Dafür brauchen wir einen Alarmplan, um binnen drei Tagen alle Stücke wieder aus dem Rhein zu bergen", sagte Löckmann.

Wie der Ingenieur weiter berichtete, ist die technische Planung jetzt so weit, dass die Ausschreibung in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt kommen kann. Im günstigsten Falle könne noch 2010 mit der Arbeit begonnen werden. "Wir rechnen mit zwei Saisons, also eineinhalb Jahren, weil wir in der Hochwasserphase im Deichvorland nicht arbeiten können", sagte Löckmann. Ursprünglich sollte der Verkauf des Fachwerks Kosten reduzieren.

Da Schrotterlös wohl nicht mehr zu erzielen sei, bleibe es bei rund 3,5 Millionen Euro. Von einem Brückenteil als Landmarke ist keine Rede. Unterdessen laufen die Vorbereitungen für den Bau der ersten von fünf Brücken für die B 58-Ortsumgehung Büderich. Sie entsteht am Perricher Weg, wo zuletzt bekanntlich erst die Spuren der Römer archäologisch dokumentiert worden waren.

Während hier die Signale auf grün stehen, wird es auf der rechten Seite erstmal ernst. Das Planfeststellungsverfahren für die Südumgehung über den Fusternberg soll im Sommer beginnen. 2012 könnte es frühestens den Beschluss geben, dem sich vier Jahre bauzeit anschließen. 2016 wären das gigantische Gesamtprojekt fertig und rund 170 Millionen Euro verbaut.

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(RP)