Wesel: Brahms' deutsches Requiem im Dom

Wesel : Brahms' deutsches Requiem im Dom

Ein gewaltiger Emotionsausbruch der 120 Sänger und 50 Musiker bescherte so manchem Zuhörer ein Gänsehautgefühl.

Geballte Emotionen in sieben Sätzen bewegten die Zuhörer bei der Aufführung des Brahmschen Werkes "Ein deutsches Requiem" im Willibrordi-Dom. Der Chor des Städtischen Musikvereins hatte zu dem großen Chor- und Orchesterkonzert eingeladen.

Fast 120 Sänger und 50 Instrumentalmusiker wirkten an dem Ereignis mit. Der Chor des Städtischen Musikvereins Wesel unter der Leitung von Hans-Günther Bothe wurde dabei stimmgewaltig unterstützt von dem Grafschafter Konzertchor aus Moers und dem Männerchor Vox Plena aus Kaiserswerth. Den instrumentalen Teil übernahmen die Akteure des Rheinischen Oratorienorchesters. Als Solisten brillierten Stefan Adam (Bariton) und Agnes Lipka (Sopran).

Zahlreiche Musikfreunde waren in den Willibrordi-Dom gekommen, um die Aufführung mitzuerleben. Das "deutsche Requiem" von Johannes Brahms ist kein klassisches Oratorium mit liturgischen Texten, sondern greift auf ausgewählte Texte aus der Bibel zurück, die den Trostgedanken in den Vordergrund stellen. Im ersten Satz kam die feierliche Trauerstimmung zur Geltung, die sich im zweiten Satz zu einem düsteren Totentanz mit marschartigem Rhythmus wandelte. "Denn alles Fleisch, es ist wie Gras", skandierte der Chor und brachte dabei das Endgültige der Vergänglichkeit zum Ausdruck.

Das Baritonsolo im dritten Satz strahlte die Not und Seelenangst des Trauernden aus, doch dann klangen Hoffnung und Zuversicht an, die in den folgenden Sätzen an Gewicht gewannen.

Das gefühlvolle Sopransolo "Ihr habt nur Traurigkeit" spendete überirdischen Trost. Im leidenschaftlichen sechsten Satz schließlich brachte der mächtige Chorgesang den Triumph über den Tod zum Ausdruck.

Der gewaltige Emotionsausbruch der Sänger und das Anschwellen der Orchestermusik dürfte manchem Zuhörer ein Gänsehautgefühl beschert haben. Im siebten Satz schloss sich der Kreis: In einem Zitat aus der Johannes-Offenbarung verschmolzen der Trost für die Trauernden und die Hoffnung auf Erlösung für die Toten zu einer Einheit. Das intensive Stimmtraining der Chormitglieder hatte sich am Ende ausgezahlt.

Auch die konditionelle Herausforderung meisterte der Chor scheinbar mühelos. Sekundenlang verharrte der Chorleiter regungslos auf seinem Podest, als der letzte Ton verklungen war. Dann brach tosender Applaus los. In diesem glücklichen Augenblick war für die Akteure die harte Probenarbeit der letzten Wochen und Monate vergessen.

(krsa)