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Bonita nach der Insolvenz: Damenmodenhersteller aus Hamminkeln hat neue Personalchefin

Neue Personalchefin von Bonita : „Es sind nicht Dutzende Stellen zu besetzen“

Natascha Feldkamp spricht nach der Insolvenz von Bonita über die Zukunft der Mitarbeiter, mögliche Neueinstellungen und den Weg aus der Krise. Von der Aufbruchstimmung im Hamminkelner Damenbekleidungsunternehmen zeigt sie sich begeistert.

Die Vita von Natascha Feldkamp, der neuen Personalchefin bei Bonita, macht neugierig: Die Tochter einer Niederländerin und eines Deutschen kommt von der Essener Noweda Apothekergenossenschaft, einem führenden deutschen Pharmagroßhändler, der für seine Mitgliedsapotheken Einkauf, Logistik und weitere Dienstleistungen bietet. Dort war die 52-Jährige seit 2017 Leiterin für Zentrales Personalwesen. Zuvor hatte sie Leitungsfunktionen im Personalbereich bekleidet, so auch bei den Modehäusern Wöhrl und Sinn Leffers. Nun also fährt Natascha Feldkamp seit Anfang des Monats täglich von Essen nach Hamminkeln zu ihrer neuen Wirkungsstätte ins Gewerbegebiet Kesseldorfer Rott, wo es ihr offenbar sehr gut gefällt.

Frau Feldkamp, haben Sie von Hamminkeln schon mal etwas gehört, bevor Sie bei Bonita begonnen haben?

Feldkamp Ich kenne die Stadt seit vielen Jahren, weil mein Mann, mit dem ich in Essen lebe, aus Bocholt kommt. Wir haben schon sehr viele Radtouren in der Region unternommen und kennen die vielen guten Gastronomieangebote.

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Und wenn Sie bei Sinn Leffers und Wöhrl waren, kannten Sie sicher auch Bonita-Geschäftsführer Karsten Oberheide, der ja auch in beiden Unternehmen tätig war. Hat er Sie nach Hamminkeln gelotst?

Feldkamp Der Kontakt zwischen uns ist in all den Jahren nie abgebrochen. Es ist tatsächlich so, dass er mich nach der Übernahme von Bonita im Rahmen eines Management-Buy-Outs kontaktiert und mir ein Angebot unterbreitet hat, dass ich dann gerne angenommen habe. Ich kannte viele Themen schon von meiner Zeit bei Sinn Leffers und freue mich, die Neupositionierung von Bonita am Markt zu begleiten. Mode hat mich schon immer interessiert. Als Studentin habe ich im Bereich Mode, Schmuck und Accessoires als Verkäuferin Geld verdient – und es in dem Bereich auch gleich wieder ausgegeben.

Im Rahmen des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung musste die angeschlagene Modemarke Bonita 2020 und Anfang 2021 am Verwaltungs- und Logistikstandort Hamminkeln und auch in den Filialen einige Hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlassen. Ist es nach der Übernahme eines Investorenteams um Geschäftsführer Karsten Oberheide womöglich Ihre Aufgabe, einige dieser früheren Bonita-Leute zurückzuholen? Über welche Größenordnung sprechen wir da?

Feldkamp Es ist punktuell möglich, die eine oder andere Mitarbeiterin oder den einen oder anderen Mitarbeiter wieder in die Bonita-Familie zurückzuholen. Aber es sind jetzt nicht Dutzende Stellen zu besetzen. Wie gesagt, punktuell werden wir das Team verstärken und auch wieder Auszubildende einstellen. Wir suchen Talente, um sie an Bord zu nehmen. In erster Linie möchte ich unsere Mitarbeiter motivieren, dauerhaft bei uns zu bleiben und sie fit für die Zukunft zu machen. Ein weiterer Schwerpunkt meiner Arbeit wird es sein, Bonita als attraktiven Arbeitgeber mit sehr gutem Arbeitsklima und vielen Freiräumen und echtem Unternehmergeist bekannter zu machen. Wir haben als Arbeitgeber viel mehr zu bieten als nur eines der modernsten Logistikzentren Deutschlands.

Welche Stellen sind denn aktuell vakant? Wer kann sich bei Ihnen bewerben?

Feldkamp Wir suchen Personareferenten ebenso wie Leute für den Einkauf und für die Stores – bundesweit und international. Und wir wollen unseren Bekanntheitsgrad als Marke stärken. Die Stellen findet man in den einschlägigen Jobportalen und in Kürze auch auf unserer neuen Homepage.

 Die Umsatzahlen sind laut Bonita zuletzt gestiegen. Am Standort Kesseldorfer Rott sind aktuell rund 170 Mitarbeiter beschäftigt.
Die Umsatzahlen sind laut Bonita zuletzt gestiegen. Am Standort Kesseldorfer Rott sind aktuell rund 170 Mitarbeiter beschäftigt. Foto: Klaus Nikolei

Wie viele Mitarbeiter sind aktuell am Standort Hamminkeln beschäftigt?

Feldkamp Rund 170 im Logistizentrum, wo unsere im Ausland produzierte Ware für die einzelnen Filialen zusammengestellt wird, und in der Verwaltung. Wobei die überaus wichtige Designabteilung zur Verwaltung zählt. Nachdem zu Zeiten, als Tom Tailor bei Bonita noch das Sagen hatte, versucht wurde, auch jüngere Kundinnen zu gewinnen, was bekanntlich nicht sonderlich gut funktioniert hat, setzt man bei Ihnen jetzt wieder auf die Treue der Kundin der Generation über 50.

Wie sind die ersten Wochen nach den Lockerungen in der Pandemie verlaufen?

Feldkamp Der Bonita-Stil ist ja mehr ein Lebensgefühl als ein Lebensalter, aber die Kundinnen im besten Alter stehen bei uns klar im Mittelpunkt – da zähle ich mich selbst auch gern dazu. Der Juni ist in der Tat umsatztechnisch gut gelaufen, wir haben tolle Kollektionen in die Stores gebracht und ein wirklich gutes Sortiment auf die Beine gestellt.

Aktuell gibt es kein Thema, was die Nation so bewegt, wie die Hochwasserkatastrophe in NRW und Rheinland-Pfalz.

Feldkamp Davon ist auch Bonita betroffen. Und zwar Mitarbeiter und deren Angehörige in den Hochwassergebieten. Wir fühlen alle mit diesen Menschen und können ihnen nur Kraft und Stärke wünschen. Und wir werden unsere Mitarbeiter auch unbürokratisch unterstützen – mit Geld- und womöglich auch mit Kleiderspenden.