Wesel: Blick hinter Kasernenmauer

Wesel: Blick hinter Kasernenmauer

Früher lagerten im Fort I in Büderich Soldaten. Jetzt ist das ehemalige Kasernengelände ein blühendes Paradies. Am Tag des offenen Denkmals öffnet Ruth Pattay ihre historische "Doppelhaushälfte" erstmals für Besucher.

Wer den Innenhof der ehemalige Kaserne nahe der alten Eisenbahnbrücke in Büderich betritt, den erwartet ein blühendes Paradies. Ein hoher Nussbaum spendet Schatten, im Beet wachsen Ringelblumen und Fingerhut.

"Früher lag im Hof noch Waschbeton, es war alles karg und militärisch", sagt Ruth Pattay. 1980 Jahren zog sie mit Ehemann Gert in das historische Gebäude. Über eine Zeitungsannonce wurde das Paar auf das Fort I aufmerksam. "Ich bin im Weseler Hafengebiet aufgewachsen und habe als Kind oft zur Eisenbahnbrücke herüber geschaut", berichtet Ruth Pattay. "Dass sich dahinter noch Gebäude verbergen sollten, konnte ich mir einfach nicht vorstellen."

Schutz der Eisenbahnbrücke

Ein Besuch in Büderich belehrte die Pattays eines Besseren. "Wir haben uns das Haus angeschaut und waren von den Kreuzgewölben begeistert." Die Familie konnte sofort einziehen, aber "renovieren mussten wir noch einiges." Ein offener Kamin und die einfach verglasten Fenster verschwanden.

"Dann wurde die Küche vergrößert, die Kinderzimmer angebaut", erzählt Ruth Pattay. Wo heute ein geräumiger Esstisch und ein Sofa stehen, lagerten früher Soldaten. "Geschätzte 65 müssten es allein in dieser Hälfte der Kaserne gewesen sein", weiß Alexandra Kelemen von der Denkmalbehörde der Stadt. Mit Unterstützung von Festungsforscher Josef Vogt hat sie historisches Kartenmaterial für den Tag des offenen Denkmals am Sonntag besorgt.

  • Wesel : Schloss, Museum, Dom

"Mithilfe der Zeichnungen wollen wir den Besuchern erklären, wie es früher hier ausgesehen hat", sagt Kelemen. Das Fort I wurde von 1879 bis 1882 zum Schutz der Eisenbahnbrücke Richtung Westen errichtet.

Die beiden Kasernen waren von einem breiten Wassergraben umgeben, der heute teilweise mit Erde der ehemals vorhandenen Wallanlage verfüllt wurde. "Lange diente die Kaserne nicht ihrem Zweck, denn bereits 1890 begann die Entfestigung Wesels. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde das Fort nochmal mit Betonverstärkungen ertüchtigt", so Kelemen.

Nachdem das mehrere tausend Quadratmeter große Gelände nicht mehr militärisch genutzt wurde, verkaufte es die Bundesvermögensverwaltung.

"Drei Familien leben heute hier", sagt Ruth Pattay. "Bei Umbauten haben wir immer mal wieder Stücke aus der Militärzeit gefunden. Darunter eine Kiste mit Handgranaten." Am Sonntag will sie über die Historie der Gemäuer berichten und hofft auf Besucher, die weitere Geschichten rund ums Fort I besteuern können.

(RP)
Mehr von RP ONLINE