Wesel: Binnenschiffe verursachen hohe Emissionen in Wesel

Wesel : Binnenschiffe verursachen hohe Emissionen in Wesel

Der Anteil am Gesamtverkehr beträgt 84 Prozent.

Wenn es raus in die Natur geht, dann führt der Weg in Wesel oft an den Rhein - an die frische Luft, wie es so schön heißt. Doch so frisch, wie man annehmen könnte, ist die Luft hier gar nicht. Im Gegenteil. Und so beklagte die SPD-Fraktion vor knapp einem halben Jahr die Luftbelastung durch die Rheinschifffahrt. Ziel der Aktion: Zusammen mit mehreren Rheinanliegerkommunen soll eine gemeinsame Initiative in Berlin gestartet werden, damit die Binnenschifffahrt - mit Hilfe von Fördermitteln - umgerüstet werden kann.

Denn nicht nur Dieselautos verpesten überproportional stark die Luft, auch die in der Regel mit Diesel betriebenen Binnenschiffe sind keine Saubermänner. Zwar passieren Wesel nicht täglich 600 Schiffe, wie die SPD kundtat, sondern etwa die Hälfte, so das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen. Dabei liegt der Anteil der deutschen Binnenschiffe lediglich bei 25 Prozent, der Rest fährt unter nicht-deutscher Flagge vorbei.

Der Anteil der gasförmigen Oxide des Stickstoffs in der Luft (kurz NOx-Schiffsemissionen genannt) ist mit 84 Prozent an den Gesamtverkehrsemissionen in der Stadt an Rhein und Lippe überdurchschnittlich hoch. Zwar dürfen nach der Binnenschiffs-Abgasemissionsverordnung seit 2005 nur noch Schiffsmotoren eingebaut werden, die eine Typengenehmigung haben, aus der die Einhaltung der Grenzwerte hervorgeht. Doch das Durchschnittsalter der deutschen Schiffsmotoren beträgt 25 Jahre, bei niederländischen Schiffen sind es 19 Jahre. Das ist der Grund dafür, dass 60 Prozent der hier verkehrenden Schiffe noch keine Typengenehmigung haben.

Vor drei Jahren wurden von der Bundesanstalt für Gewässerkunde vier Flussabschnitte untersucht, darunter auch der Niederrhein bei Wesel. Das Ergebnis: Durch die Schifffahrt verursachte Schadstoffe in der Luft sind in etwa einem Kilometer Breite auf jeder Seite des Flusses zu verzeichnen. Mit stark wachsender Entfernung zum Strom nimmt die Belastung ab, sie liegt 1000 Meter weit weg bei nahezu null.

Technische Möglichkeiten, die Emissionswerte zu senken, gibt es viele. Doch sie sind auch eine Kostenfrage, was die Partikuliere auf die Palme bringt. Dabei ist mit weiter zunehmenden Transporten auf dem Rhein zu rechnen. Die Landesregierung prüfe Fördermöglichkeiten für Landstrominfrastruktur und hätte gern ein Grünes Label mit Vorteilen für emissionsarme Binnenschiffe. In Wesel wurden 2012 insgesamt 1284 Tonnen durch Binnenschiffe verursachte NOx-Emissionen gemessen, zudem 28 Tonnen PM10 (Feinstaub). Der Gesamtverkehr in Wesel verursache 1531 NOx- und 57 Tonnen PM10-Emissionen.

Mit dem Thema befasst sich auch der Ausschuss für Stadtentwicklung, der am Mittwoch, 18. April, 16.30 Uhr, im Ratssaal tagt. Die Antworten auf den SPD-Antrag von Dezember 2017 werden von den Mitgliedern allerdings nur zur Kenntnis genommen.

(P.H.)