Wesel: Bezirksregierung empfiehlt zweite Gesamtschule

Wesel : Bezirksregierung empfiehlt zweite Gesamtschule

Experten in Düsseldorf raten dazu, für die 23 abgelehnten Viertklässler an der Lauerhaas-Schule eine Überhangklasse zu bilden.

In der Sitzung des Schulausschusses am Donnerstag, 17. Mai, 16.30 Uhr im Ratssaal, gibt es für die Politik einigen Diskussionsstoff: Denn es gilt, über die Zukunft der Schullandschaft zu beraten und möglicherweise Vorentscheidungen zu treffen. Die Bezirksregierung in Düsseldorf hat sich mit der Situation an den weiterführenden Schulen beschäftigt und Empfehlungen ausgesprochen: Eine davon ist die Bildung einer Überhangklasse an der achtzügigen Gesamtschule Am Lauerhaas für das nächste Schuljahr. Dies hat die Verwaltung bereits in einen Beschlussvorschlag gegossen. Für die 23 Viertklässler mit Hauptschulempfehlung, die von der Gesamtschule eine Absage bekommen haben, ist das eine gute Nachricht. Vorausgesetzt, die Politik stimmt zu, können sie ab dem neuen Schuljahr auf ihre Wunschschule gehen.

Eine weitere Empfehlung beschäftigt sich mit der Entwicklung des Angebots an weiterführenden Schulen - und da muss, wie berichtet, eine Antwort auf steigende Schülerzahlen und fehlende Plätze für Kinder mit Hauptschulempfehlung gefunden werden. Die Bezirksregierung hält hier die Gründung einer zweiten Gesamtschule für die beste Lösung.

In der Vorlage stellt die Stadtverwaltung noch einmal die Anmeldesituation dar: 243 Kinder waren an der Gesamtschule Am Lauerhaas angemeldet worden, 23 mussten abgewiesen werden. Die dreizügige Konrad-Duden-Realschule zählt 89 Neulinge. 29 Anmeldungen kamen später hinzu, hauptsächlich von Familien, die an der Gesamtschule keinen Platz bekommen haben. Nur drei Familien machten von der Möglichkeit Gebrauch, ihre Kinder an der Hamminkelner Gesamtschule am Standort Dingden anzumelden.

Gegen die Möglichkeit, die abgelehnten Kinder an der Realschule zu unterrichten, spricht aus Sicht der Bezirksregierung die nicht begabungsgerechte Beschulung (der "Hauptschulzweig" greift erst ab Klasse sieben), ebenso die Lehrer- und die Raumknappheit an der Realschule.

Von den 29 Kindern, die nachträglich dort angemeldet wurden, hatten nur drei eine Realschulempfehlung, sieben eine eingeschränkte Empfehlung für diese Schulform. An der Gesamtschule könnten die Kinder begabungsgerecht unterrichtet werden, auch die Lehrerzahl sei günstiger. Daher, so schildert die Verwaltung in der Vorlage, hat die Bezirksregierung ihre ursprüngliche Meinung geändert und empfiehlt die Bildung einer neunten Eingangsklasse an der Gesamtschule.

Da die Prognosen in den kommenden Jahren von weiter steigenden Schülerzahlen in der Sekundarstufe I ausgehen, wird der Stadt die Gründung einer weiteren Gesamtschule vorgeschlagen. Laut dieser Berechnung steigt die Zahl der Anmeldungen von insgesamt 553 im Schuljahr 2018/19 auf 597 im Jahr 2022/23. Von der Gründung einer Haupt- oder einer Sekundarschule raten die Fachleute ab, da für beide Schulformen keine Zukunft mehr gesehen wird.

Damit die neue Gesamtschule funktionieren kann, müssen sich Stadt und Politik Gedanken über schulorganisatorische Maßnahmen machen: Vorgeschlagen wird die Begrenzung der Zügigkeiten an der bestehenden Gesamtschule, den beiden Gymnasien und der Realschule - oder gar die Auflösung der verbliebenen Realschule. Für letzteren Vorschlag dürfte es in der Politik wohl keine Mehrheit geben.

Wie geht es nun weiter? Die Politik wird im Schulausschuss am 17. Mai eine Entscheidung zur Überhangklasse treffen - und möglicherweise die Verwaltung mit den ersten Vorbereitungen für die Neugründung einer zweiten Gesamtschule beauftragen. Denn, bevor ein Beschluss gefasst werden kann, muss ein so genannter anlassbezogener Schulentwicklungsplan erstellt werden. Darin geht es um Schülerzahlprognosen, Raumfragen und auch den Standort für die mögliche neue Schule. Hier hatte sich die SPD schon auf die Stadtmitte festgelegt.

Sollte die Politik mehrheitlich für eine zweite Gesamtschule sein, muss der Beschluss spätestens nach der Sommerpause gefällt werden - denn bis Dezember muss der Antrag bei der Bezirksregierung vorliegen. Ein ehrgeiziger Plan, denn auch ein Konzept für die neue Schule gibt es natürlich noch nicht.

Die SPD hat sich bekanntlich für eine schnelle Umsetzung ausgesprochen. CDU und Grüne forderten noch weiteren Zahlen und Informationen vor der Entscheidung.

(rme)
Mehr von RP ONLINE