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Hamminkeln/Wesel: Betuwe-Linie: Bahn gegen Halbtrog in Mehrhoog

Hamminkeln/Wesel : Betuwe-Linie: Bahn gegen Halbtrog in Mehrhoog

Im Hamminkelner Rathaus sprach die Bahn zu Trog-Plänen. Betuwe-Kritiker und Politik fordern Nachbesserungen.

Die Deutsche Bahn hat im Hamminkelner Planungsausschuss gestern Argumente vorgebracht, weshalb aus ihrer Sicht ein Bau des Betuwe-Gleises in Halbtroglage in Mehrhoog nur schwer zu realisieren sei: Stefan Ventzke, Betuwe-Bahnprojektleiter, führte aus, dass es Probleme mit dem Grundwasser geben könne, dass eine Halbtroglage vorhandene Kanäle tangiere und am Ende Aufwand und Ertrag in keinem Verhältnis stünden. Mit Visualisierungen versuchte er darzulegen, dass durch eine Halbtroglage mehrere Brückenbauwerke nötig wären, die wiederum das Ortsbild wesentlich mehr störten als eine Lärmschutzwand.

Blickrichtung Wesel: Links die Bahnvariante, rechts die Halbtrogvariante. Foto: Sebastian Peters

Hintergrund: Ein drittes Gleis soll im Zuge der Betuwe-Güterzuglinie von Oberhausen bis Emmerich entstehen. Seit einem Vierteljahrhundert wird diskutiert, aber gebaut wird am nördlichen Niederrhein immer noch nicht. In Mehrhoog wurde erst eine komplette Troglage diskutiert, die Politik einigte sich auf eine Halbtroglage.

Blickrichtung Bahnhofstraße, rechts liegt hier Pollmann. Die Fußgängerbrücke beginnt früh. Foto: Bahn

Die Bahn modifizierte die bisher bekannte Planung nur leicht. Verschiedene Argumente führte Bahnmitarbeiter Ventzke dafür gestern ins Feld: Entgegen des sogenannten Moik-Gutachtens mit einer Trog-Unterkante von 3,50 Metern, auf dessen Basis die Hamminkelner Politik ihre Forderungen stellte, würde die Trogunterkante nach Berechnung der Bahn bei 4,30 Metern liegen. Der Hauptmischwasserkanal an der Bahnhofsstraße müsste dann verlegt werden. Bei Boland müsse ein privatrechtlicher Bahnübergang geändert werden. Die Lärmschutzwand würde in Halbtroglage nur unwesentlich niedriger, versuchte der Bahnprojektleiter darzustellen. Zum Grundwasseraspekt sagte Ventzke: "Der Aspekt ist kompliziert, aber lösbar." Hoffnung machte er auf transparante Lärmschutzwände - die könnten aber weniger Lärm abhalten. Statt Rampe zum Mittelbahnsteig wäre auch ein Aufzug eine Idee.

Foto: Sebastian Peters

Die Politik reagierte verärgert. Johannes Flaswinkel (Grüne) etwa sagte: "Wir sind mit Ihrem Vorschlag Anlieger dritter Klasse. Wir lassen uns nicht erpressen, Sie machen eine Idee kaputt." Wilfried Fenske (SPD) wiederum kritisierte, dass die Bahn erst zu spät informiert habe. Lediglich Dieter Wigger (CDU), Ausschussvorsitzender, verteidigte den Vortrag der Bahn. Bürgermeister Bernd Romanski (SPD) nahm zur Kenntnis, dass die Politik mit den Plänen nicht einverstanden war. Zu begrüßen sei aber, dass die Bahn gekommen sei.

Foto: Jana Bauch:

Unterdessen hat Gert Bork, Sprecher der Initiative "Betuwe - so nicht" gestern Kritik an NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) geübt. Mehrfach habe er ebenso wie einige Bürgermeister um einen Gesprächstermin in Sachen Betuwe gebeten. Wüst sehe für ein Gespräch aber keinen Bedarf. Stattdessen hatte der Minister zuletzt auf eine zügige Umsetzung des Baus der Betuwe-Linie gedrängt. Gerichtliche Verfahren könnten verkürzt werden, man könne nicht auf den großen "regionalen Konsens" warten, hatte er in einem Interview gesagt. Bork betont: "Wenn im Planfeststellungsbeschluss auf unsere Forderungen nicht eingegangen wird, werden wir klagen." Seit 26 Jahren kämpft er mit seiner Initiative für Schutz der Anlieger an der Betuwe-Linie. Er sagt: "Wir wollen das Gleis nicht verhindern, wir wollen die Bahn aber zwingen, ihre Hausaufgaben zu machen." 1,8 Milliarden Euro soll der Ausbau zwischen Oberhausen und Emmerich nach alter Bahn-Planung kosten. Bei Umsetzung besseren Lärmschutzes würden die Kosten um rund 200 Millionen Euro steigen, sagt Bork. "Das Geld dafür ist da, die Politik müsste aber entsprechende Beschlüsse fällen." Enttäuscht sei er in dem Kontext auch von der Landtagsabgeordneten Charlotte Quik (CDU) aus Brünen. Mit ihrer Wahl habe er die Hoffnung verbunden, dass die Interessen der Region in Düsseldorf mehr in den Fokus geraten. Obwohl Quik gute Verbindungen zu Hendrik Wüst hat, weil sie dessen Mitarbeiterin war, habe sie bisher kein Gespräch mit dem Minister vermitteln können. "Sie hat argumentiert, dass man zuerst auf den Planfeststellungsbeschluss warten müsse."

(RP)