Wesel: Betuwe bringt Blumenkamper auf Straße

Wesel : Betuwe bringt Blumenkamper auf Straße

Der Ärger über die Ausbaupläne der Bahn wächst. Am Sonntag veranstaltet die Blumenkamper Vielfalt eine Fackelwanderung. Kinder sammeln Unterschriften für ein bedrohtes Spielgelände. Initiativen fordern Zug-Daten.

Spektakuläre Protestaktionen wegen des Ausbaus der Bahnstrecke waren bislang rar. Nun aber bringen die Pläne der Bahn AG die Menschen auf die Straße. Die Blumenkamper Vielfalt veranstaltet im Ortsteil am Sonntag, 15. Dezember, eine Fackelwanderung. Der Zusammenschluss der Gewerbetreibenden und Unternehmen ruft zu reger Teilnahme an der Aktion auf. Treffpunkt ist um 17 Uhr der Parkplatz am Lokal Haus Blumenkamp. Ziel des Gangs (Start 17.30 Uhr) ist das Gebiet Hessenweg / Hamminkelner Landstraße, wo es zu einer Kundgebung mit symbolischer Nachstellung der fehlenden Lärmschutzwand durch rund 100 Fackelträger auf dem Hessenweg kommt.

"Gemeinsam für effektiveren Lärmschutz und maximale Streckensicherheit ist das Thema der Veranstaltung", erklärte gestern Christian Herbers, Sprecher der Blumenkamper Vielfalt. "Wir hoffen, dass viele Bürger sich solidarisch zeigen und der Einladung folgen werden. Letztlich soll diese Veranstaltung noch mal motivieren, die Einwendung gegen den Ausbau der Strecke bis zum 17. Dezember im Rathaus abzugeben." Als Redner auf der Kundgebung, so Herbers weiter, wolle Bürgermeisterin Westkamp einen Stellvertreter entsenden. Auch Blumenkamper Kindern bereiten die Ausbau-Pläne Sorgen.

Sie fürchten um ein traditionelles Spielgebiet am Pelikanweg, das dem dritten Gleis offenbar geopfert werden soll. Für Ben Baumeister (9) war dies Grund genug, an der Blumenkamper Grundschule Unterschriften zu sammeln, die er bei der Stadt Wesel, aber auch bei der Bezirksregierung einreichen will. Sein Vater Falk Baumeister erzählt: "Generationen von Blumenkamper Kindern haben dort gespielt und gerodelt. Als ich meinem Sohn von den Plänen erzählt habe, flossen sofort die Tränen." Nach seinen Informationen soll es für das Wäldchen, das 5000 Quadratmeter groß ist, keinen gleichwertigen Ersatz geben. "Es wäre sehr schade, denn das ist eine der wenigen Stellen, zu denen man Kinder problemlos schicken kann", so Baumeister.

Uwe Rosner von der Stadt Wesel bestätigte zwar, dass für das neue Gleis an dieser Stelle kräftig gebaggert würde. "Doch der Wall wird nicht komplett weichen. Eine Neubepflanzung ist ebenfalls geplant", sagt er. Dass dieses Spielgebiet dann nicht mehr so aussieht wie vorher, musste Rosner allerdings auch zugeben. "Doch es gibt aus bautechnischer Sicht keine Alternative. Und der Lärmschutz wird an dieser Stelle sogar verbessert. Denn die Wand ist höher als die jetzige Böschungskanten und hält ohnehin mehr Lärm ab als die jetzige Bepflanzung."

Aktiv bleiben auch die bekannten Streiter für bestmöglichen Lärmschutz und optimale Sicherheit. Gert Bork (Wesel), Heinz Markert (Voerde) und Manfred Flore (Oberhausen) wandten sich als Sprecher des Verbandes der Bürgerinitiativen entlang der Betuwe-Linie gestern an Bahnchef Rüdiger Grube mit der Forderung nach Zug-Daten. Sie berufen sich auf einen Rechtsanspruch nach dem Umwelt-Informationsgesetz, den der Präsident des Eisenbahn-Bundesamtes bestätigt hat. Im Detail geht es um die tägliche Zahl von Güterzügen, tags und nachts; um die Länge dieser Züge und die den Anteil der Waggons mit Graugussbremsen; um die Gefahrgutklassifizierung dieser Züge, geeignet für eine Risiko-Abschätzung. Hilfreich, so die BI-Sprecher, seien auch Informationen zum Erschütterungs- und Lärmpotenzial sowie eine Präzisierung der "öffentlich versprochenen höchsten internationalen Sicherheitsstandards".

(RP)