Beim Tauchen in Hünxe entdeckt

Funde aus der Steinzeit: Hünxer finden Bisonschädel in Lippe

Spektakulärer Fund im Niedrigwasser: Zwei junge Männer haben beim Schwimmen Knochen von Bison, Mammut sowie einen Faustkeil gefunden.

Eigentlich war es nur ein sommerlicher Schwimmausflug, doch was die beiden Freunde Florian Schmidt (20) und sein Freund Jordi Mertens (23) entdeckt haben, das ist jetzt ein Fall für das Museum. Zwei Schädel vom Steppen-Bison-Schädel, ein Schädel eines sehr seltenen Rothundes, des Wollnashorns sowie Mammutknochen und Zähne und sogar einen Faustkeil. Insbesondere letzterer hat für die Fachwelt eine ganz besondere Bedeutung. Über 100 Fundstücke haben die beiden in den vergangenen Wochen insgesamt gemacht – zwischen 70.000 und 110.000 Jahre sind die Exponate wohl alt. Am Essener Ruhrmuseum kümmern sich nun Experten um die Funde. Am Donnerstag besuchten Experten der Bodendenkmalpflege des Landschaftsverbands Rheinland mit den jungen Männern den Fundort. Wo das ist, bleibt geheim, damit Neugierige nicht angelockt werden.

Bei den beiden jungen Männern ist das archäologische Fieber entdeckt. Die Knochen befanden sich in der Erde. Dass sie freigelegt wurden, hängt wohl mit zwei Wetterphänomen zusammen. Vor zwei Jahren gab es ein außergewöhnliches Hochwasser. In diesem Jahr wiederum große Trockenheit. „Sie sind dann wohl aus dem Erdreich herausgebrochen“, sagt Schmidt. Nach dem ersten Fund eines Schädels schnorchelte er mit seinem Freund in den Wochen danach immer wieder in der Lippe bei Hünxe. Er wurde immer weiter fündig. Einige Tage lagerten die Knochen im Garten. Dann wandten sich die Freunde an Experten der Museen, Xanten, Neanderthal, Münster und das Ruhrmuseum Essen. Theoretisch hätte man viel Geld mit den Funden erzielen können, sagt Schmidt. „Für manche Exponate werden mehrere tausend Euro geboten.“ Theoretisch hätte man die Funde sogar behalten können, sagt er. „Wir wollten aber, dass die Funde zusammen erst einmal von Experten aufgearbeitet werden.“ Ob er sie zurückerhält, ist offen. „Wir sind aber auf jeden Fall die Eigentümer.“ Schon früher interessierte sich Florian Schmidt für Archäologie, suchte mit Metalldetektoren nach Münzen auf Feldern. In dieser Dimension ist sein Fund aber einzigartig.

Dies ist der Kopf des Steppenbisons, das die Männer fanden. Foto: Florian Schmidt

Spannendes über die Tiere, die vor abertausend Jahren den Niederrhein bewohnten, haben Florian Schmidt und Godi Mertens gelernt. Das Steppenbison (Bos priscus) etwa, eine ausgestorbene Art der Bisons, ist Vorfahre des europäischen Wisents. Vor 11.700 Jahren verschwand das Tier. Das Verschwinden hat der Mensch durch Jagden wohl mitbedingt. „Es ist schon etwas Besonderes, wenn man dann gleich zwei Schädel eines solchen Tieres entdeckt“, sagt Florian Schmidt.

Ein Schädel eines Rothundes – wohl eine Rarität. Foto: Florian Schmidt

Wie so viele Knochen verschiedener Tiere sowie Handwerkszeug für Menschen an diesen Ort gelangt ist, das ist noch nicht endgültig geklärt. Zunächst war eine Vermutung, dass die Tiere auf einer Insel zwischen zwei Lippearmen eingeschlossen waren und dort verendeten, sagt Schmidt. Das aber würde noch keine Erklärung dafür liefern, warum auch ein Faustkeil dort gefunden wurde. Letztlich hätten Archäologen die Einschätzung, dass dort auch Menschen gelebt haben.

Der wenige Zentimeter große Faustkeil, der in der Lippe entdeckt wurde. Foto: Florian Schmidt