Beim Heimspiel: Dieter Nuhr aus Wesel stichelt gegen Hamminkeln

Heimspiel für Kabarettist aus Wesel : Dieter Nuhr stichelt gegen Hamminkeln

Ein Auftritt mit viel Lokalkolorit: Kabarettist Dieter Nuhr trat in Wesel auf – und lieferte einige verbale Spitzen gegen die Nachbarstadt.

Ist das nun ein gutes oder schlechtes Zeichen? Den meisten Applaus bekommt Dieter Nuhr beim Heimspiel in Wesel für die ganz platten Witze. Es geht da um Urologen und Erektionen. Mit Zoten, mit denen Comedy-Kollege Markus Krebs sein Programm startet, beendet Nuhr den Abend. Der ist selbst ganz erschrocken, dass er für Gags, die er sich einfach aus dem Internet gezogen hat, mehr Begeisterung erntet als für seine selbst geschriebenen Texte. Das wirft die bange Frage auf: Würde noch mehr Markus Krebs im Programm für noch mehr Lacher beim Nuhr-Publikum sorgen?

Doch so weit ist es noch lange nicht, auch wenn sich Nuhr und Krebs räumlich inzwischen ziemlich nahe gekommen sind. Nuhr stammt aus Wesel und Krebs soll sich ja in Hamminkeln  niedergelassen haben, wie er gerne bei Auftritten erzählt. Doch von Hamminkeln scheint der Weseler Nuhr keine große Meinung zu haben. Immer wieder gibt es einen mehr oder weniger deutlichen Seitenhieb auf die Nachbarstadt. Hier sollen die Frauen Bart tragen, erzählt er und der Ort sei auch der beste Beweis für den allgemeinen Fortschritt: „Früher hatten wir ein Klo im Treppenhaus, heute gibt es sogar Internet in Hamminkeln“, erzählt Nuhr.

Nach Wesel zu kommen, sei dagegen immer schön, bedankt er sich bereits zu Beginn des rund zweieinhalbstündigen Abends in der vollbesetzten Niederrheinhalle. Dann wisse er auch immer, dass Weihnachten ist. Ob denn der Weihnachtsmarkt am Dom schön gewesen sei, will er vom Publikum wissen. Ein eher zögerliches „Och“ hallt durch den großen Saal. „Das klingt nach sehr patriotischer Begeisterung“, kommentiert Nuhr trocken.

Ohnehin sorgt der Weselfaktor dafür, dass der Abend auch für alle die unterhaltsam wird, die das Programm des Kabarettisten bereits  runterbeten können. Wenn Nuhr als Beweis dafür, dass es uns heute besser geht, beispielsweise anführt, dass der Rhein in Wesel früher nach „Scheiße und Chemie“ gestunken habe, obwohl man ihn gar nicht sehen könne, weil eine Betonfabrik den Blick verbaue. Und in der Brückstraße hätten sie früher als Kinder die Teppichstangen als Turnstangen benutzt. Wenn ein Kind runtergefallen sei, seien die Eltern mit den Worten ins Haus gegangen: Dann machen wir eben ein neues. Teilweise bitterböse Betrachtungen, mit denen Nuhr vor allem den allgemeinen Trend geißelt, ständig zu kritisieren und rumzujammern, die Vergangenheit zu glorifizieren und die Kinder nicht mehr zum Spielen nach draußen zu lassen.

Es muss nicht jedem gefallen wenn Nuhr über Genderübergenauigkeit spottet oder vorrechnet, dass eine Adventskerze viermal so viel Stickoxid produziert als der Grenzwert für Dieselfahrverbote vorsieht. Aber wenn er doziert, man solle nicht so viel Wind um den Hambacher Forst machen, schließlich wachse eine Fläche Wald dieser Größe in einer Woche nach, dann möchte man zuhause gleich mal nachschauen, ob an dieser Rechnung nicht doch was Wahres dran ist. In diesen Momenten hat Nuhr inzwischen viel von Volker Pispers. Und dann wird klar, dass doch noch Welten zwischen Nuhr und Markus Krebs liegen. Ob das gut oder schlecht ist, mag jeder selbst entscheiden.

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