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Hamminkeln: Begegnung mit indischem Yoga-Meister

Hamminkeln : Begegnung mit indischem Yoga-Meister

Yoga-Meister Swami Isa hat in der Akademie Klausenhof in Dingden ein Seminar gegeben. RP-Mitarbeiterin Leonie Hohmann hat den Meister getroffen.

In weiße Tücher gehüllt und mit weißen Flipflops an den Füßen - so tritt Yoga-Meister Swami Isa in die herbstlich kühle Morgenluft im kleinen Park der Akademie Klausenhof. Lächelnd und offen für alles, was kommt, stehe ich da, warte ganz gespannt auf die Begegnung mit diesem Mann aus einer mir fremden Welt. "Bloß nicht die Hand geben", sagt Ayurveda-Kennerin Elisabeth Tockloth schnell, die den von ihr verehrten indischen Yoga-Meister nach Dingden eingeladen hatte. Dort gab er Seminare zu seiner Meditationstechnik "Leben im reinen Bewusstsein" (RP berichtete).

Gerade noch gut gegangen. Ich hatte schließlich schon zum kräftigen Händedruck ausgeholt. Stattdessen drückt man die Handflächen aneinander, verneigt sich leicht und sagt "Namaste", erklärt mir die Bocholterin Elisabeth Tockloth. Unter Hindus sei das eine Grußformel, die Ehrerbietung für einen anderen Menschen ausdrückt.

Nachdem die erste kulturelle Schwelle gemeistert ist, gehen wir runter ans Wasser mit einer Gruppe aus Begleitern und Begeisterten - darunter eine Frau, die noch einmal gekommen ist, "um positive Schwingungen" in der Nähe seiner Heiligkeit zu empfangen.

Nachdem der Yogameister geduldig für die Kamera posiert hat, formuliere ich im feinsten, eingeübten Oxford-Englisch meine erste Frage. Auf die erhalte ich eine gut zehnminütige Antwort in einer Sprache, die ich erst nach einigen Sätzen und hochkonzentriertem Zuhören als Englisch identifiziere. Mit der indischen Wortmelodie- und färbung, geht es mir wohl wie einem Ostfriesen, der zum ersten Mal den bayerischen Dialekt hört.

Auch inhaltlich stehe ich vor einer großen Herausforderung. Auf die Frage, ob seine Meditationstechnik zu körperlicher oder seelischer Gesundheit führe, antwortet Swami Isa: "All is one " - alles ist eins. Das zu glauben, fällt mir schwer. Denn wenn das der Fall ist, warum gibt mir meine Sprache dann die Möglichkeit, Körper und Geist voneinander zu unterscheiden? Doch wahrscheinlich ist diese Kopflastigkeit genau mein Problem.

Vor mir steht ein zierlicher Mann, der sich mit 4000 Jahre alten Schriften auskennt, die mir vollkommen fremd sind. Von den sogenannten Veden - den ältesten Schriften zur höchsten Erkenntnis - weiß ich nur aus dem Gespräch mit Elisabeth Tockloth, die mir glücklicherweise schon im Vorfeld sehr geduldig die "Vedischen Wissenschaften für Anfänger" und ihre Bedeutung für ein gesundes Leben erklärt hat. So bin ich zumindest nicht ganz geplättet, als Swami Isa mir erzählt, dass nur das reine Bewusstsein zu gesunder Energie und "Happiness" führt. Mit der Übersetzung Glücksgefühl kann man dem Begriff nicht gerecht werden, glaube ich. Dem fehlt die spirituelle Komponente.

Und während es in meinem Kopf rattert und die Gedanken kreisen, nicke ich möglichst glaubwürdig, als der indische Weise mit unantastbarer Überzeugung sagt, dass schon der bloße Gedanke unglücklich mache. "Nur wer sich dauerhaft im reinen Bewusstsein befindet und deswegen nicht denkt, ist glücklich", lehrt der Yogameister. "Die Gedanken sind frei", denke ich ein wenig rebellisch, behalte es aber für mich. Freundlich versucht der Meister, meine Fragen zu beantworten, und jedes Mal erreicht mich ein Wortschwall, der neue Fragen aufwirft, die er wiederum geduldig beantwortet. In seinen Seminaren im Klausenhof sei alles sehr einfach gewesen. "Die Kursteilnehmer haben sehr gut gelernt und waren bereit, sich fallenzulassen", sagt er gütig lächelnd, vielleicht mit Blick auf mich, mit Fragezeichen in den Augen vor ihm stehe. Aber er merkt ja hoffentlich, dass ich ein ehrliches Interesse an ihm und seinen Worten habe. Für mich eine einzigartige, höchst ungewöhnliche Begegnung mit einer ganz anderen Kultur. Für ihn ist so eine Begegnung wahrscheinlich nicht neu.

Erleichtert, dass ich in kein Fettnäpfchen getreten bin, höre ich nicht so genau auf sein Murmeln neben mir, als mir Swami Isa plötzlich seine Faust hinhält. Was nun? Ist das ein Yogazeichen, das ich zum Abschied erwidern muss? Ich bin kurz davor - wie bei westlichen Jugendlichen als lässiger Gruß üblich -, meine Faust gegen seine zu drücken. Aber Retterin Elisabeth Tockloth sagt, ich soll nur meine Handfläche hinhalten.

In meine offene Hand lässt der Yogameister ein kleines Geschenk fallen - einen silbernen Ring mit einem großen gelben Stein. Und bevor ich mich richtig bedankt habe, verschwindet er wie ein Geist über den Waldweg. Er ist schnell, aber man sieht keine großen Bewegungen. Wie er das wohl macht? Ob es daran liegt, dass er so leicht ist. Er isst nie, nimmt keine Nahrung durch den Mund auf, sondern zehrt allein von seiner spirituellen Energie. Ich kann's nicht glauben. Aber Fragen dazu hebe ich mir lieber für den nächsten Besuch auf. Ich möchte mich noch herzlich bei Elisabeth Tockloth bedanken, die mich zu dieser Begegnung eingeladen hat und mich, ganz Kind des Niederrheins, mit ihren Hinweisen zu den Regeln der Hindus vor größeren Peinlichkeiten bewahrt hat.

(RP)