Weseler Wohnungsriese: Bauverein-Querele schwelte schon länger

Weseler Wohnungsriese: Bauverein-Querele schwelte schon länger

Beim städtischen Wohnungsriesen gibt es keine Ruhe: Kritiker sehen Hovest (SPD) als den Getriebenen der eigenen Entscheidungen.

Die jüngsten Entscheidungen des Aufsichtsrates sollten die Bauverein Wesel AG wieder in ruhigeres Fahrwasser bringen. Aber das Gegenteil ist der Fall. Der Konflikt zwischen dem geschäftsführenden Vorstand und bestimmenden Akteuren des Kontrollgremiums schwelte offenbar nicht nur deutlich länger, als es bisher bekannt war.

Gute Miene zum Jubiläum: Westkamp (l.) und Leuchtmann 2008 beim 100-Jährigen des Bauvereins Foto: Malz

Er bekommt durch die Entwicklungen aus der vergangenen Woche sogar neues Futter. Der Beschluss, der nach den gescheiterten Vertragsverhandlungen Ende Juli ausscheidenden Anett Leuchtmann mit sofortiger Wirkung Stadtwerkechef Franz Michelbrink als nebenamtlichen Vorstand zur Seite zu stellen, bringt Kritiker auf den Plan. Im Visier haben sie Ludger Hovest, SPD-Fraktionsvorsitzender und Mitglied des Aufsichtsrates, der zu hohe Forderungen Leuchtmanns für die Trennung verantwortlich gemacht hatte. Wie die Rheinische Post erfuhr, soll hinter vorgehaltener Hand allerdings schon sehr viel länger darüber gesprochen werden, dass die Chemie zwischen Hovest, der Bürgermeisterin und Aufsichtsratsvorsitzenden Ulrike Westkamp und Leuchtmann nicht mehr stimmt.

Im Visier der Kritiker: SPD-Fraktionschef Ludger Hovest Foto: Bauch

Insidern zufolge wurde das Zerwürfnis spätestens im Zusammenhang mit Vorwürfen über eine angeblich unberechtigte Wohnungsvergabe im September erkennbar. Seinerzeit hatte Thomas Moll von der Fraktion Wir für Wesel (WfW) ein anonymes Schreiben veröffentlicht, in dem der Geschäftsführerin entsprechende Vorhaltungen gemacht wurden. Der bis dato unbekannt geblieben Verfasser teilte darin mit, dass der Bauverein dem CDU-Ratsherrn und Bauvereins-Aufsichtsrat Volker Haubitz eine Wohnung vermietet habe, obwohl viele Weseler Bürger noch auf einer Warteliste für eine Wohnung stünden. Die daraufhin erstattete Anzeige gegen unbekannt wegen Verleumdung und übler Nachrede ist bislang allerdings ergebnislos geblieben.

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Für Beobachter ist überdies nicht nachvollziehbar, warum sich der SPD-Chef jetzt mit lautem Getöse über das Gehalt von Frau Leuchtmann beschwert. Hovest, der sich sonst gerne als großer Macher darstelle, sei nach ihrer Einschätzung hier vielmehr Getriebener der SPD-Personalentscheidungen - und somit seiner eigenen Strategie. Auch habe er selbst doch die Gehälter bei allen Vorständen der städtischen Töchter (Bauverein, Stadtwerke, ASG und Sparkasse) mitzuverantworten. Niemand sitze schon so lange an den Verhandlungstischen wie er.

Auch Franz Michelbrink, so wird berichtet, erhalte als Stadtwerkegeschäftsführer ein Gehalt in gleicher Höhe wie Anett Leuchtmann beim Bauverein. Dies ausdrücklich mit Billigung von Hovest, der ihn übrigens vor Jahren vom ASG verjagt und nun, so bestätigen informierte Kreise, mit einer monatlichen Aufwandsentschädigung von gut 2000 Euro zusätzlich zum Bauverein gelockt habe.

Die CDU soll sich dem Vernehmen nach bei der Personalentscheidung enthalten haben. Sie soll es nicht als ihre Aufgabe angesehen haben, Personalprobleme der SPD ad hoc zu lösen. Zu viele Fragen sollen aus ihrer Sicht nicht geklärt sein. So sei es ja, auch nach Aussage von Michelbrink, nicht klar wie und wann er die Tätigkeit beim Bauverein neben seiner Arbeit als Geschäftsführe bei den Stadtwerken, ausüben könne. Zudem seien nach Auffassung der CDU, so die Aussage von Beobachtern, bei der Bauverein Wesel AG gute und erfahrene Mitarbeiter vorhanden, die den Job ebenfalls übernehmen könnten. Dies hätten sie in vielen Jahren Urlaubsvertretung von Anett Leuchtmann bewiesen.

(fws)