Wesel: Baustelle Verkehrspolitik

Wesel : Baustelle Verkehrspolitik

Wesels Fachausschuss bringt Änderungen auf den Weg. Nichts Neues gibt es vom Kreis zum Parkdeck, der Kostenvergleich kommt erst in Monaten. Ernüchternd: Tempo 70 auf Emmericher Straße bleibt.

Gern hätten die Verkehrspolitiker gestern im städtischen Fachausschuss aus erster Hand erfahren, wie der Kreis mit seinem maroden Parkdeck an der Reeser Landstraße umgehen will. Doch die Verwaltung der Mittelbehörde stellt sich verständlicherweise erst dem eigenen Gremium im Kreishaus, bevor sie Vertreter ins Rathaus schickt. Immerhin ist der Vorlage für die Kreispolitik zu entnehmen, dass ein Kostenvergleich der Varianten zur Lösung des Falls frühestens in neun Monaten zu erwarten ist. Gleichwohl bleibt die Situation rund ums Kreishaus Thema für die Standortkommune Wesel. Dabei gehen die Ansichten durchaus auseinander.

Foto: Bernd Wüstneck

Frank Schulten (CDU) stellte fest, dass mit Ende der Bauarbeiten an der Jülicher Straße der Parkdruck im umgebenden Wohnviertel nachgelassen habe. Dennoch sei die Situation am Kreishaus selbst unattraktiv. Rolf Blommen (SPD) hielt es für nicht nachvollziehbar, weshalb die Parkpalette am Flugplatz Römerwardt nur zu einem Drittel genutzt werde. Die Plätze hatte der Kreis wegen des Ausfalls seiner Anlage als Ausweichlösung mit Beschlag belegt. Blommen empfahl dem Landrat, seine Mitarbeiter anzuweisen, dort zu parken, damit die am Kreishaus verbliebenen Stellplätze Kunden zur Verfügung stehen. 509 Stellplätze gab es am Kreishaus vor der Sperrung des Parkdecks, aktuell sind es einschließlich der angemieteten 507. Der Unterschied dürfte sich also kaum bemerkbar machen. Wobei aber zu berücksichtigen ist, dass laut aktueller Erhebung des Kreises wohl 564 Stellplätze nötig wären. Unabhängig davon gibt es die allgemeine Wahrnehmung, dass in der etwas abseits gelegenen Ausweichpalette Plätze frei bleiben, während es im Wohnquartier östlich der B 8 eng bleibt. Außerdem hatte der städtische Verkehrsausschuss gestern noch genug ureigene Themen auf der Tagesordnung. Hier sind die wichtigsten Ergebnisse: Parkplatzkonzeption Innenstadt Vollkommen neu geregelt wird das Parken in der City. Aus den bisher acht Bewohnerparkzonen werden zwei. Trennlinie ist die Kreuz-/Korbmacherstraße. Die Zonen A, C, E, F und H, die westlich dieser Achse liegen, werden zur Bewohnerparkzone I. In der Zone II werden östlich die bisherigen Gebiete B, D und G zusammengefasst. Die Verwaltung erhofft sich davon einen besseren Ausgleich durch mehr Auswahl und damit weniger Parksuchverkehr. Zugleich werden zum 1. Januar 2019 die Gebühren für einen Bewohnparkausweis von 20 auf 30 Euro im Jahr angehoben. Ritterstraße Hier werden die Stellplätze vor dem Andreas-Vesalius-Gymnasium von Senkrecht- auf Schrägaufstellung verändert. Dadurch können sie um 20 Zentimeter auf 2,50 Meter verbreitert werden. Die Anzahl schrumpft um eine Fläche auf zwölf Plätze. Niederstraße und Rheinstraße/Entenmarkt In den mit Tempo 7 belegten verkehrsberuhigten Bereichen sind laut jüngsten Erhebungen weiter Geschwindigkeitsüberschreitungen festzustellen. Zur Überwachung setzt die Stadt in Kürze ihr neues Messfahrzeug ein. Angemerkt wurde von Blommen, dass solche Bereiche grundsätzlich mit der Zusatzinformation "Schritt fahren" beschildert werden sollten, denn kaum jemand kenne das geltende Limit von sieben km/h wirklich. Dinslakener Landstraße Hier bleibt es bei Tempo 50. Untersuchungen für den vielbefahrenen Abschnitt von der Roonstraße bis zur Kurt-Kräcker-Straße haben ergeben, dass sich eine sehr große Mehrheit der täglich rund 10.000 Verkehrsteilnehmer an die Vorgabe hält. Hintergrund zur Behandlung des Themas waren auch Fragen zur Parksituation am Rand, weil die Stellflächen teils nicht mehr den heute üblichen Fahrzeugbreiten genügen. Laut Verwaltung wären daraus resultierende Probleme nur langfristig durch bauliche oder verkehrsplanerische Lösungen zu beheben. Westfalenweg/Blumenkamper Weg Auf Anregung aus der Bevölkerung wird eine Einbahnstraßenregelung eingerichtet. Sie soll auf dem Westfalenweg ab Hessenweg Richtung Blumenkamp bis zur Einmündung des Blumenkamper Weges an der Unterführung der Emmericher Straße gelten. Zugleich wird für Kfz die Einfahrt vom Hessenweg in den Blumenkamper Weg untersagt. Dorstener Straße Hier wird es keine Einbahnstraßenregelung geben. Die Unfalllage sei unauffällig und die maximale Belastung mit 1,6 Fahrzeugen pro Minute kein Problem für Anwohner beim Ausfahren von ihren Grundstücken erträglich, Nordglacis Der Abschnitt zwischen der Fluthgrafstraße und der Kolpingstraße wird nicht als Fahrradstraße ausgewiesen, was zwei Anwohner gewünscht hatten. Laut Verwaltung sei er zu kurz, zudem gebe es im Glacis und am Herzogenring Parallel-Angebote. Überdies seien das Radeln hier nicht die vorherrschende Verkehrsart und bauliche Vorschriften zu beachten. Diese würden bei einer nötigen Fahrbahnbreite von 4,50 Meter dazu führen, dass auf dem Stück nicht mehr geparkt werden dürfte, was zulasten der Anwohner ginge. Emmericher Straße/Ackerstraße Aus dem allseits gewünschten Tempo 50 auf der Sorgen-Kreuzung am Schulzentrum Nord wird nichts. Laut Dezernent Klaus Schütz will das Land an 70 km/h festhalten.

(fws)