Bauprojekt in Hamminkelns City: Politik lobt Pläne für den Dorfkern

Projekt in der City : Politik lobt Pläne für Hamminkelns Dorfkern

In Hamminkeln sollen zwischen Blumenkamper und Brüner Straße Ladengeschäfte, Parkplätze und eine Pflegeeinrichtung entstehen. Bauherr ITG stellte am Donnerstag sein Vorhaben vor.

Die Referenzliste ist lang. Helmut Berends und Klaus-Dietrich Boldt von ITG (Immobilien Treuhand Gesellschaft) aus Düsseldorf zeigten in der Sondersitzung des Planungsausschusses, was der Bauherr, der ungern Investor genannt werden will, bundesweit an Einzelhandelsobjekten gebaut hat, vielfach in Eigenregie verwaltet und betreibt. ITG hat 70 Objekte von Sonthofen bis Stade realisiert. In Hamminkeln bekannt sein dürften die Shopping-Arkaden Bocholt. In Hamminkeln. Hier will ITG nach entsprechender Standortanalyse einsteigen, erste Entwürfe wurden gezeigt. Von der Politik gab es viel Lob, dass in Ortskernnähe neuer Einzelhandel den Standort aufwerten soll. Einstimmig ging der Auftrag an die Verwaltung, das Vorhaben zu konkretisieren.

Die Kaufkraftanalyse von ITG ergab, dass mehr Kunden am Ort gehalten werden können, aus der Gesamtstadt ein knappes Drittel der Kaufkraft (rund 50 Millionen Euro im Jahr) in benachbarten Orten ausgegeben werden. ITG sieht ihren Handlungsspielraum zwischen Blumenkamper Straße, Hellefisch und Brüner Straße – sozusagen ein Bebauungsriegel hinter dem Rathaus. Beginnend von der alten Schmiede und weiterer Gebäude am Hellefisch und unter Einbezug des alten Pastorats, aber unter teilweisem Ausschluss der alten Obstwiese gibt es erste Planungen, die in ihren Grundzügen dem Endergebnis nahekommen dürften. Mehrere Entwürfe wurden gezeigt, sie ähneln sich in den Grundzügen. Von der Blumenkamer Straße her am Hellefisch entlang sollen Getränkemarkt, weitere Fachmärkte und ein Lebensmitteldiscounter – der Name Lidl fällt häufig – gebaut werden. Edeka soll nach dem Willen der Stadt nicht kommen, um den sich neu aufstellenden Rewe-Markt nebenan nicht zu gefährden. Bürgermeister Bernd Romanski sagte, man wolle keine Leerstände an anderer Stelle „generieren“. Ob und wie das künftige Sortiment Rewe und den an der Raiffeisenstraße kommenden dm-Markt ergänzt, ist unklar. „Das Objekt wird den Einzelhandel im Ort beflügeln“, glaubt Befürworter Wilhelm Kloppert (CDU).

Zwischen Handel und Rathaus sind in Plänen bis zu 151 Stellplätze eingezeichnet. Zwei Zufahrten zu den Läden sind von der Brüner und von der Blumenkamper Straße aus geplant. Die Zufahrt Brüner Straße nannte Romanski ein Muss. Wie ein Querriegel von Hellefisch bis Brüner Straße und an der Obstwiese soll eine Altenpflegeeinrichtung gebaut werden. In den Plänen sah es so aus, als würde ein Teil der Streuobstwiese doch überbaut. Auf die Forderung, Wohnungsbau statt Alteneinrichtung zu planen, bezeichnete sich ITG als offen.

Schwierigkeiten zu lösen gehören zum Projektgeschäft. So gibt es Bodendenkmäler zu bedenken, etwa ein alter Ringgraben und die Grabenanlage Haus Hingendahl. Der Zugriff auf Grundstücke sei nach Gesprächen mit den Eigentümerfamilien Oertmann und Kamps auf gutem Weg, so Berends. Die Situation mit dem dritten Eigentümer, der Evangelischen Kirchengemeinde, ist unklar. Sie verlangt einen Ersatzbau für Pfarrerhaus und -amt, und zwar ortskernnah und mitten im Gemeindeleben. Das Kirchen-Grundstück soll für die Zufahrt Brüner Straße genutzt werden. Wird man nicht einig, könnte diese verlegt werden. Was das für die Planung heißt, wurde nicht gesagt. Heftige Kritik äußerte Norbert Terfurth (Grüne). Er sei „fassungslos“, angesichts der präsentierten Zweckarchitektur. Zum Dorf passende Optik wird deshalb Thema werden.

Die Zeit zu handeln ist für die Stadt gekommen. Bisher liegt eine Veränderungssperre auf dem Plangebiet, die unliebsame Entwicklungen planungsrechtlich verhindert. Sie läuft am 1. Mai 2019 aus und kann nicht mehr verlängert werden. Will die Stadt Einfluss auf die Entwicklung behalten, kann sie jetzt noch mit einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan steuern.

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