Wesel: Barrierefrei: Wesel vorne weg

Wesel : Barrierefrei: Wesel vorne weg

Spitze des Sozialverbandes VdK sieht auf Rundreise durch die Rathäuser am Niederrhein viel Gutes für Behinderte. Das noch vor wenigen Jahren vermisste Problembewusstsein sei mittlerweile da, sagt der Vorsitzende Horst Vöge.

wesel/Hamminkeln/Schermbeck Peter Schenk erinnert sich noch gut an eine Aktion vor zehn Jahren. Da hatten an der Stettiner Straße 15 Rollstuhlfahrer die Busfahrer zur Verzweiflung gebracht. Sie wollten nur mal eben zum Bahnhof. Was damals Probleme verursachte, ist heute weitgehend gelöst. War Barrierefreiheit früher ein Randthema, so hat sich das Problembewusstsein grundlegend gewandelt.

Dies berichteten gestern der Weseler Schenk und sein Nachfolger als Vorsitzender des Sozialverbandes VdK, Horst Vöge aus Dinslaken, früher SPD-Landtagsabgeordneter. Bei ihrer aktuellen Rundreise zu allen 32 Bürgermeistern und Landräten von Duisburg bis Kleve haben sie Wesel, Hamminkeln und Schermbeck bereits abgehakt. Nicht alle Kommunen sind auf gleichem Niveau unterwegs, aber vieles sei angestoßen.

Herausforderung: die Schulen

Führend, so Vöge und Schenk gestern im RP-Gespräch, sei Wesel, wo vieles eine Selbstverständlichkeit sei. Beispiel Bordsteinabsenkungen: Wenn eine Straße neu gemacht wird, gehört dies automatisch dazu. 85 Prozent der Bushaltestellen seien bereits für Niederflurbusse anfahrbar, 13 weitere Stationen folgen. Querungshilfen, Ampeln, Gehwege, Stellplätze, Stadtführer für Behinderte, Internet-Auftritt, barrierefreies Formular, Bücherei-Lift: in vielen Bereichen kann Wesel punkten.

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Begrüßt wird natürlich der Neue Bahnhof Wesel, wo die Inbetriebnahme der Aufzüge sehnlichst erwartet wird. Als Herausforderung wolle sich Wesel nun der Verbesserung von schulischen Situationen widmen. Der VdK lobt, dass er mit anderen Organisationen bei Vorgesprächen für die neue Fußgängerzone dabei war.

Die beiden VdK-Spitzen betonen, dass die Gemeinden zwar unterschiedlich mit dem Thema Barrierefreiheit umgehen, es aber allgemein heute als Standortvorteil gewertet wird. Nicht nur die älter werdende Gesellschaft ist dabei im Fokus, auch die Familienfreundlichkeit spielt eine Rolle. So gibt es auch für Hamminkeln Lob vom VdK.

Fast alle öffentlichen Gebäude seien barrierefrei. Stets bedacht werde der schnelle Rettungsweg auch für Rollstuhlfahrer bei stehendem Aufzug. Gut an kommt zudem die Aktion "freundliche Toilette"— ein Service von Geschäften und Betrieben.

Schermbeck ist auf Verwaltungsebene ebenfalls recht fortschrittlich, hat zudem das Thema Euro-Schlüssel für ein Behinderten-WC aufgegriffen und die Gesamtschule bereits barrierefrei gestaltet. Nun ist der Sozialverband VdK eingeladen, weitere Schulen zu besichtigen und Vorschläge zu machen.

Unterm Strich sehen Horst Vöge und Peter Schenk die drei Kommunen auf einem guten Weg. Auch wissen sie, wo Grenzen sind. So sei man schon froh, wenn man ein denkmalgeschütztes Gebäude wenigstens barrierearm ausrüstenkönne.

(RP)
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