Bahn will keinen zusätzlichen ICE-Halt in Wesel

Schlechte Aussichten für Antrag der Politik : Bahn will keinen ICE-Halt in Wesel

Der Stadtentwicklungsausschuss hatte die Verwaltung beauftragt, bei der Bahn einen Antrag für einen neuen Intercity-Stopp zu stellen. Dadurch würde man mehr Reisende benachteiligen als davon profitieren können, sagt nun die Bahn.

Dass sich eine Mehrheit der Weseler Politiker einen neuen Intercity-Halt in der Stadt wünscht, wird bei der Deutschen Bahn auf wenig Gegenliebe treffen. Man richte sich nach der Mehrheit der Kunden, sagte ein Bahnsprecher auf Anfrage unserer Redaktion. Ein zusätzlicher Halt für ICE-Züge würde zu längeren Reisezeiten und verpassten Anschlüssen für die anderen Passagieren führen, so der Sprecher weiter. Das würde „deutlich mehr Reisende benachteiligen als durch den Zusatzhalt in Wesel profitieren könnten.“ 1991 hielt der letzte ICE in der Kreisstadt.

Eine große Überraschung dürfte die Aussage der Bahn nicht sein. Schon bei der Diskussion im jüngsten Stadtentwicklungsausschuss (wir berichteten) wurden Zweifel laut, ob das Vorhaben zu realisieren ist. Friedrich Eifert (FDP) hatte etwa auf die sehr enge Taktung hingewiesen. Aus seiner Sicht sei der Verkehr schon jetzt „bestens organisiert“. Das sagte Eifert auch mit Blick auf den ab Juni fahrenden Rhein-Ruhr-Express (RRX). Dieser ersetzt mit neuen, hochwertigen Zügen die alten DB-Züge auf der Linie RE 5 zwischen Wesel und Koblenz. Auch Ulrich Gorris (Grüne) zweifelte an die Erfolgsaussichten des Antrags.

SPD-Fraktionschef Ludger Hovest, der den Antrag gestellt hatte, ging von Widerständen seitens der Bahn aus. Man müsse aber als Politiker Lobbyismus für die Bürger machen und sich keine Sorgen um die Planung der Deutschen Bahn machen, sagte Hovest. Seine Partei verspricht sich von einem ICE-Halt eine Fahrzeitersparnis von gut 20 bis 30 Minuten pro Strecke. Bei der mangelnden Pünktlichkeit der Intercity-Züge sei eine eventuelle Verzögerung nicht so tragisch. „Dass der ICE dann fünf Minuten langsamer ist, muss man in Kauf nehmen“, so Hovest.

Doch genau das will die Bahn offenbar lieber nicht tun. Mit den jetzigen Intercity-Zügen biete man „kurze und stabile Reisezeiten“, hieß es auf Nachfrage von der Bahn. Die Zeiten seien bei der dichten Streckenbelegung in der Region stark fixiert. Letztendlich, so die Position der Bahn, gehe es darum, möglichst viele Menschen möglichst schnell ans Ziel zu bringen. Dafür wäre ein zusätzlicher Halt in Wesel kontraproduktiv. „Wir können sehr gut nachvollziehen, dass es ein starkes Interesse an einer direkten Fernverkehrsanbindung gibt“, so der Bahnsprecher. Auch er verweist auf die Regionalzüge, die in Wesel halten und in Städte mit Intercity-Anbindung fahren. In Oberhausen halten ICE-Züge. Von Wesel braucht man dorthin zwischen 21 und 26 Minuten.

Im Ausschuss am Mittwoch hatte die Politik die Verwaltung beauftragt, sich mit der Bahn wegen des ICE-Halts in Verbindung zu setzen. Die Aussagen des Bahn-Sprechers lassen allerdings vermuten, dass die Bemühungen ins Leere laufen werden.

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