Bahn verändert Betuwe-Pläne für Wesel

Dreigleisiger Ausbau: Bahn verändert Betuwe-Pläne für Wesel

Im Weseler Rathaus haben Bürgermeisterin und Mitarbeiter am Donnerstag die wesentlichen Änderungen im Planverfahren für den dreigleisigen Ausbau präsentiert. Ein Ergebnis: Die Bahn unterschlug 37 Häuser.

In einer Reihe von Punkten kommt die Deutsche Bahn bei der Planung eines dritten Gleises am Niederrhein auf der Strecke „Oberhausen – Emmerich“ der Stadt Wesel inzwischen entgegen. Details der Neuplanung hat die Stadtverwaltung im Rathaus am Donnerstag öffentlich gemacht. Für die Bahnanlieger in Wesel bleibt allerdings eine ernüchternde Nachricht. Beim Thema Schallschutz zeigt die Bahn nach derzeitigem Stand kein großes Entgegenkommen. „Da müssen wir weiter kämpfen“, sagte Gert Bork, Sprecher der Betuwegegner in Wesel.

Seit Jahrzehnten steht das dritte Bahngleis für einen intensiveren Güterverkehr am Niederrhein im Raum. Die Kommunen kämpfen gegen die Planung in dieser Form, weil sie die Belange der Anwohner nicht ausreichend berücksichtigt sehen. Rund 2000 bis 3000 Anlieger gelten in Wesel als direkt Betroffene, aber auch Autofahrer, die künftig länger an den Schranken warten müssen, sind betroffen.

Erstmals veröffentlichte die Bahn 2013 ihre Pläne für Wesel bei einer sogenannten Offenlage im Rathaus. Die Weseler Bürger reichten danach, sofern betroffen, insgesamt mehr als 2000 Einwendungen gegen diese Planung ein. Auch Bürgermeisterin Westkamp (SPD) und ihr Mann – sie wohnen in der Feldmark – formulierten eine Einwendung. Die Bahn modifizierte danach ihre Planung und legt diese nun in einem ersten Deckblatt offen. In diesem sind alle Passagen, wo Änderungen an der Planung vorgenommen wurden, farblich in Magenta markiert. Vom 29. Oktober bis 28. November ist diese veränderte Planung im Rathaus, Raum 218, einsehbar. Sie findet sich in diesem Zeitraum auch im Internet. Einwendungen gegen neue Teile der Planung können die Bürger danach bis zum 12. Dezember präsentieren. Nach derzeitigem Stand wird die Bahn für den 29. Oktober, 18 Uhr, ebenfalls einladen; in der Niederrheinhalle sollen die Bürger informiert werden.

Wesentliche Änderungen erläuterten am Donnerstag im Rathaus Bürgermeisterin Ulrike Westkamp, Feuerwehrchef Thomas Verbeet sowie Norbert Terfurth und Uwe Rosner von der Stadtverwaltung, die sich seit Jahren mit der Materie befassen. Die Bahn hat schallschutztechnische Berechnungen angepasst, so dass insgesamt 37 Häuser mehr als in der früheren Version Anspruch auf passiven Lärmschutz haben. „Viele der neu gebauten Häuser waren vorher nicht erfasst“, erläuterte Uwe Rosner. Einige Neubauten habe die Bahn in der letzten Planung noch nicht berücksichtigt – ein Fehler im Verfahren. Letztlich würde dies bedeuten, dass Lärmschutz bei Häusern finanziert wird, die im Wissen der Eigentümer gebaut worden sein müssten, dass dort ein weiteres Gleis entsteht. Haben diese Eigentümer dennoch Anspruch auf die Finanzierung von Lärmschutz? Das sei am Ende eine Frage der Bewertung durch die Bahn, sagte Norbert Terfurth.

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Ferner hat die Verwaltung durchgesetzt, dass Änderungen an den geplanten Eisenbahnüberführungen Holzweg und Hessenweg vorgenommen werden. Insbesondere die Entwässerungssituation stand hier im Fokus. Beim Hessenweg will die Verwaltung die Querung des Blumenkamper Wegs anders planen lassen. Bei der Straße „Am Blaufuß“ war der Verwaltung aufgefallen, dass nach der ersten Planung der Bahn die Lärmschutzwand auf der Straße gestanden hätte. Die Straße muss jetzt in Teilen um ein Stück versetzt werden. Im Ergebnis bedeutet dies, dass die Anlieger dort zum Verkauf eines Teils ihrer Grundstücke verpflichtet werden. Einige Bürger werden also enteignet, genießen dafür aber den Vorteil einer Lärmschutzwand. Bautechnische Anpassungen hat die Bahn auch bei den Straßenüberführungen Willy-Brand-Straße (B8) und Bocholter Straße (B473) vorgenommen. Eine wichtige Änderung hatte die Bahn selbst bei einer Pressekonferenz kürzlich im Lippeschlösschen schon erwähnt: Die Bestandsbrücken über die Lippe werden entgegen erster Planung doch erneuert.

Die Stadt empfiehlt, dass jeder, dessen Grundstück in der Nähe der geplanten Änderungen liegt, sich erneut im Rathaus informiert. Auch Einwender, deren Grundstück oder Haus bisher nicht berücksichtigt war, sollten die Neuplanung überprüfen. Im Rathaus werden Mitarbeiter der Verwaltung die Interessenten informieren. Aber: Wer schon eine Einwendung formuliert hat, muss nicht erneut eine einreichen. „Alle Unterlagen, die vor fünf Jahren eingereicht wurden, haben weiter Gültigkeit“, sagt Uwe Rosner.

Bürgermeisterin Westkamp appellierte an die Weseler, sich weiter mit ihren Forderungen im Rahmen des Planverfahrens zu äußern. „Die Weseler haben in Sachen Betuwe zusammen schon eine Menge für die Stadt erreicht.“ Als „Schritt in die richtige Richtung“ bezeichnete Betuwe-Gegner Gert Bork die überarbeitete Planung. „Aber in Sachen Erschütterungen und Schallschutz warten wir weiter auf Verbesserungen.“ Hoffnung macht ihm die Entwicklung in Dinslaken, da gebe es das Versprechen für besseren Schallschutz bereits.

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