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Auszubildende Ramona Krampe (24) besteht in der Männerwelt

Ramona Krampe (24) : Auszubildende besteht in der Männerwelt

Ramona Krampe hat 2018 eine Ausbildung zur Tiefbaufacharbeiterin begonnen und war damit in NRW erst die dritte weibliche Auszubildende in den vergangenen zehn Jahren. Jetzt ist sie fertig – mit der besten Leistung ihrer Schule.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Auf Ramona Krampe trifft dieses Sprichwort wohl eindeutig zu, denn sie schlägt die gleiche Berufsrichtung ein wie ihr Vater und ein Bruder. Das Ungewöhnliche: Die 24-Jährige hat sich 2018 für eine Ausbildung zur Tiefbaufacharbeiterin entschieden. Damit ist sie in NRW die dritte weibliche Auszubildende in den vergangenen zehn Jahren.

Nachdem die gebürtige Dorstenerin, die in ihrer Freizeit gerne Inliner fährt und reitet, zunächst als Leiharbeiterin bei einer Kanalreinigungsfirma tätig war, wollte sie bei der Firma Retzmann Bauunternehmen Tief- und Straßenbau in Schermbeck als Aushilfe auf dem Bau Erfahrungen sammeln. Obwohl sie diese Stelle aus privaten Gründen nicht antreten konnte, ergab sich die Chance, ihren Wunsch dennoch bei demselben Unternehmen durch den Beginn ihrer Ausbildung wenige Monate später zu erfüllen.

„Wir suchen niemanden fürs Büro“, waren die ersten Worte von Uwe Retzmann, der die neun Mann starke Firma leitet. Allerdings legte neben ihm auch das Team die anfängliche Skepsis nach den ersten Monaten ab. „Ramona steckt manche Mitarbeiter locker weg“, erklärt Retzmann, der gleichzeitig auch Lehrlingswart für Krefeld und den linken Niederrhein ist. Die Kräfte im Team glichen sich aus und seien nicht geschlechterspezifisch.

Jetzt ist Krampe ausgelernt – und das mit der besten Leistung ihrer Schule. Die Leidenschaft für das Handwerk ist aber über die letzten Jahre geblieben: „Am liebsten pflastere und asphaltiere ich.“ Die 24-Jährige ist bei dem im Jahr 2016 gegründeten Unternehmen gut angekommen und will sich auf Kanal- oder Straßenbau spezialisieren. Was dann kommt, bleibt abzuwarten. Retzmann wünscht sich aber das Beste für seinen Schützling, möchte Krampe optimal fördern: „Die Leute müssen sich auch weiterentwickeln. Meine Aufgabe ist es nicht, ihnen die Zukunft zu verbauen, auch wenn das bedeutet, dass Ramona vielleicht in ein paar Jahren bei der Kommune arbeiten würde.“

Erstmal wird aber der Baumaschinengeräteschein für die Bagger oder Radlader angestrebt, denn Krampe fühlt sich zwischen den ganzen Männern eigentlich auch ganz wohl. Sie schätzt die „irgendwie chaotische und lustige Atmosphäre, auch wenn es manchmal als einzige Frau auch etwas komisch ist“. Trotzdem packt sie genau so an wie jeder andere – unabhängig davon, ob sie nach einem langen Abend an der Schüppe ihren Rücken merkt.

Und auch der Betrieb hat gute Erfahrungen gesammelt. Retzmann: „Auf dem Bau ist immer was los. Dadurch muss man sich als Frau vielleicht mal gegen den etwas raueren Ton durchsetzen, aber wir sind definitiv nicht abgeneigt, einen neuen Auszubildenden bei uns aufzunehmen.“ Ramona Krampe ist auf jeden Fall jetzt fester Bestandteil des Teams.