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Lutherhaus: Ausstellung zeigt Pionierinnen der Kirche

Lutherhaus : Ausstellung zeigt Pionierinnen der Kirche

Heutzutage sind Frauen auf der Kanzel in der Evangelischen Kirche im Rheinland ein gewohntes Bild. Doch das war vor nicht allzulanger Zeit noch nicht so: Erst vor etwas mehr als 40 Jahren beschloss die damalige Landessynode die volle rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern im Pfarrdienst. "Pionierinnen im Pfarramt" lautet der Titel einer Wanderausstellung, die bis zum 23. September im Lutherhaus zu sehen ist. Superintendent Thomas Brödenfeld nahm bei der Ausstellungseröffnung den Begriff Pionierinnen genauer unter die Lupe: "Sie waren Vorkämpferinnen, Wegbereiterinnen für die Gleichberechtigung der Pfarrerinnen im Rheinland." Auf den 17 großen Schautafeln seien "beeindruckende Zeugnisse und Biographien sowie spannende Geschichten dargestellt, die zeigen, wie schwierig der Weg von Frauen ins Pfarramt war." Als Gastrednerin führte Pfarrerin Irene Diller von der Gleichstellungsstelle beim Landeskirchenamt in die Thematik ein. Auch wenn die Ausstellung im Jahr des Reformationsjubiläums auf den ersten Blick nicht viel mit Martin Luther zu tun habe, so gebe es doch Bezüge. So sei von dem Reformator überliefert: "...darumb sind alle christenman pfaffen, alle weiber pfeffin". "Gemeint ist damit, dass jeder und jede in aller Welt die Frohe Botschaft weitergeben solle", sagte Diller. Dass es aber noch über 400 Jahre dauerte, bis Frauen im Pfarramt den Männern gleichgestellt waren, sei kaum nachzuvollziehen, erklärt Diller.

Sie nannte einige einschneidende Jahreszahlen auf dem Weg zu voll anerkannten Pfarrerinnen: "Seit 1908 durften Frauen hier studieren, ab 1918 galt das Frauenwahlrecht." Auch die Zölibatsklausel erwähnte sie. Darunter verstand man eine Vereinbarung im Arbeitsvertrag von Frauen, die im Falle der Eheschließung der Arbeitnehmerin das Arbeitsverhältnis automatisch beenden - dies galt auch für Pfarrerinnen noch bis 1973. Ebenfalls berichtete Diller, dass es bis 1975 Streit gab über die Bezeichnung der Frauen in theologischen Ämtern (nur Seelsorgerin, Pastorin oder Pfarrerin?) und auch über deren Berufskleidung. So durften Frauen anfangs keinen Talar tragen. Auch das Beffchen blieb zunächst den Pfarrern vorhalten.

(jok)