Ausbildungsserie: Wenn Chef und Azubi Hilfe brauchen

Serie Ausbildungsinitiative Kreis Wesel, präsentiert von Altana (Folge 7) : Wenn Chef und Azubi Hilfe brauchen

Die Assistierte Ausbildung unterstützt beide Partner eines Ausbildungsvertrages und erhöht die Erfolgschance.

Die Zahlen zählen. Was passiert, wenn ein Auszubildender Probleme mit der Mathematik hat? Oder: Eine Ausbildung ist kein Marathon, aber auch kein Kurzstreckensprint. Wer hilft, wenn nach einem eigentlich guten Start die Motivation schwindet? Jana Pricking weiß in solchen Fällen Rat. „Teamleitung“ steht auf der Visitenkarte der 30-Jährigen, die beim Institut für Modelle beruflicher und sozialer Entwicklung (IMBSE) angestellt ist. Im Auftrag der Agentur für Arbeit Wesel unterstützt Pricking Ausbildungsbetriebe und Azubis dabei, erfolgreich zu einem Ausbildungsabschluss zu kommen. Diese Assistierte Ausbildung) gibt es als Angebot seit dem 1. Mai 2015.

Fabien Lufen (26) gehörte damals zu den ersten Azubis, die von dieser Möglichkeit Gebrauch machten. Die Assistierte Ausbildung hat dazu beigetragen, ihn nach einem tiefen Durchhänger zu einem motivierten Personaldienstleistungskaufmann zu machen. „Ich hatte damals eine Ausbildung im technischen Bereich abgebrochen, weil ich dort nicht zurechtkam.“ Bei Eltern, Verwandten und Bekannten sorgte die Entscheidung jedoch für Stirnrunzeln. Denn verlassen wurde ein großes, anerkanntes Unternehmen. So eines, von dem man früher gesagt hätte: „Mensch, Junge, dort wirst Du mal in Rente gehen.“

Für Fabien Lufen passte es dennoch nicht. Zunächst nahm er Gelegenheitsjobs an. Dann schrieb er – geschätzt – mehr als 50 Bewerbungen. Darauf gab es lauter Absagen. Dann: ein Lichtblick. Der Chef der Duisburger bps Behrendt Personalservice wollte Lufen eine Chance geben. „Und von Anfang an war ich von diesem Beruf begeistert.“ Noch einen Abbruch während der Ausbildung wollte sich Lufen jedoch nicht leisten und sprach darüber mit der Berufsberatung der Bundesagentur. Gemeinsam einigten sich Berufsberater, Chef und Azubi auf die Assistierte Ausbildung. Sie ist für Unternehmen und Auszubildende kostenlos und spannt ein zusätzliches Sicherheitsnetz auf.

„Wir sind einer von mehreren Dienstleistern im Kreis Wesel, die von der Bundesagentur in solchen Fällen eingesetzt werden“, sagt Jana Pricking. Ihr Ziel als Teamleitung und Ausbildungskoordinatorin ist es, beide Seiten in einem Ausbildungsverhältnis zu unterstützen. Vor allem in kleinen Unternehmen fehlt es den Unternehmern an Zeit und Wissen, sich um Azubis angemessen zu kümmern, die zusätzlich unterstützt werden müssen. Jemand sollte mit der Berufsschule Kontakt halten. Parallel dazu brauchen die jungen Menschen oftmals einen kundigen Kümmerer, der Defizite nicht bloß rechtzeitig erkennt, sondern auch gemeinsam mit den Auszubildenden Ziele zur Verbesserung erarbeitet. An dieser Stelle hakt Jana Pricking nach, die nicht immer bloß auf die negativen Seiten schauen will: „Es darf auch mal gelobt werden, wenn eine Hürde genommen wurde.“

Am liebsten ist ihr die Vorbeugung, die Prävention. „Wir sehen die Azubis wöchentlich und sprechen regelmäßig mit den Unternehmern.“ Oftmals ist es gar keine Geheimwissenschaft, aus dem Gehörten Schlüsse zu ziehen und gegenzusteuern. Es muss nur auf beiden Seiten eines Ausbildungsverhältnisses jemand nachhalten. „Darum vereinbare ich regelmäßige Gespräche zu dritt – mindestens einmal pro Quartal, bei Bedarf auch öfter“, sagt Pricking. Wenn es bei diesen Terminen nichts Akutes zu besprechen gäbe, sei dies ein positives Signal für den Azubi und vermittele den Unternehmen die Sicherheit, dass alles so läuft, wie es soll.

Lucas Zacher (19), Azubi im ersten Lehrjahr, lobt die Unterstützung. Im Rahmen eines Praktikums landete er bei just jenem Duisburger Personaldienstleister bps, in dem Fabien Lufen nach erfolgreicher Abschlussprüfung als Angestellter übernommen wurde. Ganz offen spricht Zacher sein persönliches Manko an: „Bereits in der Schule hatte ich Probleme mit Mathe.“

Für einen angehenden Kaufmann scheinen das nicht die besten Startbedingungen zu sein. Manchmal versucht es die Berufsberatung mit Nachhilfe – eine andere Unterstützungsmaßname während der Ausbildung. Letztlich lief es aber auch bei Lucas auf eine Assistierte Ausbildung hinaus. Hier wird in Kleingruppen gezielt an seinem Nachholbedarf gearbeitet. Was bringt das? Der 19-Jährige antwortet sofort: „Mir wird dadurch besser geholfen als zuvor.“

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