Ausbildungsinitiative Kreis Wesel: Wie sich Metallarbeit anfühlt

Kreis Wesel : Wie sich Metallarbeit wirklich anfühlt

Schüler lernen bei Clyde Bergemann die Bandbreite der Metall- und Elektroberufe hautnah kennen.

Schwer, laut, schmutzig: Das galt früher für viele Berufe in der Industrie, entspricht aber längst nicht mehr der Realität. Das Vorurteil hängt den Branchen jedoch weiterhin an. So ist immer wieder aufs Neue Aufklärungsarbeit zu leisten, wenn sich eine frische Generation baldiger Schulabgänger auf die Suche nach Ausbildungsplätzen macht. Eine wichtige Rolle in der Region spielt dabei die Clyde Bergemann GmbH Wesel. Seit mehr als als 60 Jahren stellt das zur weltweit tätigen Clyde Bergemann Power Group zählende Unternehmen Maschinen und Apparaturen zur Kesselreinigung her. Kunden sind Kraftwerksbetreiber und Industrieunternehmen.

Unter den rund 200 Beschäftigten sind 15 Auszubildende. Auch fürs kommende Jahr sucht Clyde Bergemann wieder vier bis fünf junge Leute, die sich für technische Berufe begeistern können. An zwei Tagen waren jetzt Achtklässler von vier Weseler Schulen in dem Betrieb an der Emmelsumer Straße zu Besuch. Erst Konrad-Duden-Gymnasium und Konrad-Duden-Realschule, dann Andreas-Vesalius-Gymnasium und Gesamtschule Am Lauerhaas. Natürlich gab es für sie auch theoretische Informationen, aber im Mittelpunkt stand die Praxis. Außer der Fertigung bei Clyde Bergemann lieferte der Info-Truck der Metall- und Elektroindustrie dazu die Erfahrungsmöglichkeiten.

„Die Schüler wissen oft nicht, was sie in der Berufswelt erwartet, aber durch Praktika gewinnen die Jugendlichen einen Einblick. Und wer sich motiviert und teamfähig zeigt und auch noch technisches Verständnis mitbringt, der darf uns später gerne seine Bewerbung schicken“, sagt Thorsten Rogmann, Leiter Personal und Recht bei Clyde Bergemann.

Das für die Berufsfelderkundung perfekt ausgerüstete Info-Mobil wartet mit typischen Arbeitsplätzen auf. Und es stellt unmittelbar Verbindungen her zwischen schulischen Unterrichtsinhalten und ihren Anwendungen im beruflichen Alltag. Zum Beispiel mit einer CNC-Fräse. Wer das Prinzip linearer Funktionen auf x- und y-Achse versteht, der kann auch nachvollziehen, wie das Gerät mithilfe eines Koordinatensystems Metallstücke bearbeitet. „Technik ist alles andere als graue Theorie – das wollen wir Schülern vermitteln. Ganz praktisch, indem sie selbst programmieren und Maschinen steuern“, sagt Martin Jonetzko, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes. Er macht sich auch dafür stark, dass sich mehr Mädchen trauen, Industrieberufe zu ergreifen. Mit etwa drei Prozent sei der Frauenanteil noch immer sehr gering. „In Zeiten zunehmender Digitalisierung sind technische Berufe besonders zukunftsträchtig und somit eine große Chance für die Schüler, übrigens auch gerade für Mädchen, die das leider viel zu selten wissen“, sagt Jonetzko. Um konkurrenzfähig zu bleiben, müssten sich die Berufe der Entwicklung anpassen. Die Metall- und Elektroindustrie habe dies als eine der ersten Branchen erkannt und ihre Ausbildung noch einmal modernisiert.

Den Ansatz loben auch die Lehrer der jungen Leute. Kfz-Mechatroniker oder Kauffrau im Einzelhandel seien noch immer die Wunschberufe, wenn man Achtklässler frage, sagt Peter Reinecke, der am Andreas-Vesalius-Gymnasium Chemie, Mathematik und Physik unterrichtet. „Die hier gewonnenen Erkenntnisse über Berufsbilder und deren Anforderungen können Berufswünsche verändern und erweitern“, ergänzt Bernd Maaßen, Lehrer für Technik und Physik an der Gesamtschule Am Lauerhaas.

Ob Industriemechaniker, Konstruktionsmechaniker, Mechatroniker, Zerspanungsmechaniker, Technische Produktdesigner oder Industriekaufleute – allein bei Clyde Bergemann ist die Bandbreite der Ausbildungsberufe schon sehr groß. Und die Chancen auf Stellen sind ebenso gut wie die Zukunftsperspektiven. So darf ein Berufsanfänger nach der Lehre mit einem Jahresbruttoeinkommen um 45.000 Euro rechnen.

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