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Ausbildungsinitiative Kreis Wesel: Azubis sollen Videos drehen

Ausbildungsinitiative Kreis Wesel : Azubis in der Rolle der Kurzfilm-Stars

Um Jugendliche in Zeiten von Corona für eine duale Ausbildung zu begeistern, hat der Unternehmerverband das Projekt „Meine berufliche Zukunft im Kreis Wesel“ entwickelt. Wie er Firmen und Schüler zusammenbringen will.

Junge Leute für eine Ausbildung zu begeistern, ist oft gar nicht so einfach. Diese Erfahrungen haben auch schon vor Corona viele Unternehmen gemacht, bei denen mit Hand und Verstand gearbeitet wird. So wie beispielsweise bei der Firma Elektro Eimers in der Unterbauerschaft Hamminkeln. Vor zwei Jahren hatte Firmenchef Axel Eimers größte Probleme, Lehrlinge zu finden. Was also tun? „Wir haben damals Plakate und Flyer erstellen lassen, diese überall in der Umgebung bei Banken, in Bäckereien verteilt, zusätzlich in den sozialen Medien für uns geworben und am Ende fünf gute junge Leute bekommen, so dass wir mit sieben Azubis ins neue Lehrjahr gestartet sind“, erzählt Eimers. Auch in diesem Jahr werden wieder sieben junge Leute ihre Lehre beginnen, womöglich kommt noch kurzfristig jemand dazu. Vielleicht sogar jemand, der sich das neue Video über Eimers bei Youtube angeschaut hat.

Weil es ja darum geht, Jugendliche für eine Ausbildung im Bereich Elektrotechnik zu begeistern, sind die Hauptdarsteller in dem zweieinhalb Minuten langen Film vier Eimers-Lehrlinge. Der erste kommt ins Bild, nachdem die Kamera das Eimers-Firmenareal aus der Vogelperspektive gezeigt hat – alles unterlegt mit dynamischer Klaviermusik. Ab Sekunde acht taucht ein junger Mann mit Maske auf, der davon erzählt, dass er aus einer Elektrikerfamilie komme und schon als Kind diesen Beruf erlernen wollte. Sein Name wird allerdings nicht eingeblendet. „Bei Eimers habe ich mich beworben, weil sie einen sehr guten Ruf haben hier in der Umgebung.“

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Nächste Kameraeinstellung: Ein Bohrer frisst sich in ein Stück Metall. Sekunden später kommt ein zweiter Eimers-Azubi ins Bild, der an einem Schaltschrank hantiert. Er lobt die Vielfältigkeit der Ausbildung, die netten Kollegen und dass man vieles, was man in der Berufsschule lerne, auch im privaten anwenden könne. Auch eine junge Frau kommt später ins Bild und berichtet davon, dass sie nach einem Praktikum vom Chef gefragt wurde, ob sie eine Lehre machen wolle. Sie wollte. Es es macht ihr alles viel Spaß.

„Meine berufliche Zukunft im Kreis Wesel“ heißt das neue Video, das auf der Plattform Youtube auf dem Kanal des Unternehmerverbandes mit Sitz in Duisburg zu finden ist und zweifelsohne dem entspricht, was sich die Unternehmerverbandsgruppe im Rahmen ihres neuen Projektes vorstellt: Ein Kurzvideo, in dem Lehrlinge gezeigt werden, die etwas zu ihrer Ausbildung und dem Ausbildungsbetrieb sagen, so dass sich womöglich der eine oder andere Schüler angesprochen fühlt und von einer Ausbildung überzeugt wird. „Denn genau darum geht es uns“, sagt Martin Jonetzko, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes. „Wir wollen junge Leute durch diese Filme auf die vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten in den Unternehmen aufmerksam und Schulen das Angebot machen, dass die in den Videos auftretenden Lehrlinge entweder in die Klassen kommen, um dort Schülern Fragen zu beantworten, oder dass Azubis im Rahmen einer Videokonferenz für weitere Informationen zur Verfügung stehen.“

Axel Eimers hat die Weseler Firma Flaggschiff-Film, die aktuell Fotos und Videos für die neue Eimers-Homepage erstellt, beauftragt, den Imagefilm zu produzieren. „Denn wenn wir etwas machen, dann machen wir es richtig“, sagt der Energiedienstleister. Einen Tag lang hat Flaggschiff-Chef Stefan de Leuw mit vier Lehrlingen bei Eimers gesprochen und die Antworten aufgenommen. Dabei ging es fast schon zu wie in Hollywood. „Manche Szenen mussten mehrfach gedreht werden, bis die Sachen im Kasten waren“, sagt Axel Eimers. Man habe bei der Auswahl der Akteure darauf geachtet, dass sie sich in unterschiedlichen Lehrjahren befinden und auch eine junge Frau dabei ist.

Wann das Video erstmals in einer Schulklasse zu sehen sein wird, steht noch nicht fest. „Aber wir werden auf jeden Fall die Koordination übernehmen und Kontakt mit den Schulen und Berufsberatern herstellen“, sagt Martin Jonetzko, der betont, dass das Projekt „Meine berufliche Zukunft im Kreis Wesel“ vom Unternehmerverband gemeinsam mit der Arbeitsagentur und dem Jobcenter, dem Einzelhandel, dem Handwerk, dem Garten- und Landschaftsbau sowie der Kommunalen Koordinierungsstelle Übergang Schule – Beruf (KAoA) umgesetzt wird.

Die Kurzvideos müssen übrigens nicht unbedingt von Profis gemacht werden. Gerne können auch die Lehrlinge selbst mit ihren Smartphones in Eigenregie ein Video drehen. Wobei es durchaus ratsam ist, dass Ausbilder oder die Marketingabteilung eine Auge auf die Dreharbeiten haben und die Jugendlichen unterstützen.

So wie Martin Jonetzko ist auch Axel Eimers überzeugt, dass diese neue Art der „coronafesten Berufsorientierung“ dauerhaft einen wichtigen Beitrag leisten kann, um junge Leute verstärkt wieder für eine duale Ausbildung – vielleicht auch in weniger bekannten Lehrberufen – zu gewinnen. „Sonst hätten wir diesen Aufwand auch nicht getrieben“, betont Eimers.

Unternehmen, die Ausbildungsberufe per Video vorstellen wollen, können sich im Internet unter www.unternehmerverband.org/leistungen/schulewirtschaft/ informieren. Willkommen sind auch Einrichtungen für Behinderte beziehungsweise Senioren oder auch Krankenhäuser. Kontakt und Anmeldung per Mail an die Adresse schulte@unternehmerverband.org

(kwn)